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Xavi, Iniesta ade, Bayern olé

Das war die inoffizielle Beerdigung der Ära der spanischen Welt-und Europameister: Xavi und Iniesta ausgewechselt, Pique mit dem Eigentor zum 0:2 – vom argentinischen Bankdrücker Messi, der meist an seinem Anorak nestelte, ganz zu schweigen. Das überfällige Ende des nervtötenden Tiki-Taka besorgte eine Münchener Mannschaft, die mit kraftstrotzender Dominanz, eleganter Ballsicherheit und rasanten Spielzügen den Stolz der Katalanen pulverisierte.

Kaiser Jupp: Was für ein Erbe für seinen Nachfolger. Wie soll Pep Guardiola diese Bayern-Dominanz noch toppen?
Bayern auf dem Weg zum Fußball-Olymp: David Alaba hinten souverän, nach vorne mit genialen Pässen.

„Des is wirklich a Wahnsinn“, wienert David Alaba nach dem 3:0-Sieg vor fast 100.000 Zuschauern im inzwischen entleerten Camp Nou. „Ja, ich glaube das ist richtig Geschichte“, strahlt Ajen Robben, „4:0 zuhause, 3:0 hier, da darf man auch mal schdolz sein, aber jetzt wollen wir das Ding auch gewinnen, haben wir in der Kabine gesagt. Auch über alle Spiele haben wir überzeugend gespielt, jetzt müssen wir das auch nach Hause schaukeln.“

Überrascht vom Messi-Ausfall

„Wir waren überrascht, dass Messi nicht gespielt hat, das ist schon ein Unterschied“, relativiert Trainer Jupp Heynckes ein klein wenig den klaren Auswärtssieg. Dennoch: „Ich finde, dass meine Mannschaft es unheimlich clever verstanden hat, die taktische Marschroute umzusetzen.“

Ganz anders hört sich naturgemäß der Eigentorschütze Pique an: „Ja, was soll man dazu sagen? Ich denke, sie haben tollen Fußball gespielt, Gratulation an Bayern!“ Auch Xavi kann da nur noch gratulieren: „Bayern ist heute viel wettbewerbsfähiger als Barca. Heute war Bayern eindeutig überlegen.“

Wunder in weiter Ferne

Von einem Wunder war der spanische Meister an diesem 1.-Mai-Abend so weit entfernt, wie Gelsenkirchen von Dortmund: Zu keinem Zeitpunkt gelang den Blauen im Camp Nou, auch nur der Hauch ihres gewohnten Kombinationsspiels aufzuziehen. Mit großem Aufwand kauften die Roten dem Gastgeber schon früh den Schneid ab und hatten bereits in der ersten, noch ausgeglichenen Halbzeit die besseren Möglichkeiten.

Ein dickes Trostpflaster für Ulis wunde Seele.

Nach rund vier Minuten sind die Bayern erstmals gefährlich vor dem Tor, Alves passt vor Mandzukic scharf auf Torwart Valdes zurück – eigentlich ein unerlaubter Rückpass! Gut zwei Minuten später nimmt Kapitän Lahm nach einem Galopp übers halbe Feld Fahrt auf und wird erst im letzten Moment geblockt. So kann’s weitergehen, Bayern will die frühe Entscheidung.

Bestia roja grätscht und kontert

Während Barca mit bräsigem Spielaufbau enttäuscht, grätscht die bestia roja permanent dazwischen und erarbeitet sich über Robben eine weitere Chance zur Führung – der Niederländer vertändelt aber noch vor dem Strafraum. Nach einer Viertelstunde dann auch der erste Abschluss der Spanier: Alves‘ Ansatz ist weder Fisch noch Fleisch, da muss sich keiner Sorgen machen.

Wieder zaubern die Bayern mit Robben, Schweinsteiger und Müller, der sich aber kurz vorm Bumm den Ball abluchsen lässt (18.). Im Gegenzug zwingt Pedro mit einem Schuss aus 25 Metern den Bayern-Keeper erstmals zu einer Parade – Neuer lenkt den Ball zur Ecke (24.). Dann zeigt Spielmacher Xavi Nerven: Der kleine Mann kommt nach Kopfballvorlage am Fünfer frei zum Schuss, zielt aber über die Latte (26.).

Robben im Alleingang

Das ist wieder ganz der alte Robben: Mit rausgestreckter Brust eilt der Niederländer solistisch an der halben Abwehr vorbei, doch dann übertreibt er’s und schießt den letzten Mann an – da wäre ein Zuspiel klüger gewesen (35.). Bis zur Pause passiert nichts Aufregendes mehr, was auch der überragenden Offensiv-Abwehr um Javi Martinez, Bastian Schweinsteiger und David Alaba zu verdanken ist.

Martinez hat Iniesta fest im Griff.

Insgesamt auch die passende Antwort auf die fantasievolle Videoanalyse von Barca-Trainer Tito Vilanova, der bis zum 0:3 beim Hinspiel seine Mannschaft überlegen gesehen haben wollte – danach seien Fehlentscheidungen und leichtsinnige Fehler für die Niederlage verantwortlich gewesen.

Alaba mit Beckenbauer-Pass

Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff krönt der starke Alaba seine Leistung mit einem beckenbaueresken Querpass auf Robben, der mit seinem berühmten Ajen-Schlenker drei spanische Abwehrschläfer stehen lässt und platziert links halbhoch einlocht (48.). Sieben Minuten später wird ein kleines Denkmal vom Platz schleichen: Xavi weicht Sanchez.

Kurz darauf muss auch die zweite Säule des goldenen Barca-Jahrzehnts in die Dusche: Iniesta wird durch Thiago ersetzt. Messi hat wohl auch keine Lust mehr, sich an der Blamage auf dem Feld zu beteiligen. Dafür kann sich Jupp Heynckes jetzt sogar den Luxus leisten, Bastian Schweinsteiger zu schonen und Luiz Gustavo aufs Feld zu schicken (67.).

Pique mit der Pike

Mit der verdienten Führung im Rücken kontrollieren die Bayern die Partie im zweiten Durchgang fast nach Belieben. 18 Minuten vor dem Ende sorgt ein Eigentor von Welt- und Europameister Pique für den endgültigen K.o. der Katalanen. Der Abwehrchef lenkt eine scharfe Flanke von Franck Ribéry unhaltbar für seinen Keeper Valdes in dessen 100. Champions League-Spiel ins eigene Netz.

Hat gut springen: Manuel Neuer hatte ansonsten wenig zu tun.

Die Demontage der Katalanen schreitet voran: Kopfballungeheuer Thomas Müller steigt höher als drei Spanier und verwertet die Flanke von Ribéry mit der Denkerstirn zum 3:0. Jetzt darf sich auch Kapitän Lahm eine Auszeit nehmen, Rafinha kommt rein (76.). Die Bayern eiskalt: Bis zur letzten Minute halten sie die Konzentration aufrecht, lassen nur Villa mal auf Neuer schießen. Und dann ist’s vorbei, Barcelona verliert summa summarum 0:7 und darf sich ab morgen den Kopf zerbrechen, wie man in den nächsten Jahren den Aufstieg Bayerns auf den europäischen Olymp verhindern kann.

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