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Kopenhagen und Malmö: So nah und doch so anders

Das mondäne Kopenhagen und das bodenständige Malmö: Die beiden Städte am Öresund könnten unterschiedlicher kaum sein - gerade darum lohnt es sich, beide zu besuchen. Zwei Ortsbegehungen.

Glamour oder Feinrippunterhemd? Marmor oder Kopfsteinpflaster? Smørrebrød oder Köttbullar? Nach der Ankunft in Kopenhagen – egal ob am Bahnhof oder Flughafen – steht gleich eine Entscheidung an: Direkt weiter ins schwedische Malmö? Oder doch lieber erstmal die dänische Hauptstadt entdecken?

Einfacher könnte die Weiterreise jedenfalls nicht sein: Vom Kopenhagener Hauptbahnhof rauscht der Expresszug via dem Flughafen Kastrup über die knapp acht Kilometer lange Öresund-Brücke in einer guten halben Stunde auf die schwedische Seite nach Malmö.

Ziemlich jung und ziemlich alt

Zum Anfang also erstmal Malmö. Und das ist keine schlechte Wahl. Schwedens drittgrößte Stadt mit ihren gut 300 000 Einwohnern ist zwar traditionell eine klassische Arbeiterstadt, gleichzeitig aber auch sehr jung. Die Hälfte der Menschen, die dort leben, ist unter 35 Jahre alt.

Malmö hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Upgrade verpasst. Doch vor den modernen Sehenswürdigkeiten, die heute das Stadtbild prägen, steht erstmal eine dicke Portion Geschichte an, die sich im Zentrum Malmös geradezu aufdrängt.

Um den großen Marktplatz Stortorget aus dem 15. Jahrhundert samt Rathaus und dem benachbarten kleinen Marktplatz Lilla Torg liegen jede Menge kopfsteingepflasterte Gassen voller Restaurants und Cafés, aber auch alte Wohnstraßen, die Malmö heimelig wirken lassen. Und ein bisschen dänisch – aus gutem Grund: Bis 1658 gehörte auch diese Seite des Öresunds zu Dänemark. Sie wurde nach dem dänisch-schwedischen Krieg im Vertrag von Roskilde Schweden zugeschlagen.

Einmal Magen umdrehen

Allerdings sind auch im Zentrum nicht alle Attraktionen zwingend historisch: Für eine ganz andere, vielsinnige Erlebniswelt geht es ins Disgusting Food Museum, also das Museum für ekeliges Essen. Und der Name ist absolut zutreffend: Vom Schlangenschnaps bis zu giftigen Nüssen und tödlichen Pilzen, die irgendwo auf der Welt doch mit viel Aufwand essbar gemacht werden, von Kugelfisch bis zu Madenkäse, ist alles dabei, was den meisten Menschen den Magen umdreht.

Viele der Spezialitäten kann man auch ausgiebig beschnuppern, wie beispielsweise den vergorenen Hering Surströmming aus Schweden, oder Hákarl, vergammelter Hai aus Island – das Museum ist ein idealer Programmpunkt, wenn man danach an der Restaurantrechnung sparen will.

Allerdings: Immer wieder sind hier auch ein paar Sachen dabei, die man selbst eigentlich ganz okay findet. Wer denkt schon daran, dass Eierlikör, Sauerkrautsaft, Mettbrötchen oder Wackelpudding jenseits von Deutschland als geschmacklich zweifelhaft durchgehen könnten?

Malmö goes Öko

Wer das neue Malmö entdecken will, muss nach Norden gehen, ins ehemalige Hafenviertel Västra Hamnen. Einst produzierte Saab hier Autos, baute die Kockums-Werft Schiffe. Dann kam die große Krise der 1980er Jahre und das Areal verfiel. 2001 entschloss sich die Stadt, das Gebiet wiederzubeleben. Seither entstehen auf der ehemaligen Industriebrache moderne Niedrigenergiehäuser, Parks und andere ökologische Projekte.

Weithin sichtbar ist der Turning Torso des spanischen Architekten Santiago Calatrava, der sich hier Richtung Himmel schraubt. Ihn von der Ferne zu sehen, reicht völlig aus: der 190 Meter hohe und verdrehte Turm – übrigens das höchste Gebäude Skandinaviens – wurde nicht als schickes Bürogebäude, sondern als gemischtes Wohnhaus konzipiert. Das daher nicht besichtigt werden kann.

Im Turning Torso – wie überall in Västra Hamnen – basiert die Energieversorgung komplett auf Wind- und Sonnenenergie sowie Biogas, das bei der Abfallverarbeitung entsteht.

Besonders schön lässt sich dieses Viertel, das im ständigen Umbruch ist, vom Wasser aus entdecken: Ab dem Hauptbahnhof der Stadt starten Kanalbootstouren, die nicht nur entlang der großen Sehenswürdigkeiten führen, sondern auch kreuz und quer durch das alte Hafenviertel. Sie erlauben dabei Einblicke in Ecken, in denen die Transformation in vollem Gange ist.

Ab in die Fluten

Falls die Zeit ausreicht, lohnt auch der Spaziergang über die Strandpromenade zum nahe gelegenen Ribersborgsstranden – und das nicht nur der Meeresatmosphäre wegen. Hier liegt eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Malmös: das hölzerne Kallbadhus.

1898 erbaut, ragt es seither auf Stegen weit ins Meer hinaus und macht seinem Namen Ehre, denn im «Kaltbadehaus» kann man genau das tun: Sich das ganze Jahr über in historischem Ambiente in die kalten Fluten werfen. Vorher heizt man sich natürlich in einer der Saunen mit Panoramablick auf. Große Vorbereitungen braucht man nicht, es wird ja nackt (und nach Geschlechtern getrennt) gebadet.

Weltstadt mit Kuschelfaktor

Vom kalten Bad gestärkt wird es Zeit für die kurze Reise über den Öresund zurück nach Dänemark. Wer sie am späten Nachmittag antritt, wird mit ein bisschen Glück nicht nur mit einem roten Sonnenuntergang über dem Wasser belohnt, sondern kann sich in Kopenhagen gleich ins Getümmel stürzen: Direkt hinter dem Hauptbahnhof wartet mit dem Tivoli ein einmaliger Themenpark.

1843 eröffnet, ist er einer der ältesten, noch bestehenden Freizeitparks Europas. Eine quirlige Mischung aus Gartenausstellung, Restaurantmeile, Kirmes-Kakophonie und Juxplatz samt Achterbahnen, die über den Köpfen der Besucher ihre Pirouetten drehen. Ende März startet hier wieder die Saison.

Und das ist nur der Anfang: Vom Bahnhof aus geht es über Europas erste (und mit längste) Fußgängerzone Strøget gen Norden, fast bis zum Nyhavn. Seinen Namen «Neuer Hafen» verdient er schon seit gut 300 Jahren nicht mehr so richtig – er wurde im 17. Jahrhundert angelegt. Mit seinen bunten Häusern, Segelschiffen und zahllosen Kneipen ist der Nyhavn jedenfalls ein Touristenliebling.

Das gilt ebenso für das – nur wenige Geh-Minuten entfernt gelegene – Schloss Amalienborg, in dem die Königsfamilie wohnt, wenn sie nicht gerade auf einem der anderen Anwesen im Land unterwegs ist.

Wer das leise Kopenhagen entdecken will, ist mit einer Bootstour durch die neuen Viertel der Stadt gut beraten – genauso wie in Malmö also. Da geht es zum Beispiel raus zu den verlassenen Festungsanlagen von Flakfortet und durch die ins Wasser hineingebauten Viertel. Dass man unterwegs an der (überraschend unspektakulären) Kleinen Meerjungfrau vorbeikommt, ist quasi ein Bonus.

Fotoapparate unerwünscht

Logisch, dass danach noch ein Besuch in der verruchten Freistadt Christiania ansteht, keine Viertelstunde zu Fuß vom Hafen entfernt. Dieses Viertel als alternative Wohnsiedlung zu bezeichnen, trifft die Realität nur halb: Seit 1971 lebt auf dem ehemaligen Militärgelände eine eingeschworene Gemeinschaft an Menschen, die sich als vom dänischen Staat unabhängig ansieht.

Zwischen den graffiti-bedeckten Häusern herrscht eine andere Atmosphäre als im Rest der Stadt, geprägt von alternativen Konzepten, aber auch von offenem Drogenhandel in der Pusher Street. Fotoapparate sind in Christiania in jedem Fall nicht gerne gesehen.

Ein Turm ohne Stufen

Eine knappe halbe Stunde Fußweg von Christiania entfernt, liegt ein Teil der Kopenhagener Altstadt, dessen höchstes Bauwerk unbedingt auf jeder Sehenswert-Liste stehen sollte: der Rundetårn (runder Turm). Nicht nur seines genialen Ausblicks wegen.

Den Charme des Turms aus dem Jahr 1642 entdecken Besucher erst im Inneren. Wie eine Straße windet sich dort der Aufgang nach oben, ganz ohne Stufen. Denn hier war das Observatorium des Astronomen Ole Rømer untergebracht. Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Instrumente und schweren Bücher per Pferdewagen den Turm hinauf gebracht.

Eine weitere Sehenswürdigkeit sollte man noch einplanen, und zwar auf dem Weg zum Flughafen Kastrup. Da geht es in südlicher Richtung raus aus der Stadt. Mit einem Mal zeigt sich Kopenhagen von der Urlaubsseite mit viel Meer, Strand und Sonne.

Also heißt es, wenn es die Zeit vor dem Abflug zulässt: Zwei U-Bahn-Stationen eher raus und ab zum Amager Strand. Sei es für einen Spaziergang oder nur für ein paar Minuten auf dem Steg, die Füße im Wasser – und den Blick auf den Öresund.

Info-Kasten: Malmö und Kopenhagen

Anreise: Aus mehreren deutschen Städten Direktflüge nach Kopenhagen-Kastrup. Eine weitere Option ist die Anreise mit der Bahn oder dem Fernbus in eine der Städte, etwa ab Hamburg oder Berlin.

Öresund-Express: Die Fahrt von Kopenhagen nach Malmö mit dem Zug dauert durchschnittlich knapp 40 Minuten. Normalerweise fahren pro Tag fast 90 Züge. Preis für die einfache Fahrt: ab umgerechnet zwölf Euro (www.oresundstag.se/en; englisch)

Infos zu den Tickets für Bus und Bahn in Kopenhagen: www.dinoffentligetransport.dk/tourist_de (deutsch)

Infos zu den Tickets für Bus und Bahn in Malmö: www.skanetrafiken.se (schwedisch)

Bootstouren in Kopenhagen, etwa über den Anbieter Hey Captain (www.heycaptain.dk)

Kanalrundtouren in Malmö, Abfahrt von der Norra Vallgatan gegenüber vom Hauptbahnhof, etwa über den Anbieter Stromma (www.stromma.com/de-se/malmo/)

Währung: 10 Dänische Kronen = 1,34 Euro; 10 Schwedische Kronen = 0,88 Euro (Stand: 10. März 2023)

Informationen: www.visitcopenhagen.de; www.visitdenmark.de; www.visitskane.com/de; www.visitsweden.de

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