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Fahrzeugfotografie: So setzen Sie Ihr Auto richtig in Szene

Der erste Eindruck zählt. Auch bei Autos. Deshalb lohnt es sich, das Fahrzeug ins rechte Licht zur rücken. Und das nicht nur bei Bildern fürs private Fotoalbum, sondern vor allem auch für Verkaufsanzeigen.

Autoliebhaber werden ihre Young- und Oldtimer sicher öfter einmal ablichten. Die Masse der Autofahrerinnen und Autofahrer kommt eher dann in die Verlegenheit, Fahrzeugfotos machen zu müssen, wenn ein Verkauf ansteht. Doch egal, um welchen der beiden Zwecke es sich letztlich handelt: Es sollen schöne und attraktive Fotos entstehen. Und das geht nur mit Vorbereitung und Timing.

Erst einmal sollte eine Fahrt in die Waschstraße oder Waschbox führen, um das Auto dort gründlich zu reinigen. Polierter Lack, saubere Felgen und Reifen sowie ein gepflegter Innenraum sehen auf Fotos natürlich besser aus und erhöhen die Verkaufschancen bei einem Inserat.

Raus mit dem ganzen Mist

Profi-Automobilfotograf Fabian Kirchbauer, der sich auf BMW spezialisiert hat, rät zudem, das Fahrzeug nach der Fahrzeugpflege ganz auszuräumen, um es im besten und schönsten Zustand zu fotografieren. «Das gilt für alle Autos, egal ob neue Autos, Young- oder Oldtimer, Limousinen, SUV oder Roadster wie einen historischen BMW Z3», sagt er.

Wichtig ist anschließend die Suche nach dem passenden Ort fürs Shooting. «Ein ruhiger Hintergrund, möglichst eine große und leicht erhöhte Freifläche auf dem Land bietet sich für die Autofotografie an», sagt Kirchbauer. So spiegeln sich weder Bäume, Sträucher, Häuser noch andere Autos in Lack oder Glas des Autos und lenken damit auch nicht vom Auto ab. Ein strahlend blauer Himmel ist perfekt. Denn auch Wolken können sich im Lack spiegeln.

Notfalls der große Parkplatz

Daher sollten Fotografen die Karosserie vor dem ersten Foto durch den Sucher kritisch betrachten. «Stadtbewohner können gute Ergebnisse erzielen, wenn sie ihr Auto auf einem großen Parkplatz wie vor großen Einkaufsketten oder Möbelhäusern oder vor einer neutralen Wand fotografieren», sagt Kirchbauer. «Entscheidend für ein gutes Foto ist, dass das Auto im Mittelpunkt steht und wenig von ihm ablenkt.»

Die Karosserie lichtet der Profifotograf gerne bei schwacher Sonneneinstrahlung ab. Am besten wirkt es, wenn die Sonne seitlich oder hinter der Kamera auf das Auto scheint. Je nach Lichtsituation hilft ein Stativ gegen Verwackelung, aber auch bei einem konzentrierten Bildaufbau.

Nicht zu nah rangehen

Rund fünf Meter sollte der Fotograf vom Auto stehen. «Wer näher ran geht, verzerrt die Formen, da die Proportionen nicht mehr stimmen», sagt Kirchbauer. Bei einer Digitalkamera bedeutet das ein Objektiv mit mindestens 50 Millimeter Brennweite, noch besser ist ein leichtes Tele ab 85 Millimeter.

Bei einem Smartphone rät Kirchbauer zum Zweifach-Zoom, da die Geräte in der Standardeinstellung meist weitwinklig fotografieren und so die Proportionen verzerren. Der große Unterschied zwischen Smartphone und digitaler Kamera liege übrigens darin, dass die digitale Kamera mit Brennweite, Blende und Verschlusszeit die vom Fotografen gewünschte optische Schärfentiefe abbilden kann. Das Smartphone rechne die Fotos je nach Einstellung automatisch optisch um und verändere je nach Filter die Lichtdynamik.

Tiefschwarze Reifen und Licht an

Daniel Wollstein, ebenfalls professioneller Automobilfotograf, der für Marken wie Audi, Porsche, Lamborghini oder Bugatti zur Kamera greift, legt auch Wert auf einen ausreichenden Abstand zwischen Auto und Fotograf, um die Proportionen möglichst natürlich darzustellen. Für einen schönen Effekt empfiehlt er zudem tiefschwarze Reifen, die mit speziellen Mitteln wie Reifenglanz oder Reifenschwarz behandelt wurden. «Schwarze Reifen lassen die Räder größer erscheinen, die dann optisch satter im Radhaus liegen», sagt er.

Er empfiehlt Fotos mit eingeschaltetem Scheinwerfer. «Scheinwerfer sind das Gesicht des Autos. Sind sie eingeschaltet, wirkt das Auto lebendiger, vor allem bei modernen Fahrzeugen mit aufwendigem Scheinwerfer-Design», sagt Wollstein.

Früher Morgen oder Abend sind gut

Die beste Zeit zum Fotografieren sind für den Fotografen die frühen Morgen- oder Abendstunden, wenn die Sonne niedrig steht und ein flaches, warmes Licht erzeugt und damit jeder Lackfarbe schmeichelt. Als ideale Perspektive für ein gutes Fotos sieht er eine Dreiviertelansicht von vorne mit Blick auf die Fahrerseite.

«Das Fahrzeug wirkt dreidimensional und Betrachter erkennen am meisten davon» sagt Wollstein. Die Räder sollten gerade stehen und nicht das Profil zeigen, weil es sonst aussehe wie ein Achsbruch.

Fotografen sollten darauf achten, dass alle vier Räder zu sehen sind. «Je tiefer der Standpunkt des Fotografen, desto dynamischer wirkt das Foto. Nur bei Sportwagen sollte der Fotograf nicht unter dem Unterboden schauen können», sagt Wollstein. Alles bis Kompaktklasse fotografiert Wollstein ungefähr hüfthoch, SUVs etwas höher.

Verkäufer achten auf «innere Werte»

Sind die Fotos ausschließlich für den Autoverkauf, kann man gegebenenfalls auch einige Abstriche beim Shooting machen. Als neutraler Hintergrund reicht dann vielleicht auch einfach eine weiße Wand. Und: Fotos vom Innenraum sind unter Umständen entscheidender als von außen, da die meisten Interessenten das Modell von außen bereits kennen.

Daher sollte der Fotograf möglichst viele Details wie Motor, Kofferraum, Innenraum, Zusatzausstattung und Zubehör ablichten. «Persönliche Gegenstände im Auto lenken das Auge aber ab», sagt Fabian Kirchbauer. Am besten sei der Innenraum daher leer. Schalter und Lüftungsschlitze weisen im Idealfall in eine Richtung, die Lüftungsschlitze nach unten, die Kopfstützen haben eine Höhe.

«Mit guten Fotos zeigen Verkäufer, dass sie sich Mühe gegeben haben», sagt Daniel Wollstein. Und aus guten Fotos zögen Interessentinnen und Interessenten auch meist den Schluss, dass das Auto gut gepflegt worden ist.

Innenraum im Schatten fotografieren

Um den Innenraum ideal abzulichten, rät Fabian Kirchbauer, das Auto im Schatten zu fotografieren, damit die Ausleuchtung stimmt und der Kontrast zwischen Licht und Schatten möglichst gering ausfällt. «Bei hartem Lichteinfall werden Staub und Schmutz deutlich sichtbarer», erklärt er.

Aus Gründen des Datenschutzes empfiehlt es sich außerdem, das Nummernschild unkenntlich zu machen: Entweder durch Abdecken mit Pappe oder einem Lappen, Demontage oder durch Retuschieren per Bildbearbeitung am Smartphone oder Computer.

Info-Kasten: 5 Tipps für tolle Autofotos

– Auto vorher reinigen und aufräumen
– Freie Fläche suchen
– Am frühen Morgen oder Abend fotografieren
– Dreiviertel-Perspektive, um Proportionen besser darzustellen
– Mindestens fünf Meter Abstand zum Auto

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