Goldene StraßePrahaTschechien

Rings um den Altstädter Ring

Vorbei an der reichsten Statue der Stadt, einer Allegorie der Moldau, der ein verliebter Junggeselle in älteren Jahren sein gesamtes Vermögen vermacht haben soll, nähern wir uns dem zentralen Marktplatz der Prager Altstadt, dem Altstädter Ring mit dem historischen Rathaus, der Teynkirche, der Hussitenkirche St. Niklas, dem Palais Kinský, dem Haus „Zur Steinernen Glocke“ und dem Denkmal für Jan Hus – eine sensationelle Anhäufung architektonischer Perlen vom Mittelalter bis zum Rokoko. „Im Haus zur Minute, dem schönen Sgraffito-Haus am südwestlichen Ende des Rathauskomplexes, wurden alle drei Kafka-Schwestern geboren – sie starben alle in den Gaskammern“, erzählt Janoušek, „man könnte zynisch ergänzen: Was Franz wegen seiner labilen Gesundheit erspart blieb.“

Christkindlmarkt am Prager Altstädterring.

Prag caput regni, Haupt des Königreichs prangt im Wappen am Rathaus, wo der Trausaal ohne Unterlass mit heiratswütigen Paaren und wo vor der astronomischen Uhr von 1410, pausenlos eine Versammlung der Völker dieser Erde auf die Apostel warten, die alle Stunde aufmarschieren, der Geizige mit dem Geldsack, der Sensenmann und der Türke, weil die „Türkengefahr“ noch nicht überwunden war. Im blauen Feld zeigt die babylonische Uhr nur die Tagesstunden.

Die Nordseite des Rathauses wurde noch am letzten Kriegstag von deutschen Panzern vernichtet. Wohl schon seit dem Mittelalter beherbergt der Marktplatz den weihnachtlichen Christkindlmarkt, auch wenn’s mit dem Trubel damals wohl nicht ganz so weit her gewesen sein dürfte.

Gemälde des dänischen Astronomen Tycho Brahe.

Theynkirche und Giftopfer
Nach dem Veitsdom ist sie wohl das zweitwichtigste sakrale Gebäude der Stadt, die „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“ – oder vor dem Hof, was Teyn bedeutet. 1365 wurde das Bauprojekt in Angriff genommen, 1390 in Peter Parlers Hütte das Tympanon mit dem „Leiden Christi“ über dem Nordportal geschaffen, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhunderts die beiden ungleichen Türme fertiggestellt – der Rechte, etwas dickere wird im Volksmund als Adam bezeichnet, der linke als Eva – da diese im Schatten von Adam steht, diente sie im Mittelalter als kühles Lager für Lebensmittel.

Rechts vom Hauptaltar ruhen die vergifteten Gebeine des dänischen Astronomen Tycho Brahe, der am Hof Kaiser Rudolf II. dem Neid der Schranzen ausgesetzt war. Die „Giftmord-Story“ des Journalistenehepaares Joshua und Anne-Lee Gilder dementierte die deutsche Kepler-Gesellschaft gleichwohl als „absurd und abstrus“. [„Der Fall Kepler – Mord im Namen der Wissenschaft“, 319 Seiten, List-Verlag 2005, ISBN 3-471-79509-X]

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