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Hussiten vs. Katholiken

Der Seitenflügel des Alten Königspalastes war Schauplatz des zweiten Prager Fenstersturzes – beim ersten stürmten 1419 Hussiten das Neustädter Rathaus, um Glaubensgenossen zu befreien und beim dritten vermutet man, hätten 1948 kommunistische Agenten beim angeblichen Freitod von Jan Masaryk nachgeholfen, um sich des populären Außenministers und Sohns des ersten Staatspräsidenten zu entledigen.

Der zweite Prager Fenstersturz 1618 führte zur Schlacht am Weißen Berg, dem 30-Jährigen Krieg und einer Jahrhundertelangen Vormachtstellung der Katholiken in Böhmen.

„Hier aber“, doziert Ivo, „zogen am 23. Mai 1618 200 Vertreter der protestantischen Stände unter Führung von Heinrich Matthias von Thurn zur Prager Burg und warfen nach einem Schauprozess die königlichen Statthalter Jaroslav Borsita Graf von Martinitz, Wilhelm Slavata und den Sekretär der Kanzlei aus einem Fenster etwa 17 Meter tief in den Burggraben.“ Alle drei sollen laut Legende überlebt haben, weil sie auf einen Misthaufen fielen.

Nicht einmal in der Legende hat dagegen der Brückenheilige Nepomuk seinen Sturz von der Karlsbrücke überlebt: „Angeblich soll er das Beichtgeheimnis der Königin nicht verraten haben“, erklärt Janoušek die Attribute der Statue des Heiligen, „er wurde in die Moldau gestürzt, wobei sich auf dem Wasser fünf goldene Sterne mit der Inschrift ,tacui´, ich schwieg, gebildet haben sollen.“ 1729 wurde er heilig gesprochen, nicht zuletzt aus politischen Gründen, denn als Mitstreiter der katholischen Sache sollte er den Ruhm des Jan Hus überstrahlen.

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