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Auszeit in der Göhrde – Baumhaushotel mit Wolfsführung

Mit EU-Mitteln ist im Wendland ein nachhaltiges Baumhaushotel entstanden. Es soll vor allem ein Lernort sein. Waldpädagogik und Wolfsführungen werden angeboten.

Für ein Candle-Light-Dinner zu zweit ist das Baumhaushotel in der Göhrde im Wendland der falsche Ort. Ruhig und abgeschieden allemal, aber Barbara und Kenny Kenner locken Urlauber und Ausflügler mit geselligen Abendessen, Waldpädagogik und Wolfsführungen. «Wir leben in einer Welt der Isolierung. Die Leute fühlen sich nach einer Zeit hier zu Hause», erzählt die 61-Jährige, die mit ihrem Mann und weiteren Weggefährten in einer Lebensgemeinschaft auf dem Grundstück wohnt. Die Idee entstand vor 20 Jahren: «Wir kommen alle aus dem Gorleben-Widerstand und mussten uns etwas überlegen.»

Es gehe nicht nur darum, ein Hotel zu haben. «Wir wollen ja alle nachhaltig leben und wir zeigen, wie es geht.» Barbara Kenner möchte die traditionelle Hotellerie verändern: «Viele wollen Abenteuer, Erleben und Kommunikation.» So ließen die Kinder ihrer Gäste nach Ausflügen in den Wald bereits nach kurzer Zeit das Handy im Zimmer liegen.

Im Juli weihte Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die Erweiterung des Haupthauses mit 16 Zimmern um zehn Mini-Häuser auf Stelzen ein, ein Klimapfad mit Informationen zur Region verbindet sie. Trotz heißer Temperaturen draußen sind die Zimmer angenehm kühl. Eine Lehmheizung ist in die Wände eingebaut, als Tapete dient verputzte Schafswolle, die Feuchtigkeit zum Beispiel von der Dusche aufnimmt. Die überall verwendete Esche ist geseift statt mit Lack versiegelt. Zudem speichern die Grasdächer Feuchtigkeit. Geheizt wird mit Biogas aus einem Blockheizkraftwerk in der Nähe.

Mit Hilfe der EU-Förderung von 1,17 Millionen Euro entstand das Vorzeigeprojekt im Kreis Lüchow-Dannenberg. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,9 Millionen. Die Baumhäuser sind den Rundlingen im Wendland nachempfunden. Das Konzept vom Bio-Hotel als Lernort hat es auch Meyer angetan: «Dieses Projekt kann vielen ein Anschauungsbeispiel sein», sagte der Minister bei der Einweihung. Derzeit arbeiten 30 Angestellte auf zehn Vollzeitstellen, die Arbeitszeiten gehen von 5 bis 40 Stunden.

Besonders am Herzen liegt Kenny Kenner das Wolfsthema. «Ich habe ein Interesse daran, dass Wolf und Mensch zusammenleben können», sagt der 71-Jährige, der nach eigenen Angaben an die hundert Begegnungen mit dem Tier hatte.

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