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Wirbelsäule verdreht: Was Eltern über Skoliose wissen müssen

Neustadt (dpa/tmn) – «Wie nah kommst du dem Boden mit deinen Händen?» Mit gestreckten Beinen Oberkörper und Arme nach unten hängen lassen: Das ist eine Aufgabe, mit der Eltern herausfinden können, ob das Kind womöglich eine Skoliose hat, also eine verkrümmte Wirbelsäule. 

Zeigt sich nämlich ein Buckel, wenn sich das Kind nach unten beugt, deutet das auf diese Wachstumsstörung hin. Das sagt Orthopäde Jens Seifert, Chefarzt des Wirbelsäulenzentrums der Asklepios Fachklinik Hohwald. 

Auch wenn sich auf einer Seite der Wirbelsäule eine Wulst abzeichnet, sollten Eltern an Skoliose denken. Rund drei Prozent der Kinder in Deutschland sind von der Erkrankung betroffen. Gab es in der Familie bereits Fälle von Skoliose, ist das Risiko erhöht – die Genetik spielt also eine Rolle. Und: Mädchen trifft es häufiger als Jungen.

Verdacht innerhalb eines Quartals abklären lassen

Beim Verdacht auf Skoliose rät Seifert, den Besuch beim Orthopäden oder der Orthopädin nicht auf die lange Bank zu schieben. «Man sollte es innerhalb eines Quartals abklären lassen.» Denn der Körper wächst weiter, die Krümmung kann sich verschlimmern. 

Wie fortgeschritten eine Skoliose ist – das beurteilen Fachleute anhand des Krümmungsgrades. «Wird die Skoliose bei einer Abweichung von zehn Grad erkannt, kann man sie gut mit Physiotherapie in den Griff bekommen», sagt Seifert. Um 20 Grad herum kommt zudem ein orthopädisches Korsett zum Einsatz, das aber erst mal nur nachts getragen werden muss. Bei stärkeren Formen muss das Kind es auch am Tag anziehen. Und zwar so lange, bis das Wachstum der Wirbelsäule abgeschlossen ist.  

«Bleibt eine Skoliose unbehandelt, kann sie zu schwersten Befunden führen», sagt Jens Seifert. Mit der Wirbelsäule können sich auch die inneren Organe verdrehen, was etwa zu Lungen- oder Herzveränderungen führt.    

Nicht nur den Rücken stärken, auch die Seele

Und was kann die Skoliose-Diagnose gerade für Schulkinder bedeuten? «Es kommt immer wieder vor, dass Kinder gehänselt oder ausgeschlossen werden, weil sie sichtbar ein Korsett tragen oder am Nachmittag immer wieder Physiotherapietermine haben», sagt Seifert. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Jugendlichen die Behandlung nicht konsequent verfolgen – und somit schwere Skoliosen entstehen können. 

Was helfen kann: das Umfeld über die Erkrankung und die Therapie aufklären, auch Lehrerinnen und Lehrer mit ins Boot holen. Und natürlich: das Selbstvertrauen der betroffenen Kinder und Jugendlichen stärken.

Am Sportunterricht können Kinder mit Skoliose übrigens ohne Einschränkungen teilnehmen, wie Seifert sagt. «Auch für Kinder mit Skoliose ist natürlich viel Bewegung wichtig.» Sportarten, die die Rumpf- und Rückenmuskulatur gut stärken, sind zum Beispiel Schwimmen oder auch Klettern.

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