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Naturschutz mal anders: Biertrinken für den Wiedehopf

Vier Hobby-Ornithologen in Südbrandenburg zeigen, dass Bier die Wiederansiedlung des selten gewordenen Wiedehopfs befördern kann. Mit dem «Wiedehopfen» finanzieren sie den Bau witterungsbeständiger Nisthilfen.

Sie haben ein Vordach und ein rundes Einflugsloch, sind achteckig und bezugsfertig – die tierischen Eigenheime aus Eichenholz. Jetzt braucht der Wiedehopf nur noch einzuziehen. Je nach Witterung wird der Höhlenbrüter Anfang bis Mitte April aus seinem afrikanischen Winterquartier zurück erwartet in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen bei Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald). Im vergangenen Jahr war der Wiedehopf Vogel des Jahres.

Dass dem etwa amselgroßen Vogel mit der auffälligen Färbung, der unverkennbaren Kopfhaube und dem langen, gebogenen Schnabel hier Wohnungen quasi frei Haus geliefert werden, hat seinen Grund. In freier Natur hat sich der Wiedehopf rar gemacht. «Aber er ist eine Charakterart der Bergbaufolgelandschaft, liebt karge offene Landschaften in trockenwarmen Klimazonen, auch ehemalige Truppenübungsplätze, auf denen er Maulwurfsgrillen und Heuschrecken als Nahrung findet», sagt der Leiter des Natur-Erlebniszentrums Wanninchen der Sielmann-Stiftung, Ralf Donat.

Da Brutmöglichkeiten in alten Astlöchern, Kopfweiden oder auch Steinhaufen fehlen, helfen Naturschützer nun mit den hölzernen Vogel-Eigenheimen nach. Möglich gemacht haben das Hobby-Ornithologe Philipp Juranek und seine drei Mitstreiter, die sich über das Internet kennenlernten. Der Berliner Filmemacher war vor fünf Jahren mit seiner Familie auf einen alten Bauernhof bei Luckau gezogen und hatte in seinem Garten den Wiedehopf entdeckt. «Er beginnt bei etwa 20 Grad Celsius an zu rufen», erzählt Juranek. «Mit dem dreisilbigen monotonen Huphuphup zeigt er sein Revier an.»

Gemeinsam mit seinem Nachbarn Bastian Enners, ebenfalls Neu-Lausitzer, erfand er das «Wiedehopfen» – ein Bier, das zugunsten des Vogels verkauft wird. Illustratorin Lucia Zamolo lieferte das Design dazu, Fotograf Levin Gräfe die Aufnahmen für die Website. Einen Partner für das ungewöhnliche Wiederansiedlungsprojekt fanden die vier in der Barnimer Brauhaus GbR aus Hohenfinow (Kreis Barnim). «Wir sind selbst sehr naturverbunden als Brauerei auf dem Lande und wollten diese tolle, ehrenamtliche Aktion unterstützen», erzählt Inhaberin Nora von Billerbek.

Insgesamt 90 Wiedehopf-Brutkästen haben die Initiatoren bisher von einem Tischler anfertigen lassen, finanziert aus dem Erlös des Bieres. Die geräumigen Luxus-Niströhren werden von Juranek und im Zentrum Wanninchen kostenlos an Interessenten abgegeben. Sie sollten mit der Öffnung nach Südosten in 50 bis 150 Zentimeter Höhe angebracht werden und müssten stabil aufgehängt sein, ohne zu wackeln, erläutert Wiedehopf-Freund Juranek. Brutpaare seien sehr standorttreu. «Das heißt, sie nutzen die Nisthöhle immer wieder, sie muss also lange halten.» 30 Brutröhren wurden mit Unterstützung von Naturschützern bereits im Frühjahr vergangenen Jahres an möglichst geeigneten Plätzen angebracht und zumindest teilweise von den Vögeln auch angenommen, wie Naturschützer beobachtet haben.

Auf 12 bis 15 Brutpaare schätzt Donat das Vorkommen in Wanninchen, 10 davon hätten die Nisthilfen bezogen. Wenn die Bedingungen stimmten, könne der Wiedehopf zwei Bruten mit je 5 bis 8 Eiern im Jahr aufziehen. «Wichtig ist nicht nur die Anbringung der Niströhren, sondern der Erhalt der Lebensräume – Weiden und Wiesen mit Trockenrasen. Wiederansiedlungsflächen müssen ihren offenen Charakter behalten, beispielsweise durch das Anlegen von Streuobstwiesen», betont der Fachmann. Wer sich einen Brutkasten abhole, fühle sich auch dafür verantwortlich, hat Juranek beobachtet. Insofern sei der Wiedehopf schon identitätsstiftend. «Das ist Öffentlichkeitsarbeit, die von selbst funktioniert», freut er sich. Inzwischen bekämen die Initiatoren Anfragen aus ganz Deutschland.

Noch im 19. Jahrhundert sei der Wärme liebende Wiedehopf deutschlandweit flächendeckend ein häufiger Brutvogel gewesen, erzählt er. «Dann aber verschlechterten sich die klimatischen Bedingungen, im Nordwesten verschwand diese Vogelart komplett.» Die immer intensivere Bewirtschaftung der Felder und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hätten den Wiedehopf dann weiter vertrieben. Von den schätzungsweise 800 bis 950 Brutpaaren deutschlandweit lebe ungefähr die Hälfte in Brandenburg, sagt der Biologe.

Das Hauptverbreitungsgebiet ist der Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Vorkommen gebe es noch im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und im Norden Sachsens sowie Sachsen-Anhalts. Nur vereinzelt sei der Wiedehopf noch in Baden-Württemberg zu finden. «Eine traurige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass er dort einst in den Weinbergen weit verbreitet war», sagt Juranek.

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