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Nachts im Freibad: Hausfriedensbruch – und kein Kavaliersdelikt

Für die einen ist es nächtlicher Nervenkitzel, für andere ungebetener Besuch: Nicht jeden erfreuen Gäste, die im Mondlicht im Schwimmbecken planschen. Wie ist die Situation in Rheinland-Pfalz?

Vor dem bundesweiten «Tag des Freibads» am Freitag warnt die Polizei in Rheinland-Pfalz vor nächtlichen Besuchen in den umzäunten Schwimmarealen. Die Einbrüche seien kein Dummejungenstreich, sondern gefährlich und illegal. «Ein widerrechtliches Eindringen stellt einen Hausfriedensbruch dar», betont etwa die Polizei in Mainz. «Dieser wird generell mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.»

Bei Jugendlichen verhängen Gerichte schon einmal gemeinnützige Arbeit. «Es kann dennoch in besonders schweren und wiederholten Fällen auch zu Geld- oder sogar Haftstrafen kommen», teilen die Sicherheitskräfte in der Landeshauptstadt mit. Und Michael Schreiner, der Landesvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister in Kröppen (Südwestpfalz), erinnert: «In sehr warmen Nächten fährt in vielen Gemeinden die Polizei öfters mal an den Bädern vorbei.»

Baden in einer Sommernacht gilt vielen als romantisch – und wird besungen, ob in «Nightswimming» von der US-Kultband R.E.M. oder in «Freibadpommes» von Pop-Star Sarah Connor. Andere sehen das weniger gefühlig. «Wir durften schon Mülleimer, Sitzbänke und ähnliches aus dem Becken holen», sagt Jürgen Abel, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft Mußbacher Schwimmbad. In Neustadt/Wstr. stelle man insgesamt etwa ein Dutzend solcher Besuche pro Badesaison fest. «Einheimische halten sich mit Verwüstungen zurück. Ihnen ist bekannt, dass es ohne Ehrenamtliche in Mußbach kein Bad mehr geben würde.»

Dirk Osterhoff, Geschäftsführer Regionalbad Bingen-Ingelheim GmbH, meint dazu: «Früher habe ich einmal in einer Dienstwohnung in einem Freibad gewohnt. Bezogen auf meine langjährige Erfahrung, handelt es sich eher um junge Erwachsene, die tendenziell leicht alkoholisiert sind und sich einen Spaß machen und überhaupt nicht im Kopf haben, dass das eine Straftat im Sinne des Hausfriedensbruchs ist.»

Wie oft Zäune überklettert und im Mondschein geplanscht wird, ist unklar. «Eine Auswertung unserer Vorgangsprogramme ergab, dass wir vom 28. Mai 2022 bis 28. Mai 2023 keine Fälle im Mombacher Schwimmbad registriert haben. Im Taubertsbergbad wurden zwei Fälle registriert. Je ein Erwachsener im Alter von 23 und 27 Jahren, der im alkoholisierten Zustand durch Reinigungskräfte angetroffen und die Polizei verständigt wurde», erklärte die Polizei in Mainz.

Die Polizei Trier teilte mit: «Im gesamten Dienstgebiet des Polizeipräsidiums sind 2022 13 Fälle und 2023 bis zum 27. Juni 8 Fälle erfasst. Diese Zahlen stammen aber nicht aus der polizeilichen Kriminalstatistik und sind nicht zu 100 Prozent valide.» 2022 sei knapp die Hälfte der ermittelten Tatverdächtigen Erwachsene gewesen, die übrigen Jugendliche und Heranwachsende sowie eine geringe Anzahl an Kindern unter 14 Jahre. 2023 seien drei Viertel der Verdächtigen Jugendliche gewesen – die übrigen Erwachsene.

Das Polizeipräsidium Westpfalz erklärte: «Eine Recherche im rheinland-pfälzischen Vorgangsbearbeitungssystem nach Ereignisart Hausfriedensbruch und Freibad ergab im Zeitraum 1. Januar 2019 bis 19. Juni 2023 sechs Treffer. Gleichwohl kann vermutet werden, dass hierzu eine entsprechende Dunkelziffer besteht.»

Im Bereich der Polizeidirektion Ludwigshafen wurden 2022 neun Fälle von Hausfriedensbruch in Schwimmbädern bekannt, 2023 wurde bisher ein Fall bekannt. «Erfahrungsgemäß dürfte es sich hierbei überwiegend um Taten während der Öffnungszeiten handeln», hieß es.

Landesvorsitzender Schreiner vom Bundesverband Deutscher Schwimmmeister meint, die nächtlichen Umtriebe habe es schon immer gegeben, aber nicht mehr so häufig wie früher. «Bei Vandalismus ist dies äußerst ärgerlich, jedoch werden die Täter selten erwischt.»

Nicht immer endet der Besuch glimpflich. «Bislang ist uns nur eine Verletzung bekannt: ein abgerissenes Fingerglied beim Überklettern des Zauns», erzählt Jürgen Abel von der Fördergemeinschaft Mußbacher Schwimmbad. Und ab und an bemerke man Blutspuren auf dem Rasen.

Die Polizei erinnert aber auch an einen traurigen Vorfall im Bergbad Heltersberg in der Südwestpfalz. Dort war im Juni ein 17-Jähriger beim nächtlichen Versuch, das Drehkreuz im Eingangsbereich des Bades zu übersteigen, ohne Fremdverschulden tödlich verletzt worden.

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