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Musiker-Pub Groddagården

Gotland ist Bauernland – und da die Gotländer Bauern seit jeher keine Herrscher duldeten, traten immer wieder originelle Persönlichkeiten in Erscheinung, die das leben ihrer Gemeinde prägten.

Das Freilandmuseum Groddagården bei Fleringe war einmal ein beliebtes Musik-Pub.

In mehreren, oft liebevoll von Vereinen oder Privatbesitzern gepflegten Gutshöfen und Freilichtmuseen gewinnt man ein anschauliches Bild vom Leben vergangener Jahrhunderte. Wie etwa auf Groddagården bei Fleringe, wo wir erst etwas unschlüssig die Info-Tafel vor dem Gehöft betrachten – während der mutmaßliche Besitzer letzte Hand an dies und jenes legt, und uns ein Schäferhund und ein Dackel begrüßen. „Trauen Sie sich nur“, lädt er uns ein und wir passieren den Innenhof, wo seine Gattin sonnenbadet. Das Paar kommt aus Stockholm und hat mit dem Kauf des Anwesens auch die Betreuung des kleinen Museums übernommen.

Möglicherweise die Geige von Grodd-Ole.

Große Wikinger-Vermögen
Im Wikinger-Zeitalter wurden durch den Handel mit Land große Vermögen angehäuft. Daraus entwickelte sich eine wohlhabende Schicht freier Bauern. Die meisten Landwirte lebten im Mittelalter autark auf ihren Höfen. Steine für den Hausbau waren in rauen Mengen vorhanden. Zu ihren großen Grundstücken gehörten Wälder, wo sie Baustoff und Feuerholz bezogen. Ihre Kleidung stellten sie aus der Wolle der Gotlandschafe und Leinen aus Flachsfaser her. Sie ernährten sich von ihren tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen – ergänzt um Jagd und Fischfang. Die Werkzeuge, die sie verwendeten, wurden in der farmeigenen Schmiede hergestellt. Nicht selten traten die Bauern auch als Händler auf den Plan.

Später wurden fähige Handwerker engagiert, um größere Steinhäuser, Lagerhäuser für die Handelsgüter und Kirchen zu bauen. Etwa 200 solcher Anwesen sind auf Gotland noch erhalten. Der allgemeine wirtschaftliche Abschwung nach 1350 setzte dieser Baukonjunktur ein Ende. Hölzerne Pfahl und Planken-Häuser mit Dächer aus Brettern oder Steinplatten setzten sich durch. Als das Holz im 18.Jahrhundert rar wurde, garantierte der Staat allen Bauherren Steuererleichterungen, die Steinhäuser errichten ließen.

Geigenvirtuose Grodd-Ole
Auf Groddagården lebten über Generationen wohlhabende Händler. Als die „Grodda-Jungs“ hier im späten 18. Jahrhundert in Erscheinung traten, entwickelte sich die Farm zu einem beliebten Treffpunkt für Musiker aus Nord-Gotland – darunter eine Reihe begabter Geiger, die viele Lieder komponierten, die bis heute gespielt werden. Der berühmteste von ihnen war Grodd-Ole, der auch ein virtuoser Leierkasten-Spieler gewesen sein soll – eine arachaische, gotlädnische Variante, die aus dem 10. Jahrfhundert stammt.

Die Leier erbte sein Sohn Grodd-Jaken, der das Instrument 1875 dem lokalen Museum in Fornsalen vermachte . Zu diesem Zeitpunkt war Grodda ein Wirtshaus, das den Gästen nicht nur ein Bett, Essen und Trinken, sondern auch jede Menge Unterhaltung bot. Als Grodd-Jaken 1948 starb, war das Haus ein Zentrum lokaler Musiker. Die Farm wurde renoviert und dient heute dem örtlichen Stiftungsverein, der versucht, mit Musikveranstaltungen die alten Tradtionen am Leben zu erhalten.

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