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Frischekur: Modernisierung der ICE 3-Flotte kurz vor Abschluss

Mindestens 30 Jahre will die Deutsche Bahn die Züge der ICE 3-Flotte einsetzen. Damit die Hochgeschwindigkeitszüge diese Lebensdauer erreichen, werden sie bis Ende Juli modernisiert. Eine wichtige Komponente ist dabei in Nordhessen wieder aufbereitet worden.

Es wird geputzt, geschleift, lackiert und geschraubt: Rund 500 Wagenübergänge der ICE 3-Flotte der Deutschen Bahn (DB) hat der Kasseler Bahntechnik-Hersteller Hübner in den vergangenen sechs Jahren modernisiert. «Dabei ist vor allem Handarbeit gefragt», sagt Sebastian Harz, der den Bereich Service & Refurbishment Solutions – zu deutsch Sanierungslösungen – leitet.

Ab 1997 hat die Hübner Gruppe die Züge der Baureihen 403 und 406 mit den Übergängen erstausgestattet – die ersten ICE 3 gingen laut Bahn Anfang der 2000er-Jahre in Betrieb. Die ziehharmonikaartigen Faltenbälge verbinden die einzelnen Wagen miteinander und ermöglichen den Fahrgästen, von einem in den anderen Wagen zu wechseln. Sie wölben und strecken sich, wenn die rot-weißen Züge mit einer regelmäßigen Spitzengeschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern bei Wind und Wetter über die Schienen rasen.

Das hinterlässt deutliche Spuren: Der Stoff der Wellenbälge ist abgewetzt und verwittert, die Aluminiumrahmen, an denen sie befestigt sind, sind verschmutzt und abgeschabt. In Kassel haben die Komponenten eine Frischekur bekommen. «Die wiederverwendbaren Teile werden aufgearbeitet. Was nicht mehr brauchbar ist, wird entsorgt und ersetzt», sagt Harz. Dazu gehören etwa die Faltenbälge, die abschließend wieder mit den überarbeiteten Rahmen zusammengebracht werden.

Die Übergangssysteme sind laut Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Schienenverkehr an der TU Berlin, besonders wartungsintensiv. Sie werden etwa in den Kurven stark beansprucht. «Ihre Lebensdauer ist wesentlich kürzer als die der Züge», sagt Hecht. «Die Lebensdauer der Züge der ICE 3-Flotte wird in der Regel bei etwa 40 Jahren liegen», erklärt er. Bei einer jährlichen Laufleistung von rund 600 000 Kilometer komme ein Fernverkehrszug in dieser Zeit auf 20 Millionen Kilometer. «Das kann er natürlich nicht ohne Wartung überstehen.»

Die größten Kosten verursache dabei der Radverschleiß, sagt Hecht. So führten unter anderem Abnutzungserscheinungen immer wieder zu Flachstellen, also zu Unrundheiten am Rad. Sie entstehen, wenn das Rad des sich bewegenden Fahrzeugs nicht mehr rollt, sondern über das Gleis rutscht. In der Folge rumpelt der Zug und macht mehr Lärm. Stark beansprucht werden laut Hecht zudem die Achswellen.

Die Aufbereitung der Wagenübergänge ist nur ein Baustein der Modernisierung der ICE 3-Flotte. Noch bis Ende Juli sollen einem Sprecher der Bahn zufolge 49 Züge der Baureihe 403 «redesignt» werden. Dazu würden unter anderem Kabel und Komponenten in den elektrischen Anlagen ausgetauscht und das neue digitale Zugsicherungssystem ETCS eingebaut. Zudem solle die IT-Plattform «IT on ICE» für besseres, ausfallsichereres Wlan und aktuelle Kundeninformation sorgen. Es gebe neue Informationsmonitore außen und innen sowie eine umfassende Aufarbeitung des Innenraums etwa mit neuen Sitzen und Teppichen.

Auch die WC-Anlagen werden dem Sprecher zufolge modernisiert, die Bordbistros durch neue Bordrestaurants ersetzt. «Wir erhöhen so die Lebensdauer und halten die Züge über ihre gesamte Lebenszeit technisch und aus Fahrgastsicht auf dem neuesten Stand. Das ist eine Form der Nachhaltigkeit», sagt der Sprecher. Bei 16 Zügen der Baureihe 406 wurden ihm zufolge weniger umfangreiche Maßnahmen durchgeführt, da diese Fahrzeuge mittelfristig durch den ICE 3 Neo ersetzt werden sollten.

Ein Manko – laut Hecht das größte der ICE 3-Flotte – bleibt allerdings trotz Modernisierung: der fehlende stufenlose Einstieg, was für Rollstuhlfahrer und Reisende mit Rollatoren eine große Erschwernis bedeutet. Auch der ICE 3 Neo, der neue Schnellzug der Flotte, verfügt nicht über einen barrierefreien Zugang. Einen stufenlosen Einstieg wird erstmals der neue ICE L bieten, der ab Oktober 2024 zwischen Berlin und Amsterdam verkehren soll. Das L im Namen steht für «Low Floor» und bedeutet Niederflureinstieg.

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