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Zuversicht und Bangen nach Fischsterben in Oder-Region

Die Flussauen der Oder sind Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Trotz viel Zuversicht mit Blick auf die Tourismussaison in der Uckermark löst das Risiko einer erneuten Umweltkatastrophe Unruhe aus.

Der Nationalpark Unteres Odertal mit seinen artenreichen Auen erlebt ein Frühlingserwachen: Kraniche und Reiher sind zu sehen, Orchideen und Adonisröschen wachsen dort. Die Tourismussaison an der Oder ist gestartet, Kanu- und Radtouren gehören dazu. Doch angesichts der nicht gebannten Gefahr eines erneuten Fischsterbens an der Oder sind Tourismusanbieter in der Uckermark und Fischer auch in Sorge.

Die Saison sei gut angelaufen, aber eine erneute Umweltkatastrophe in dem deutsch-polnischen Grenzfluss könnte dem Tourismus dauerhaft schaden, so die Befürchtungen. «Wenn solche Ereignisse immer wieder kommen, kann das positive Image leiden», meinte die Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft in der Uckermark, Anet Hoppe. Vor allem die Entwicklung der Goldalge, die im vergangenen Sommer als eine Ursache für das massenhafte Fischsterben ausgemacht wurde, macht Experten Kopfzerbrechen.

Der Landesfischereiverband kündigte an, dass in Seelow im Landkreis Märkisch-Oderland gemeinsam mit der Stadt Frankfurt (Oder), Fischern und Anglern am 26. Mai eine Oder-Konferenz organisiert wird. Das Bundesumweltministerin plant im Juni eine Konferenz zu den Folgen des Fischsterbens. «Es muss gehandelt werden», sagte der Geschäftsführer des Fischereiverbandes, Lars Dettmann. Er gehe davon aus, dass es viele Jungfische geben werde und die Bedingungen zur Vermehrung gut seien. Es müsse aber vor allem eine Massenentwicklung der Goldalge, die ein Gift produzieren kann, gestoppt werden.

Aus Polen kam zuletzt eine Nachricht, die bei Dettmann Besorgnis auslöst. Im Czernica-Stausee in der Woiwodschaft Niederschlesien sei trotz geringen Salzgehalts des Wassers ein deutlicher Anstieg der Goldalgen-Menge beobachtet worden, hatten polnische Behörden vor zehn Tagen berichtet. Das Ausmaß des Fischsterbens bezeichneten sie aber als gering.

Der Fischökologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Christian Wolter, zieht daraus noch keinen klaren Schluss. Er sagte aber, es habe bereits die Befürchtung gegeben, dass aufgrund der weiten Verbreitung der Alge in der Oder vielleicht auch weniger Salz ausreiche, um die Zellen zum Wachsen anzuregen.

Im August vergangenen Jahres war es im deutsch-polnischen Grenzfluss zu dem massenhaften Fischsterben gekommen. Die Fachleute gehen seitdem davon aus, dass hoher Salzgehalt, Niedrigwasser, hohe Temperaturen und das Gift der Algenart wesentliche Ursachen für das Fischsterben waren.

Die Berufsfischer an der Oder pausieren derzeit noch. Erst nach der Laichzeit der Fische sollen sie wieder anfangen, zu fischen, wie Verbands-Geschäftsführer Dettmann sagte. Wolter, der seit vielen Jahren wissenschaftliche Befischungen auf der Oder durchführt, äußerte sich zuletzt optimistisch zur Erholung des Fischbestandes.

Zuversichtlich bleibt auch die Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Uckermark GmbH, Hoppe, mit Blick auf die Urlaubssaison. «Die letzte Katastrophe hat gezeigt, dass sich die Gäste davon nicht abschrecken ließen.» Eine neu gestartete Tourismus-Kampagne mit dem Titel «Entweder, Oder?» soll Lust auf Rad-, Kanu- und Wandertouren machen.

Hoppe beklagt zugleich, dass viele kleine Tourismus-Anbieter in der Region anders als die Berufsfischer für ihre Ausfälle durch die Umweltkatastrophe nicht vom Land entschädigt wurden.

Auch für den Leiter des Nationalparks Unteres Odertal, Dirk Treichel, gilt es nach der Umweltkatastrophe erst recht, die Ärmel hoch zu krempeln. «Wir stecken den Kopf nicht in den Sand», sagte er in Schwedt. Es sei wichtig, die Oder trotz des Risikos eines erneuten Fischsterbens weiterzuentwickeln. So wird auch das Projekt zur Wiederansiedlung von Stören fortgesetzt. Am 8. Mai werden zahlreiche Exemplare wieder in die Oder gesetzt.

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