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Zaungast bei Benedikt XVI. – Die geheimen Orte der Päpste

Petersdom und Sixtinische Kapelle sind bekannte Touristenziele im Kirchenstaat. Aber es gibt auch einen Vatikan für Entdecker. Dazu muss man eine Losung kennen. Und die gilt nur auf Deutsch!

Wenn sich die Touristen ihren Weg über den Petersplatz bahnen, werden sie von den sakralen Prachtfassaden des Vatikans umschlossen. Auf den ersten Blick ist es eine Steinwüste. Die wenigsten Besucher ahnen wohl, dass sich gleich hinter dem Petersdom ein Art Garten Eden verbirgt.

Die Rückseite des Vatikans ist grün. Mehr als die Hälfte der 44 Hektar großen Staatsfläche inmitten von Rom besteht aus Natur. Es ist der geheimnisvolle Garten der Päpste.

Um hier hineinzukommen, muss man sich anmelden – in der Regel mit einem Vorlauf von einigen Monaten, denn das Interesse ist riesig und das Angebot begrenzt. Auch das macht das Besondere aus.

Hier drängt man sich nicht im Pulk durch die Gänge und Säle, so wie in den Vatikanischen Museen auf dem Weg zu Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle. Die Vatikanischen Gärten zu besuchen, hat noch immer einen Hauch von Exklusivität.

Ein grüner Hügel der Stille

Aus dem Stimmengewirr der stets überfüllten Tickethalle der Vatikanischen Museen geht es binnen Minuten in eine andere Welt, in der man nur das Zirpen der Grillen hört. Ein grüner Hügel der Stille. Die Gärten erstrecken sich über den hinter dem Petersdom aufragenden Vatikanischen Hügel. Ehemals war dies ein Jagdgebiet der Päpste, die wie andere Fürsten ihr eigenes Wild zur Strecke bringen wollten.

Heute gibt es auf dem vatikanischen Staatsgebiet noch nicht mal Füchse. Die hohen Mauern, die das Zentrum der katholischen Weltkirche abriegeln, bilden ein unüberwindbares Hindernis.

Dafür paddeln Wasserschildkröten durch ein kristallklares Wasserbecken. Und überall hört man das Kreischen von Papageien, die hier heimisch geworden sind. Sie schwirren wie grellgrüne Geschosse durch die Luft und verschwinden dann in den Kronen der uralten Bäume. Einen etwas eingehenderen Blick auf sie erhascht man am ehesten an einem Brunnen. Dort sitzen sie dann unter Umständen neben wasserspeienden steinernen Froschfiguren.

Die Anlage lässt sich als ein in den Süden verlegter englischer Landschaftsgarten beschreiben. Eine künstliche Grotte, ein Rosengarten, eine alte Villa und ein verwunschenes Waldstück mit antiken Statuen aus der Römerzeit sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Zur Tiberseite hin erhebt sich die mächtige Kuppel des Petersdoms über die Palmenwipfel. Ein spektakulärer Anblick.

Mögliche Begegnungen mit dem Heiligen Vater

Die eigentliche Attraktion aber spielt sich in den Köpfen der Besucher ab: Es ist die Vorstellung, dass hier jederzeit der weiße Mann um die Ecke kommen kann – der Heilige Vater höchstpersönlich.

Zumal Altpapst Benedikt XVI. die Gärten zu seinem Wohnsitz gemacht hat. Seit seinem Rücktritt 2013 verbringt Joseph Ratzinger seinen Lebensabend in dem hier gelegenen Kloster Mater Ecclesiae. Es ist ein großzügiger, villenartiger Bau samt Privatkapelle, dessen Gemüsegarten von einer hohen Hecke blickdicht abgeschlossen wird.

Touristenführerin Kinga erzählt, dass einer ihrer Kollegen ihn noch kürzlich gesehen hat. Nonnen schoben ihn im Rollstuhl über die Wege. «Er hat sofort alle Leute gesegnet.»

Reizvoll sind die Gärten auch, weil sich hin und wieder ein Blick hinter die Kulissen des Kirchenstaats ergibt: Müllcontainer stehen aufgereiht in einem Innenhof. Die Sixtinische Kapelle, in der sich nach dem Tod eines Papstes alle Kardinäle zur Wahl eines neuen Oberhaupts für die katholische Kirche im Konklave versammeln, könnte von hier aus betrachtet auch ein altes Fabrikgebäude sein. Der weltberühmte Bau wirkt von außen vollkommen unscheinbar.

Zugang zum Friedhof nur mit einem bestimmten Spruch

Ein noch exklusiverer Ort als die Vatikanischen Gärten ist der Campo Santo Teutonici e dei Fiamminghi, der Friedhof der Deutschen und Flamen. Er zählt zwar offiziell zum italienischen Staatsgebiet, liegt aber im Vatikan.

Um ihn zu erreichen, muss man links an den Kolonnaden des Petersplatzes vorbeigehen bis zu einer Kontrollstation der Schweizer Garde. Dort tritt man auf den wachhabenden Gardisten in seiner prächtigen Uniform zu und richtet an ihn die Worte: «Ich begehre Einlass zum Campo Teutonico!» Alsdann wird man durchgelassen.

Spricht man ihn dagegen etwa auf Englisch an, wird der Gardist fragen: «Sprechen Sie Deutsch?» Verneint man das, wird der Zutritt verweigert. Nur Niederländer und Belgier dürfen noch passieren, sofern sie sich ausweisen können.

Das liegt daran, dass die Niederlande und das spätere Belgien bis zum Westfälischen Frieden 1648 noch zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehörten. Und für dessen Einwohner wurde der Friedhof ursprünglich gegründet. Man denkt im Vatikan eben seit jeher in etwas größeren Zeitabständen.

Ein schattiger Platz im heißesten Sommer

Der in einem Innenhof gelegene Friedhof, der nur vormittags für Besucher geöffnet ist, ist ein Kleinod, ein verwunschener Ort der Stille, der zur Meditation einlädt. Eine große Palme und Zypressen ragen vor der blendend weißen Fassade des Petersdoms auf und machen den Friedhof auch im heißesten Sommer zu einem schattigen Platz.

Die deutsche Enklave, die von der im 15. Jahrhundert gegründeten Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes unterhalten wird, erzählt viele Geschichten. Da ist zum Beispiel ein Grabstein für den Koch des Botschafters der österreichischen K.u.K.-Monarchie, dessen Küchenkünste offenbar derart geschätzt wurden, dass man ihm ein bleibendes Andenken schaffen wollte.

Die zu dem Komplex gehörende Kirche Santa Maria della Pietà birgt zwei barocke Skelett-Statuen. Das eine Gerippe hält drohend eine Sanduhr hoch und scheint zu sagen: «Deine Zeit läuft ab! Memento Mori – denk daran, dass du sterben musst!» Man könnte hinzufügen: Carpe diem – genieße den Tag. In diesem Fall: den Rom-Urlaub.

Als die Landknechte den Papst laufen ließen

Doch vor dem Entspannungsteil schnell noch ein Abstecher zur benachbarten Engelsburg, der traditionellen Festung der Päpste, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen konnten. So rettete sich Papst Clemens VII. 1527 durch den bis heute bestehenden Fluchtgang Passetto di Borgo in das als uneinnehmbar geltende Kastell.

Damals wurde Rom von einem nicht mehr kontrollierbaren, weil schlecht bezahlten Söldnerheer gestürmt. Zwei Drittel der Schweizer Garde kam um, als sie sich todesmutig den weit überlegenen Angreifern entgegenstellte. In der Villa des päpstlichen Bankiers hinterließ ein Landsknecht die Inschrift: «Was soll ich nit lachen – di Landsknechte haben den Babst laufen machen.»

Der «Sacco di Roma», die Plünderung Roms, war eines der traumatischsten Ereignisse in der Geschichte der Ewigen Stadt. Die Schweizer Garde gedenkt der 147 Toten bis heute jedes Jahr mit einer Zeremonie am 6. Mai.

Sieben Monate hielt es Clemens in der Engelsburg aus, eine Badewanne und ein später abgedichtetes Plumpsklo zeugen noch davon. Dann kapitulierte er und wurde zum Gefangenen von Kaiser Karl V., der sich gleichwohl als treuen Katholiken betrachtete.

Ausblicke auf den Vatikan und die alte Wohnung des Altpapstes

Die Engelsburg hat eine Aussichtsplattform mit unschlagbarem Blick auf den Vatikan und ein Stockwerk tiefer ein zauberhaftes kleines Café mit Außengastronomie in einem Rundgang. Auch von hier hat man eine grandiose Aussicht. Manchmal landen Möwen in der Hoffnung auf einen Leckerbissen.

Ein weiterer sehr guter Aussichtspunkt mit Vatikan-Panorama ist die Dachterrasse des Hotels Atlante Star. Zudem geht hier oft ein laues Lüftchen, was im heißen Sommer sehr willkommen ist.

Auf dem Weg dorthin kann man die Piazza della Città Leonina passieren: Im Haus Nummer 1 lebte von 1982 bis zu seiner Wahl zum Papst im Jahr 2005 Kardinal Joseph Ratzinger, der damals als Präfekt der römischen Glaubenskongregation über die Reinheit der katholischen Lehre wachte.

Die 300 Quadratmeter große Wohnung umfasst eine eigene Hauskapelle. Jeden Morgen ging er von hier aus mit Baskenmütze und abgewetzter schwarzer Aktentasche über den Petersplatz zur Arbeit in der Präfektur in einem imposanten Palazzo an der Piazza del Sant‘Uffizio.

Ein Trappazini und dann treiben lassen

Ideal zur Stärkung zwischendurch ist das Café-Restaurant Il Sorpasso in der Via Properzio. Es ist vom Vatikan in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Und doch liegt es weit genug vom Petersplatz entfernt, um den Menschenmengen zu entkommen und sich unter Einheimische zu mischen. Spezialität des Hauses ist eine Art zusammengeklappte Pizza als Streetfood voller Gemüse, Trappazini genannt.

Und dann? Die Brücke über den Tiber nehmen und treiben lassen. Rom hat noch so viel mehr zu bieten als den kleinsten Staat der Welt.

Info-Kasten: Auf den Spuren der Päpste

Anreise: Nonstop-Flüge nach Rom gibt es von vielen deutschen Flughäfen mit verschiedenen Airlines.

Einreise: Deutsche Urlauber brauchen nur einen Personalausweis. Aktuell gibt es keine Corona-bedingten Einschränkungen. (Stand: 5. Oktober 2022)

Vatikanische Gärten: Ein Ticket kostet 17 Euro (reduziert 8 Euro), dazu kommen noch die Kosten für Kopfhörer und die Führerin bzw. den Führer. Anmelden muss man sich auf der Website der Vatikanischen Museen: www.museivaticani.va

Campo Santo Teutonico: Vormittags von 9.00 bis 12.00 Uhr geöffnet. Mittwochs kann er geschlossen sein, wenn der Papst auf dem Petersplatz eine Audienz abhält. Der Eintritt ist kostenlos. Website: www.camposantoteutonico.va

Engelsburg: Täglich von 9.00 bis 19.30 Uhr geöffnet. Um Warteschlangen zu vermeiden, sollte man die Karten vorab online erstehen. Ein Ticket kostet 17,50 Euro. Website: www.castel-sant-angelo-ticket.com/de

Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus (www.enit.de sowie www.italia.it/en)

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