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Wissenschaftler untersuchen Oder-Fischsterben – Bund gibt Millionen

Das Drama an der Oder spielte sich im Sommer 2022 ab: Tonnenweise Fischkadaver lagen an den Flussufern. Wissenschaftler sollen nun die Folgen des massenhaften Fischsterbens untersuchen und Frühwarnsysteme entwickeln.

Nach dem massenhaften Fischsterben an der Oder im vergangenen Sommer untersuchen Forscher nun mit Fördermitteln des Bundes die Folgen der Umweltkatastrophe. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin erhält bis 2026 Fördermittel in Höhe von mehr als 4,8 Millionen Euro, wie das Bundesumweltministerium am Dienstag mitteilte. Ziel ist ein besserer Schutz des deutsch-polnischen Grenzflusses. Im vergangenen Sommer war es an der Oder zu einem massenhaften Fischsterben gekommen.

Experten gehen davon aus, dass ein hoher Salzgehalt, Niedrigwasser, hohe Temperaturen und eine giftige Algenart wesentliche Ursachen waren. Zudem sehen Gewässerökologen die Gefahr, dass es erneut zu einem Fischsterben kommen kann, da die Oder auch Monate nach der Umweltkatastrophe mit einem zu hohen Salzgehalt belastet ist. Die Naturschutzorganisation WWF forderte am Dienstag, die Einleitungen von schädlichen Stoffen in den Fluss zu drosseln.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sagte einer Mitteilung zufolge zu dem Forschungsvorhaben: «Unser Ziel ist es, im Schulterschluss mit den Ländern Frühwarnsysteme zu entwickeln und zielgerichtete Maßnahmen abzuleiten, die die Widerstandsfähigkeit der Oder und ihrer Auen verbessern.» Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Sabine Riewenherm, sagte: «Die Oderkatastrophe hat uns erneut vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Reinhaltung und Renaturierung der Flüsse und ihrer Auen in Deutschland voranzutreiben.»

Der Gewässerökologe des IGB, Christian Wolter, sagte: «Wir halten die Untersuchung für unbedingt notwendig.» Ohne die Förderung des Bundes wäre das so umfangreich nicht möglich gewesen. Es werden ihm zufolge neben Fischen und Muscheln etwa auch Plankton untersucht sowie die Qualität der Flussauen an der Oder. Experten wollten auch erforschen, unter welchen Umständen die Algenart (Prymnesium parvum) Gift produziere. Die Alge sei hochkomplex und ein «kleiner Tausendsassa». «Da wissen wir noch zu wenig», sagte Wolter. Im ersten Jahr des Forschungsprojektes werde es aber vor allem um eine Schadensbilanz gehen.

Die Fördermillionen für das Leibniz-Institut in Berlin sind bis Ende April 2026 bewilligt. Ziel des Projektes ist es, die entstandenen Schäden und die Regeneration des Ökosystems Oder systematisch zu erfassen und daraus Empfehlungen abzuleiten. Der Ausbau der Oder sowie Einleitungen haben laut Bundesumweltministerium die Resilienz des Flusssystems insgesamt geschwächt. Eingriffe durch den Menschen und der Klimawandel führten zu ausgeprägten Niedrigwasserphasen an der Oder.

Das Fischsterben hatte außerdem zu Verstimmungen im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen geführt. Polen pocht auf einen Ausbau der Oder, Deutschland will einen Stopp.

Der Leiter des WWF-Büros Ostsee, Finn Viehberg, sagte laut einer Mitteilung: «Wir müssen verhindern, dass sich das katastrophale Fischsterben in der Oder wiederholt.» Dafür müssten alle Anrainerstaaten die menschlichen Einleitungen von Schadstoffen mindestens so weit herunterfahren, wie es ein guter Gewässerzustand verlange. Gewässerökologe Wolter sagte: «Ich bin da einfach mal Optimist, dass Vorkehrungen getroffen werden, dass es in diesem Sommer nicht wieder passiert.» Die Naturschutzorganisation WWF forderte zudem Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf, mit Polen über ein Ende des Oder-Ausbaus zu verhandeln.

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