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Warnstreik legt NRW-Busse und Bahnen lahm – großer Stau fällt aus

Viele Pendler in NRW mussten am Montag auf Bus oder Bahn verzichten. Auf den Straßen gab es aber trotzdem kein Stau-Chaos. Offenbar blieben viele Pendler im Homeoffice oder hatten gleich einen freien Tag genommen.

Mit einem großangelegtem Warnstreik haben die Gewerkschaften Verdi und EVG am Montagmorgen den Bus-, Bahn- und Flugverkehr in Nordrhein-Westfalen weitgehend lahmgelegt. Größere Verkehrsstörungen im morgendlichen Berufsverkehr blieben aber aus. Der Autoverkehr sei für einen Montagmorgen «sehr ruhig» angelaufen, sagte ADAC-NRW-Sprecher Thomas Müther. Offensichtlich hätten viele Pendler sich eingestellt und seien im Homeoffice geblieben oder hätten frei genommen.

«Es ist sogar leerer als sonst», sagte eine dpa-Reporterin in Düsseldorf. Auch in Köln und Essen berichteten dpa-Reporter von ungewöhnlich leeren Straßen auch an sonst traditionell stauträchtigen Stellen. Der WDR meldete in seinem Verkehrslagebericht um 8.32 Uhr NRW-weit ganze 25 Kilometer Stau.

Vor Betriebshöfen der Verkehrsbetriebe hatten Verdi-Mitglieder am Morgen ab Dienstbeginn landesweit Posten bezogen. «Wir haben Busse quer vors Tor gestellt, hier kommt keiner durch», sagte etwa der Verdi-Gewerkschaftssekretär Kenan Millihuzin im Betriebshof Sieglar.

Der Bahnverkehr wurde in NRW durch die bundesweiten Warnstreiks komplett gestoppt – neben dem Fernverkehr galt das auch für den Regional- und S-Bahnverkehr. «Es fährt gerade nichts auf der Schiene», sagte ein Sprecher der Bahn für NRW am Morgen. Das betreffe nicht nur die Regionalverbindungen von DB-Regio, sondern auch die Linien der Bahnkonkurrenten.

Grund sei, dass sich auch Personal in Betriebszentralen und Stellwerken an dem Warnstreik beteilige. Das lege den Verkehr für alle Nutzer der Schienenwege lahm. Ob es am Nachmittag wieder einzelne Verbindungen geben werde, müsse man abwarten, sagte der Sprecher. Am Morgen warteten in Bahnhöfen nur ganz wenige Reisende; teils Menschen, die aus dem Ausland nach NRW gekommen waren und nicht rechtzeitig von dem Streik erfahren hatten.

Auch der Flugverkehr in den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn war am Morgen weitgehend lahmgelegt. «Hier ist alles dicht. Das ist jetzt ein ökologischer Flughafen», sagte der Verdi-Gewerkschaftssekretär Frank Michael Munkler zum Flughafen Köln/Bonn. Der Flughafen hatte am Vortag angekündigt, dass mindestens drei Viertel der geplanten 175 Starts und Landungen ausfallen würden. Weitere Flugstreichungen oder Umleitungen seien möglich.

Am Flughafen Düsseldorf wurden am Morgen laut Flugplan zahlreiche Flüge annulliert. Ursprünglich waren hier an dem Tag 330 Starts und Landungen am Düsseldorfer Airport geplant. Davon fänden über den Tag verteilt voraussichtlich 69 Flugbewegungen statt, sagte ein Flughafensprecher. Teils seien Flüge umgeleitet oder auf Dienstag verschoben worden.

Der Flughafen Münster-Osnabrück, an dem nicht gestreikt wurde, übernahm jeweils 20 Starts und Landungen anderer Airports. «Wir helfen gern aus, damit die Urlauber an ihre Ziele kommen», sagte der dortige Flughafensprecher Detlef Döbberthin.

Die Düsseldorfer Verdi-Geschäftsführerin Stephanie Peifer sprach für ihren Bezirk mit der Landeshauptstadt und Wuppertal von einer «grandiosen» Streikbeteiligung. Ein Verdi-Sprecher hatte vorab prognostiziert, dass NRW-weit allein im öffentlichen Nahverkehr «mehr als 10 000» Menschen an den Warnstreiks teilnehmen würden.

Mit den Aktionen will Verdi den Druck auf die Arbeitgeber von Bund und Kommunen erhöhen, mit denen an diesem Montag die dritte Verhandlungsrunde ansteht. Gemeinsam mit dem Beamtenbund dbb fordert Verdi 10,5 Prozent und mindestens 500 Euro pro Monat mehr Lohn. Die EVG verhandelt mit der Bahn und rund 50 weiteren Eisenbahn-Unternehmen über mehr Geld. Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche ein erstes Angebot der Bahn abgelehnt. 

Peifer drohte mit unbefristeten Streiks, falls es bei der dritten Tarifrunde im öffentlichen Dienst keinen Durchbruch gebe. «Was heute passiert, ist nur ein Tag», sagte sie der dpa. Ein unbefristeter Streik brächte aber eine «ganz andere Dimension».

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