DeutschlandHannoverTipps

Verkehrslage im Blick – «eigentlich ist das hier ein großes Klavier»

Wer mit dem Auto in die Ferien fährt, der kennt das immer gleiche Spiel: Vor der Erholung kommt der Verkehrsstau. Ein Verkehrsexperte sagt, wann es besonders eng auf den Straßen wird - und was in den Ferien auf den Autobahnen am häufigsten verloren geht.

Trotz aller Warnungen vor dem ersten Reisetag in den Sommerferien: Für Holger Heuer ist der Verkehr völlig normal – es ist sogar weniger los auf den Straßen als sonst. Sieben Bildschirme hat der Operator der Verkehrsmanagementzentrale direkt vor sich, dazu eine große Videowand. Auf den Monitoren sieht er sofort, wenn es auf den Straßen Ungemach gibt. Kommt ein Hinweis, schickt er binnen Sekunden Verkehrsmeldungen heraus – wie diese: Eineinhalb Stunden Wartezeit an der Fähre Glückstadt-Wischhafen. «Eigentlich ist das hier ein großes Klavier, man muss nur darauf spielen können», sagt der 55-Jährige.

Die Verkehrsmanagementzentrale ist zuständig für den Verkehrswarndienst in Niedersachsen, leitet aber auch den Verkehr im Fall der Fälle um. Die Verantwortung für die Verkehrslenkung hat die Autobahn GmbH. Heuer und seine Kollegen müssen nach seinen Worten «schauen, dass das funktioniert». Gibt es Unfälle, versuchen sie den Verkehr umzuleiten, teils über programmierbare Schilderbrücken, aber auch mit Verkehrsmeldungen im Radio. Kracht es dann auch auf der Umleitungsstrecke – «dann ist man machtlos», sagt der 55-Jährige. Rund um die Uhr sind sie im Einsatz, es gibt ein Schichtsystem, in dem sie mit der Autobahn GmbH arbeiten.

Aber im Moment ist er entspannt: 10 oder 11 Verkehrsmeldungen, das sei völlig normal, nicht außergewöhnlich. Die Verkehrsmeldung kommt immer zuerst, braut sich etwas zusammen auf den Autobahnen, braucht er Ortskenntnis und Erfahrung: «Man sieht aus dem Augenwinkel, wenn etwas anders ist», erzählt Heuer, der den Job schon seit fast 25 Jahren macht. Der Fortschritt sei enorm – zu Beginn habe er zwei Röhrenbildschirme gehabt, das sei alles gewesen. Heute zeigen ihm Daten und Kameras in Echtzeit, wie die Lage ist.

Deshalb weiß er auch genau, wann es in den Sommerferien auf den Straßen ernst wird: «Ferienbeginn auf der Straße ist erst am Samstag», sagt der 55-Jährige. Auch sonntags, wenn Kurzurlauber zurückkehren. Und viel Verkehr erwartet er an allen Ferienwochenenden. Wo es oft Staus gibt: auf der Autobahn 7 zwischen Hildesheim und der hessischen Landesgrenze – der vielen Baustellen wegen. Außerdem auf der A1 zwischen Osnabrück und Bremen. Und weil auch in Nordrhein-Westfalen Sommerferien seien, müsse auf der A31 in Richtung Küste mit viel Verkehr gerechnet werden.

Zeitgleich mit Niedersachsen und Bremen beginnen die Sommerferien in Sachsen-Anhalt, wie der ADAC warnt. Besonders die Sperrung der A7 in Richtung Hannover zwischen den Anschlussstellen Northeim-Nord und Seesen von Freitagabend bis zum Sonntagnachmittag könne für Reisende aus dem Süden ein Nadelöhr bedeuten. Eng werde es voraussichtlich auch am Elbtunnel sowie auf den Alternativrouten in Richtung Nord- oder Ostsee. Wer bei An- und Abreise flexibel sei, solle sich dienstags oder mittwochs auf den Weg machen.

Üblicherweise kämen oft Warnungen vor verlorenen Spanngurten sowie Metall- und Reifenteilen auf den Autobahnen, sagt Heuer. In den Ferien sind es dagegen: Fahrräder und Satellitenschüsseln, schlecht festgemacht und verloren von Wohnmobilen. Und in der Weihnachtszeit ist es der klassische verlorene Weihnachtsbaum.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"