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USA und Großbritannien evakuieren Botschaftspersonal aus dem Sudan

Unter schwierigen Bedingungen holen die USA und Großbritannien ihr Botschaftspersonal aus dem Sudan. Auch andere Länder berichten von Evakuierungsmissionen. Noch unklar ist, wann die Bundeswehr einen neuen Rettungsversuch deutscher Bürger startet.

Angesichts der gefährlichen Lage im Sudan arbeiten ausländische Regierungen mit Hochdruck daran, Diplomaten und Staatsangehörige außer Landes zu bringen. Den USA gelang in der Nacht zum Sonntag die Evakuierung ihres Botschaftspersonals aus der sudanesischen Hauptstadt Karthum. Alle US-Diplomaten und ihre Angehörigen seien erfolgreich in Sicherheit gebracht worden, teilten das Weiße Haus und das US-Außenministerium mit.

Auch Großbritannien meldete am Sonntag, dass britische Diplomaten und ihrer Familien erfolgreich in Sicherheit gebracht worden seien. Frankreich und die Niederlande berichteten von laufenden Rettungsmissionen. Noch war unklar, wann die Bundeswehr einen neuen Rettungsversuch deutscher Staatsangehöriger starten wollte.

Ein Vertreter des US-Militärs sagte, rund 100 US-Soldaten seien an der Evakuierung des amerikanischen Botschaftspersonals beteiligt gewesen. Der Einsatz mit Hubschraubern vor Ort habe weniger als eine Stunde gedauert. Dabei sei niemand gestorben oder verletzt worden.

Den Angaben zufolge wurden weniger als 100 Menschen gerettet, unter ihnen auch mehrere Diplomaten aus anderen Ländern. Die US-Botschaft in Karthum wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Der britische Premierminister Rishi Sunak teilte am Sonntag mit, britische Streitkräfte hätten eine komplexe und schnelle Evakuierung von britischen Diplomaten und deren Familien abgeschlossen.

Seit Tagen hatte sich das US-Militär mit anderen westlichen Staaten auf die Evakuierung eigener Staatsbürger vorbereitet. Zusätzliche Streitkräfte wurden dafür unter anderem nach Dschibuti verlegt. Das Land liegt knapp 1200 Kilometer südöstlich der sudanesischen Hauptstadt Khartum am Horn von Afrika. Von dort startete die US-Mission.

US-Präsident Joe Biden rief die kriegführenden Parteien zu einem sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand auf. Er forderte sie außerdem auf, humanitäre Hilfe nicht zu behindern und den Willen des sudanesischen Volkes zu respektieren.

Vor gut einer Woche waren im Sudan Kämpfe zwischen den zwei mächtigsten Generälen des Landes und ihren Einheiten ausgebrochen. Beide hatten das Land mit rund 46 Millionen Einwohner seit einem gemeinsamen Militärcoup im Jahr 2021 geführt. Nun kämpft De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, mit dem Militär gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo, den Anführer der mächtigen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Eigentlich hätte Daglos Gruppe der Armee unterstellt und die Macht im Land wieder an eine zivile Regierung übertragen werden sollen.

Der Flughafen in Khartum stand in den vergangenen Tagen im Zentrum der Kampfhandlungen. Ausländische Diplomaten bemühten sich immer wieder um eine stabile Feuerpause für die Evakuierung.

Am Mittwoch wurde ein erster Versuch abgebrochen, Deutsche mit Maschinen der Luftwaffe außer Landes zu bringen, weil die Sicherheitslage in der umkämpften Hauptstadt als zu gefährlich für einen solchen Einsatz eingeschätzt wurde. In Berlin tagt täglich ein Krisenstab. Die Bundeswehr traf vor Tagen schon Vorbereitungen für einen neuen Anlauf zur Evakuierung deutscher Staatsbürger und weiterer zu schützender Personen.

Aus der östlichen Stadt Port Sudan war am Samstag bereits eine saudi-arabische Gruppe in Sicherheit gebracht worden. Auch eine jordanische Delegation sollte aus Port Sudan ausgeflogen werden. Zwischen Khartum und Port Sudan liegen knapp 850 Kilometer.

Nach Angaben des saudischen Fernsehsenders Al-Arabia brachten zudem fünf saudische Schiffe mehr als 150 Menschen aus dem Sudan nach Saudi-Arabien. Laut dem saudischen Außenministerium waren Diplomaten und Bürger aus Saudi-Arabien, Bulgarien, Kanada, Katar, Kuwait, Ägypten, Tunesien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Pakistan, Burkina Faso und den Philippinen an Bord der Schiffe.

Die US-Regierung machte deutlich, dass US-Amerikaner, die sich nicht als Diplomaten oder Botschaftspersonal im Sudan aufhielten, nicht damit rechnen könnten, aus dem Land geholt zu werden. Bereits seit längerer Zeit sei US-Bürgern dringend davon abgeraten worden, in den Sudan zu reisen. Man werde die im Land verbliebenen US-Bürger aber weiter unterstützen und sich auch mit den Verbündeten und Partnern abstimmen, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten, sagte US-Außenminister Antony Blinken. Zuletzt war in US-Medien die Rede davon gewesen, dass sich noch mehrere Tausend US-Amerikaner im Sudan aufhalten könnten. Offizielle Angaben dazu gab es nicht.

Aus den Niederlanden hieß es am Sonntag, es laufe eine Operation verschiedener Länder, um ihre Bürger aus dem Sudan zu evakuieren. Auch die Niederlande beteiligten sich hieran mit einem Team aus Jordanien. «Sie werden ihr äußerstes bestes geben, um die Niederländer so schnell und sicher wie möglich abzuholen», teilte der niederländische Außenminister Wopke Hoekstra mit. Frankreich teilte ebenfalls mit, es führe eine «Operation zur schnellen Evakuierung» des diplomatischen Personals und der französischen Staatsangehörigen durch. Auch europäische Diplomaten würden aufgenommen.

Auch Sudanesen versuchen, den Kämpfen zu entfliehen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind in vergangenen Tagen bereits bis zu 20 000 Menschen in den benachbarten Tschad geflohen. Tausende weitere Menschen seien innerhalb des Landes aus stark umkämpften Gebieten vertrieben worden.

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