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Unsere Seen gehen baden / Die 25.000 Seen in Deutschland sind massiv gefährdet – ihr ökologischer Zustand ist schlecht, dazu kommt die Klimakrise

Die Wintersaison ist wichtig für die Wirtschaft in Österreich. Deutsche Arbeitskräfte sind dabei gefragt. Ihre Bedeutung insgesamt nimmt aber ab. Sie wurden als größte Ausländer-Gruppe abgelöst.

Sommer, Sonne, Badesee – für viele Menschen gehört die Abkühlung im nächsten Gewässer an heißen Tagen dazu. Aber leider werden unsere Seen immer häufiger wegen Blaualgen oder Fäkalbakterien gesperrt. Die Ursache dafür ist nicht in erster Linie die Klimakrise, sondern der schlechte ökologische Zustand der Gewässer in Deutschland.

“Unsere Seen in Deutschland sind massiv gefährdet”, sagt Silke Oldorff, Sprecherin des NABU-Bundesfachausschusses Lebendige Seen. “Nicht nur, was die biologische Vielfalt angeht, sondern auch ihr Freizeitwert. Daran ist nicht in erster Linie der Klimawandel schuld, denn stabile Ökosysteme können Klimastress abpuffern. Mehr als 80 Prozent der Seen sind aber laut Umweltbundesamt (UBA) in keinem guten Zustand.” Es könnten allerdings noch mehr sein, denn es werden überhaupt nur die größten Gewässer – Seen über 50 Hektar – untersucht. Das sind etwa 750 Seen, Deutschland hat aber insgesamt rund 25.000.

Die Gewässer leiden vor allen unter den Nährstoffeinträgen von landwirtschaftlichen Flächen, die zu Überdüngung und damit zu einem starken Algenwachstum führen, und unter der Fischerei. Bebauung an den Ufern zerstört Uferlebensräume, eingeschleppte Arten, wie der Signalkrebs, werden durch Übertragungen von Krankheiten zu einer Gefahr für heimische Arten. Höhere Wassertemperaturen durch die Klimakrise kommen als Stressfaktor noch dazu. Auch die Teichbewirtschaftung kann für das Gewässer zum Problem werden. “Wenn etwa zu viele Raubfische, wie Wels, Barsch oder Zander, entnommen werden, nehmen pflanzenfressende Fische überhand”, so Oldorff. “Der Boden von Seen ist dann so vegetationslos wie eine Kraterlandschaft.” Angler, die Karpfen besetzen und Fische füttern, schaden dem Gewässer zusätzlich. Ein Teil des Futters sinkt zum Grund, wo seine Zersetzung dem Wasser Sauerstoff entzieht.

“Wenn der ökologische Zustand erst einmal schlecht ist und es dann richtig warm wird, haben Blaualgen beste Chancen sich zu vermehren. Die Badewasserqualität kann dann so schlecht werden, dass der See gesperrt werden muss”, so Oldorff. “Da hilft es auch wenig, dass im Frühjahr die Badegewässerqualität bei über 90 Prozent der Badeseen in Deutschland vom UBA mit gut oder sehr gut bewertet wird. Denn die Probleme mit Blaualgen und Fäkalbakterien entstehen erst im Sommer bei großer Wärme.”

Deutschland ist verpflichtet bis 2027 seine Gewässer in einen mindestens guten ökologischen Zustand zu bringen. Das schreibt die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vor, die von der EU beschlossen wurde. Oldorff: “Wir haben also noch vier Jahre, um diese Vorgabe zu erfüllen und unsere Seen zu retten. Um das zu schaffen, müssten deutlich mehr Anstrengungen unternommen werden als bisher. Dazu gehören Renaturierungsmaßnahmen und vor allem strengere Auflagen für die Landwirtschaft.”

Mehr Infos: https://ots.de/SMkFae

Pressebilder: www.NABU.de/pressebilder_blaualge

Mit mehr als 900.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Der NABU begeistert für die Natur und fördert naturkundliche Kenntnisse für ein aktives Naturerleben. Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns

Pressekontakt:

Silke Oldorff, Sprecherin NABU-Bundesfachausschuss Lebendige Seen, Tel. 0172-3945085, 
E-Mail: Silke.Oldorff@NABU.de
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