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Touristiker nach rechten Vorfällen: Image-Sorgen – aber keine Absagen

Berliner Schüler brachen vor Tagen wegen rassistischer Beleidigungen einen Aufenthalt in einer Ferienanlage in Brandenburg ab. Lehrer beklagen rechtsextremistische Vorfälle im Schulalltag. Leidet das Image des Landes als Reiseziel? Absagen beklagen Touristiker bislang nicht.

Nach rassistischen Anfeindungen gegen Berliner Schüler und rechtsextremistischen Vorfällen an einer Schule in Brandenburg gibt es in der Tourismusbranche Sorgen, dass das Image des Reiselandes Schaden nehmen kann. Von Reise-Absagen berichteten Touristiker bislang aber nicht. Einzelne Politiker sehen ein Aufflammen der Debatte um No-Go-Areas und brachten die Frage nach der Sicherheit in manchen Regionen Brandenburgs auf.

Die Sprecherin der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) in Potsdam, Birgit Kunkel, sagte zu möglichen Folgen rechtsextremer und rassistischer Vorfälle für das Image, solches Verhalten schade dem Land. Sie habe aber keine Kenntnis von Stornierungen, es gebe bislang auch nicht viele beunruhigte Reaktionen. «Aber wir wissen natürlich nicht, wie viele Menschen sich gegen eine Buchung entscheiden.» Es sei bisher eine Anfrage bei ihr eingetroffen, in der jemand wissen wollte, ob es in Brandenburg eine Karte mit einer Verteilung rechter Übergriffe gebe, sagte Kunkel. Sie betonte auch: «Man darf das Land nicht über einen Kamm scheren, da tut man vielen Unrecht.»

Der Fachverband für Kinder- und Jugendreisen in Berlin und Brandenburg mahnte, es dürfe nicht zu Vorverurteilungen kommen. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Manuel Hammer, sagte, bislang kenne er keine Fälle, die mit dem in der Ferienanlage am Frauensee (Kreis Dahme-Spreewald) vergleichbar seien. «So ne extreme Sache haben wir noch nicht gehabt.» Hammer ist selber Reiseveranstalter für Kinder- und Jugendreisen und bietet auch Aufenthalte in der Ferienlage in Heidesee an. Bislang habe er keine Absagen von Klassenfahrten und anderen Jugendreisen registriert. Stornierungen gebe es nicht. «Aber natürlich haben wir auch Angst, dass wir davon einen Schaden tragen», sagte Hammer.

Die Schülerinnen und Schüler einer zehnten Klasse aus Berlin, größtenteils mit Migrationshintergrund, wollten in einer Ferienanlage am Frauensee ein Mathe-Camp durchführen. In der Nacht zum Sonntag sollen sie von anderen Gästen der Einrichtung rassistisch beleidigt worden sein. Sie reisten daraufhin ab. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und Bedrohung.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar sagte am Dienstag laut Mitteilung: «Die Debatte um Brandenburger NoGo-Areas für Berlinerinnen und Berliner ist damit wieder da.» Der Berliner SPD-Abgeordnete Marcel Hopp teilte mit: «Wenn Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte sich nicht sicher fühlen können, stellt das die jeweiligen Regionen als Reiseziele zunehmend infrage.» Es ist wichtig, dass dann auf allen Ebenen gezeigt wird, dass man sich gegen solche rassistischen Äußerungen und Vorfälle wehrt.» Dann sei so eine Region auch weiterhin als Klassenfahrtziel in Betracht zu ziehen. «Aber ich finde, es ist aus Berliner Sicht schon so, dass wir gucken, wo kann man hinfahren und wo nicht», meinte Hopp.

Der Verein Opferperspektive hatte im März dieses Jahres mitgeteilt, dass er 138 rechte Übergriffe im Jahr 2022 in Brandenburg gezählt habe. Ein Jahr zuvor seien es 150 gewesen. Schwerpunkte waren demnach Cottbus (19 Fälle) und die Landkreise Märkisch-Oderland (17) und Ostprignitz-Ruppin (12). In allen drei Regionen nahm die Zahl rechter Angriffe im Vergleich zum Vorjahr zu. Dabei sind auch Angriffe gegen politische Gegner und Attacken bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen berücksichtigt.

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