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Schufa-Eintrag nach Privatinsolvenz: Wartet BGH mit Urteil auf Europäischen Gerichtshof?

Das olympische Feuer wird in Paris zwar erst Ende Juli kommenden Jahres entzündet. Der Ticketverkauf läuft aber schon und geht jetzt in die erste heiße Phase. Was Sie dazu wissen sollten.

Wann muss die Auskunftei Schufa den Eintrag über eine Restschuldbefreiung nach einer Verbraucherinsolvenz löschen? Mit dieser Frage musste sich der Bundesgerichtshof (BGH) am 14. Februar 2023 beschäftigen. Da ähnliche Verfahren am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Vorabentscheidung vorliegen, sieht es nach dem ersten Verhandlungstermin danach aus, dass der 6. Zivilsenat des BGG mit seinem Urteil auf die Entscheidung des obersten europäischen Gerichts warten möchte (Az. VI ZR 225/21). Im Verfahren geht es um einen Verbraucher, der nach einer abgeschlossenen Privatinsolvenz Nachteile durch einen entsprechenden Schufa-Eintrag erlitten hatte. Er verlangte bereits nach sechs Monaten die Löschung des Eintrags durch die Schufa. Die Schufa beharrte auf die Löschung erst nach drei Jahren. Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer bietet Verbrauchern mit Schufa-Problemen eine kostenlose Erstberatung im Online-Check an. Mehr Infos zum Thema Schufa gibt es auf unserer speziellen Website.

Schufa-Eintrag behindert Neuanfang nach Privatinsolvenz

Wer endlich schuldenfrei ist, strebt einen unbelasteten Neuanfang an. Auskunfteien wie die Schufa stellen bei dem Unterfangen eine gewaltige Hürde dar. Die Schufa speichert die sogenannte Restschuldbefreiung nach einer abgewickelten Privatinsolvenz für drei Jahre. Die Nachteile für Betroffene können enorm sein. Kein Kredit, keine Wohnung, kein Bankkonto und kein Neuanfang. Ein Betroffener wollte mit seiner Klage die Löschung des Eintrags über seine Privatinsolvenz erzwingen. In erster Instanz bekam die Schufa Recht, in der zweiten am Oberlandesgericht Schleswig der Verbraucher. So landete das Verfahren am Bundesgerichtshof. Am 14. Februar 2023 war erster Verhandlungstag. Das Gericht wollte allerdings noch nicht entscheiden. Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer fasst das bisherige Verfahren zusammen:

- Der Verbraucher beantragte nach einer gescheiterten Selbständigkeit im September 2013 die
  Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein Privatvermögen. Das Insolvenzverfahren wurde
  durchgeführt und dem Kläger wurde nach sechs Jahren am 11. September 2019 die Restschuldbefreiung
  erteilt. Diese Information wurde auf dem zentralen, deutschlandweiten Insolvenzportal
  www.insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht. Die Wirtschaftsauskunftei Schufa erhob
  dort die Daten und stellte sie ihren Vertragspartnern bei Auskunftsanfragen zum klagenden
  Verbraucher zur Verfügung.
- Der Verbraucher verklagte die Schufa auf Löschung des Eintrags. Ihm seien durch den Eintrag
  erhebliche Nachteile entstanden. Eine uneingeschränkte Teilhabe am Wirtschaftsleben sei ihm nicht
  möglich. Er könne aufgrund des Eintrags kein Darlehen aufnehmen, keinen Mietkauf tätigen und keine
  Wohnung anmieten. Derzeit könne er nicht einmal ein Bankkonto eröffnen. Die Schufa wies das
  Ansinnen zurück. Gemäß den Verhaltensregeln des Verbandes "Die Wirtschaftsauskunfteien e.V."
  werden die Daten erst drei Jahre nach Beginn der Speicherung gelöscht. Die Daten seien
  bonitätsrelevante Informationen und daher für die Vertragspartner der Schufa von berechtigtem
  Interesse.
- Das Oberlandesgericht Schleswig gab der Klage auf Löschung des Eintrags statt. Das Gericht war zu
  Auffassung gekommen, dass die Speicherung der Restschuldbefreiung durch die Schufa Holding AG und
  anderen Auskunfteien nach Artikel 17 Abs. 1 Buchstabe d Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nur für
  sechs Monate zulässig sei. "Denn es liegt auf der Hand, dass das Ziel, einem Schuldner (...) einen
  Neustart zu ermöglichen, durch eine weitere Publizität der früheren Insolvenz erschwert wird."
  Außerdem fehle es am berechtigten Interesse der Schufa-Kunden (Urteil vom 2. Juli 2021 - Az. 17 U
  15/21 (dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Schleswig&Datum=02.07.20
  21&Aktenzeichen=17%20U%2015/21) ).
- Mehrere ähnliche Verfahren liegen am Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vor - darunter
  zwei Verfahren des Verwaltungsgerichts Wiesbaden (Az. 6 K 226/21.WI und 6 K 441/21.WI). Der
  Vorsitzende Richter am BGH Stephan Seiters wies in der der Verhandlung am 14. Februar 2023 auf
  eines der Verfahren aus Wiesebaden hin. Die Anwälte der Kläger und Beklagten sprachen sich in
  Verhandlung nach Medienberichten dafür aus, dass der BGH mit seiner Entscheidung in dem Verfahren
  auf den Ausgang am EuGH warten sollte. Der BGH wollte noch nicht abschließend entscheiden. Daher
  kann es möglich sein, dass der Senat tatsächlich auf den EuGH wartet. Der BGH muss Urteile des
  EuGH in nationale Rechtsprechung umsetzen.

DSGVO stärkt Verbraucherrechte gegen Auskunftei Schufa

Bis zur Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Jahr 2018 konnten nach geltender Rechtsprechung Auskunfteien nach Erteilung der Restschuldbefreiung die beendete Privatinsolvenz für insgesamt drei Jahren speichern und in ihrer Bonitätsbewertung (Score) berücksichtigen. Mit Einführung der DSGVO kam neue Bewegung in die Diskussion. Denn nach Artikel 17 Abs. 1 DSGVO kann eine Löschung unter anderem dann verlangt werden, wenn die Verarbeitung nicht rechtmäßig und nach dem Verarbeitungszweck nicht mehr notwendig ist oder wegen einer besonderen persönlichen Situation. Gerade die persönliche Situation nach einer abgeschlossenen Insolvenz ist für Verbraucher heikel. Ein negativer Schufa-Eintrag behindert in jedem Fall den vom Gesetzgeber gewollten Neustart des ehemaligen Schuldners durch die sogenannte Verbraucherinsolvenz.

Die DSGVO stärkt aus Sicht der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer die Rechte der Verbraucher auch gegen Auskunfteien wie die Schufa. Die Kanzlei rät Verbrauchern, die Probleme mit Schufa-Angelegenheiten haben, daher zur anwaltlichen Beratung. Im kostenfreien Online-Check und der kostenlosen Erstberatung zeigen wir Möglichkeiten auf, wie Schufa-Einträge geprüft und gelöscht werden können.

Wer ist von Restschuldbefreiung betroffen?

Mit einer Verbraucherinsolvenz oder Privatinsolvenz sollen überschuldete Verbraucher die Chance erhalten, noch einmal von vorne anfangen zu können. Dabei sollen sie frei von Forderungen ihrer früheren Gläubiger sein. Die Gläubiger erhalten für die Dauer des Verfahrens das pfändbare Vermögen und Einkommen. Der Schuldner darf nur das zum Leben Notwendige behalten. Das hört sich krass an, aber am Ende des Verfahrens werden die restlichen Schulden erlassen. 2021 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden mehr als 78.600 Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet. Die Wirtschaftsauskunftei Crif zählte für dasselbe Jahr etwas mehr als 109.000 Privatinsolvenzen und rechnete im Oktober 2022 mit rund 100.000 Fällen im Gesamtjahr. Laut Crif geht es dabei nicht unbedingt um sehr große Summen: Ein Großteil der Betroffenen hatte demnach Schulden von knapp unter 10.000 Euro. Die Zahl der überschuldeten Menschen liegt deutlich höher – nach dem “Schuldneratlas” der Auskunftei Creditreform waren es 2022 knapp 5,9 Millionen.

Nach Auskunft der Schufa waren im dritten Quartal 2022 rund 302.000 Menschen mit Restschuldbefreiung erfasst. Nur bei ungefähr 41.000 davon war diese Information noch kein halbes Jahr alt. Bei den restlichen 261.000 müsste sie bei einer Niederlage also gelöscht werden.

Dr. Stoll & Sauer gehört zu den führenden Kanzleien

Bei der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH handelt es sich um eine der führenden Kanzleien in Deutschland. Mit der Expertise von 37 Anwälten und Fachanwälten steht die Kanzlei in allen wichtigen Rechtsgebieten den Mandanten in den Standorten Lahr, Stuttgart, Kenzingen und Ettenheim zur Verfügung. Die Kanzlei ist unter anderem auf Bank- und Kapitalmarktrecht sowie den Abgasskandal spezialisiert. Hinzu kommen die Themen Arbeits-, IT-, Versicherungs-, Reise-, Sozial-, Arbeits-, Verkehrs- und Verwaltungsrecht. Die Gesellschafter Dr. Ralf Stoll und Ralph Sauer führten die Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG, handelten für 260.000 Verbraucher einen 830-Millionen-Vergleich aus. Aktuell führen die Inhaber in einer Spezialgesellschaft die Musterklage gegen die Mercedes-Benz Group AG.

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