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Russland peinlich ausgeBalet

""Ist doch klar, wenn du merkst, du hast alles in deiner Hand"", schwärmt der walisische Superstar Gareth Bale, ""kannst es gestalten. Unsere beste Leistung, jetzt stehen wir oben, was kann man mehr wollen, es ist doch für alle ein Traum."" Das kleine Land im Westen Großbritanniens gewinnt überraschend die Gruppe vor England und schickt den künftigen WM-Gastgeber Russland blamiert nach Hause. Und Sbornaja-Coach Leonid Wiktorowitsch Sluzki wirft das Handtuch, ehe ihm ein anderer den Strick aus dem Fiasko dreht.

Gareth Bale ist beim 3:0 erneut treffsicher.
EM-Vorrundenspiel Russland gegen Wales am 20. Juni 2016: Der Waliser Sam Vokes (rechts) im Zweikampf gegen Sergei Ignashevic.

Toulouse (dpa) – Mit großem Offensivschwung ist EM-Debütant Wales ins Achtelfinale gestürmt. Durch den 3:0 (2:0)-Erfolg gegen Russland schmiss die walisische Fußball-Nationalmannschaft in Toulouse zudem das enttäuschende und sieglose Team des nächsten WM-Gastgebers aus dem Wettbewerb.

Nachdem in den Spielen zuvor Superstar Gareth Bale immer per Freistoß getroffen hatte, sorgten gegen die schwachen Russen die Premier-League-Profis Aaron Ramsey (11.) und Neil Taylor (20.) zunächst nach schnellen Gegenstößen für die frühen Tore. Dann legte Bale (67.) in der zweiten Halbzeit vor 28 840 Zuschauern nach und setzte sich mit nun drei Toren an die Spitze der EM-Torjägerliste.

Bale: “Nicht rechnen, spielen”
Madrid-Star Bale hatte die Taktik angesichts des komplizierten Gruppemodus vorgegeben: Nicht rechnen, spielen – und gewinnen. Der Superstar zog immer wieder mit hohem Tempo oft im Solo-Modus durch das Mittelfeld auf das Tor der Russen zu. Dabei blieb er zwar gelgentlich hängen oder scheiterte am trotz drei Gegentoren guten russischen Torwart Igor Akinfejew, der mit einigen unkonventionellen Paraden Schlimmeres für die Russen verhindert. Aber Bale zeigte, wie leicht diese biederen WM-Gastegeber 2018 auszuspielen waren.

Keine Abwehrchance hatte Akinfejew beim sehenswerten Lupfer von Ramsey, der nach genialem Pass von Joe Allen allein auf den Sbornaja-Torwart zulief und clever zur Führung traf.

Russland bleibt harmlos
Den Russen, bei denen der Schalker Roman Neustädter nicht in der Startelf stand, fehlten die technischen Mittel, um die Waliser zu gefährden. Zwar überbrückten sie leidlich flott das Mittelfeld, nur waren gefährliche Aktionen selten. Meist war bei den Offensivbemühungen schon vor dem Strafraum Schluss. Wales-Keeper Wayne Hennessey musste nur selten eingreifen. Russlands Mittelstürmer Artem Dsjuba konnte sich gegen die wuchtige Innenverteidigung der Briten um Kapitän Ashley Williams nicht entscheidend durchsetzen.

EM-Vorrundenspiel Russland gegen Wales am 20. Juni 2016: Der russische Trainer Leonid Slutsky.

Beim zweiten Tor war dann auch wieder Bale beteiligt. Seinen Pass verlängerte Roman Schirokow unfreiwillig zu Taylor. Der Mann von Swansea City scheiterte zuerst an Akinfejew, schoss aber im Nachsetzen zu seinem ersten Länderspieltor ein.

Auch in der zweiten Halbzeit bot sich das gleiche Bild. Einige russische Spieler schienen fast in Ehrfurcht zu erstarren, wenn Bale zu seinen seinen Sprints ansetzte. Andere waren schlicht zu langsam, um dem Wales-Stürmer zu folgen. Allerdings fehlte dem schnellen Sprinter diesmal die Effektivität – bis er in der 67. Minute doch noch zuschlug und den Ball am bemitleidenswerten Akinfejew vorbei schlenzte.

Russischer Fanboss erneut festgenommen
Der nach den Ausschreitungen von Marseille ausgewiesene Vorsitzende des Allrussischen Fanverbandes, Alexander Schprygin, ist am Montag erneut in Frankreich festgenommen worden. Der Russe sei im EM-Stadion der südfranzösischen Stadt Toulouse aufgegriffen und in Polizeigewahrsam genommen worden, teilte der Sprecher des Pariser Innenministeriums am Montagabend mit. Im Stade Municipal spielte das russische Team gegen Wales.

Auf Twitter hatte Schprygin zuvor unter anderem ein Bild vor dem Stadion gepostet: «Hallo Euro 2016», schrieb er, «Russland voran». In einem weiteren Tweet hieß es: «Um beim Match zu sein, musste ich einen etwas unüblichen Weg im Schutze der Nacht nehmen und für eine Zeit Tourist werden.»

EM-Vorrundenspiel Russland gegen Wales am 20. Juni 2016: Der walisische Trainer Chirs Coleman.

Drahtzieher der Ultras
Schprygin gehörte zu einer Gruppe von Russen, die wenige Tage nach der Hooligan-Gewalt rund um das Spiel Russland-England in der Nähe von Cannes festgenommen wurden. Drei von ihnen wurden im Schnellverfahren verurteilt, 20 weitere wegen Störung der öffentlichen Ordnung ausgewiesen. Am Samstag flogen sie von Nizza nach Moskau.

Schprygin gilt mit seinem Fanverband als ein Drahtzieher der Ultras in Russland, dem Gastgeberland der WM 2018. Ihm werden auch enge Beziehungen zur rechten Szene vorgeworfen. Aus Paris hieß es, Schprygin drohe nun möglicherweise eine Strafverfolgung – es ist aber auch möglich, dass er einfach erneut ausgewiesen wird.

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