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Reisende in Berlin und Brandenburg gut auf Warnstreik vorbereitet

An den Fern- und Regionalbahnhöfen der Hauptstadtregion herrscht aufgrund des Verkehrswarnstreiks Leere. Reisende haben sich gut auf die Ausfälle vorbereitet. Vereinzelt ist jedoch auch Verzweiflung zu spüren.

Reisende in der Hauptstadtregion haben sich auf den Verkehrswarnstreik auch in Berlin und Brandenburg gut eingestellt. Die Bahnsteige an den Fern- und Regionalbahnhöfen blieben am Montagmorgen weitgehend leer, das befürchtete Verkehrschaos auf den Straßen blieb aus. Viele Menschen waren auf alternative Verkehrsmittel wie U-Bahn, Tram und Bus umgestiegen. Die Fahrzeuge der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren nicht direkt vom Streik betroffen und im Einsatz. Auch in Brandenburg ist der Nahverkehr in kommunaler Regie mit Bussen und Bahnen weitgehend nicht betroffen.

«Erwartungsgemäß verzeichnete die BVG am Montagmorgen ein erhöhtes Fahrgastaufkommen», teilte das Unternehmen am Montag mit. Am Bahnsteig stehen gelassen worden sei niemand. «Nur beim Bus kam es in einigen Fällen dazu, dass Fahrgäste auf die nächste Fahrt warten mussten», hieß es.

Die Verkehrsinformationszentrale in Berlin (VIZ) vermerkte auch auf den Straßen kein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen. «Unsere Einschätzung ist, dass es zwar voller geworden ist, aber bei weitem nicht so stark wie erwartet», teilte die Zentrale auf Anfrage mit. Der Stau sei im Berufsverkehr ein wenig länger gewesen als sonst, ansonsten sei die Anzahl der Autos aber nicht besonders auffällig. «Die Menschen haben sich gut vorbereitet. Viele haben sicherlich auch die Möglichkeiten des Homeoffice in Anspruch genommen.»

Die Brandenburger Polizei verzeichnete ebenfalls trotz des Warnstreiks kein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen und Landstraßen.

Auch am BER blieb die Lage übersichtlich. Der Hauptstadtflughafen in Schönefeld ist der einzige deutsche Flughafen, der am Montag nicht direkt bestreikt wurde. Gleichwohl gab es auch dort gestrichene Inlandsflüge, weil etwa in Frankfurt, Düsseldorf oder München gestreikt wurde.

Am Berliner Hauptbahnhof liefen nur vereinzelt Menschen mit Koffer umher. Häufig handelte es sich um Touristen, die vom Warnstreik nichts mitbekommen hatten. «Wir sind komplett gestrandet. Wir haben leider nichts über die Nachrichten mitbekommen, da wir aus Mexiko stammen», sagte etwa Berlin-Besucher Gaspar Lamelaz, der gemeinsam mit seiner Frau Veronica morgens am Hauptbahnhof wartete.

Eine Schulklasse aus Düsseldorf konnte ihre Klassenfahrt nach Berlin noch retten. «Wir sind sehr spontan am Sonntag mit dem Flixbus von Düsseldorf nach Berlin gefahren. Eigentlich wären wir mit dem ICE gekommen», sagte Lehrer Dirk Müller.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat gemeinsam mit Verdi in den jeweiligen Tarifkonflikten bundesweit zum Warnstreik im Verkehrssektor aufgerufen. Der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr ist deshalb auch in Berlin und Brandenburg weitgehend eingestellt. Die deutschen Flughäfen werden von der Gewerkschaft Verdi bestreikt. 380 000 Geschäfts- und Privatreisende in ganz Deutschland müssen laut Flughafenverband ADV am Boden bleiben.

Mit den Warnstreiks wollen Verdi und EVG den Druck in ihren Tarifverhandlungen erhöhen. Am Montag kommen in Potsdam Verdi und der Beamtenbund dbb erneut zu Gesprächen mit Kommunen und dem Bund zusammen. Es ist die dritte Verhandlungsrunde für 2,5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Beide Seiten liegen noch weit auseinander, eine Einigung in den darauffolgenden Tagen ist aber nicht ausgeschlossen.

Die EVG wiederum verhandelt für rund 230 000 Beschäftigte mit der Deutschen Bahn und 50 weiteren Eisenbahn-Unternehmen. Hier beginnt in dieser Woche die zweite Verhandlungsrunde, in der die Gewerkschaft nacheinander mit allen Unternehmen verhandelt. Die Deutsche Bahn ist in diesem Zeitplan Ende April wieder dran.

Aufgrund des Tarifkonflikts im öffentlichen Dienst kam es in Berlin und Brandenburg auch abseits des Verkehrssektors am Montag zu Warnstreiks. In den Ausstand traten Erzieherinnen aus Kitas im Umland von Potsdam, Beschäftigte der Universitätsklinik Brandenburg/Havel und des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann, der Sparkassen, der Entsorgungsfirmen und von kommunalen Verwaltungen, wie die Gewerkschaft Verdi am Montag berichtete. In Berlin waren erneut die landeseigenen Kliniken von Charité und Vivantes und das Jüdische Krankenhaus betroffen.

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