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Reden wir übers Klo – neue Ausstellung im Fichtelgebirge

Wie gehen Astronauten im Weltall auf die Toilette? Und wieso fanden viele die ersten Wasser-Klos in der Wohnung eher eklig? Antworten finden Urlauber in Oberfranken jetzt im Porzellanikon.

Jeder muss da drauf, mehrmals am Tag, manchmal auch in der Nacht. Aber geredet wird eher selten darüber.

Das Porzellanikon im oberfränkischen Selb bei Hof macht das nun. In dem Museum, in dem man eher filigrane Tassen und verzierte Teller vermutet, eröffnet am Samstag (13. Mai) die Ausstellung «Klo und Co.: Sanitärkeramik vom Plumpsklo bis zur Hightech-Toilette».

Die Idee: ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema. Man habe es mit Humor angehen wollen, «es soll Spaß machen», sagt Kuratorin Joana Mylek. «Wir wollen zeigen: Es gibt da tolle Geschichten.»

Urinbeutel der Astronauten

Zum Beispiel die: Wie gehen eigentlich die Astronauten im Weltall aufs Klo, wenn sie schwerelos durch den Raum schweben? Die Schau hat die entsprechenden Gerätschaften wie Urinbeutel und Tücher parat. Sie stammen aus russischen Beständen aus den 1990er Jahren. Der Urin wird im All übrigens wieder zu Trinkwasser aufbereitet.

Der Schwerpunkt aber liegt natürlich bei Toiletten aus Keramik – und bevor es diese gab, wurden Nachttöpfe genutzt. «Die hatte jeder, vom Bauern bis zum König», sagt Mylek.

Wobei es das schon war mit der Gleichheit beim Toilettengang. Fäkalien und die fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten galten jahrhundertelang als Ursache für Krankheiten und Seuchen. Menschen in Residenzen und Palästen konnten sich besser schützen als das einfache Volk in beengten Wohnverhältnissen.

Als Toiletten in Wohnungen noch anrüchig waren

Dass die Toiletten in die Wohnungen gelangten, fand man zunächst «anrüchig», sagt Mylek. «Das hatte nichts zu suchen in der Wohnung», sei die Meinung gewesen. Im 19. Jahrhundert wurden zunehmend Wasserklosetts verwendet – die aber oft noch an keine Kanalisation angeschlossen waren. Und natürlich hätten sich nur wohlhabende Menschen eine Toilette mit Wasser leisten können. Die Kloschüsseln dieser Zeit waren oft reich verziert, um sie nett in den Innenräumen wirken zu lassen.

Freilich haben sich die Toiletten innerhalb der eigenen vier Wände dann doch langsam durchgesetzt – spätestens als alle Gebäude an Trinkwasserversorgung und Kanalisation angeschlossen waren.

Von Sisi bis Hightech

Ein prominentes Ausstellungsstück ist das Bidet der berühmten Kaiserin Elisabeth von Österreich («Sisi»), das wenig zu tun hat mit den Hightech-Toiletten, die die Industrie heutzutage anpreist: Diese sind steuerbar per Fernbedienung, und Toilettenpapier ist nicht mehr nötig dank Wasserdusche. Das Design variiert zwischen oval und eckig. «Das Bad ist zur Wellnessoase geworden», sagt Mylek.

Wie Spülungen funktionieren, wie die Industrie sie testet – all das ist ebenso in der Schau zu sehen, bevor es weitergeht zu singenden Töpfchen, auf denen kleine Kinder ihre Windeln loswerden sollen.

Sex und Drogenkonsum auf der Toilette

Thematisiert werden auch Dinge, die mit Toiletten gerade im öffentlichen Raum in Verbindung gebracht werden, über die man aber eher noch weniger spricht als über den täglichen Toilettengang – Stichworte: schneller Sex und Drogenkonsum.

Und weil das Porzellanikon Selb, das nahe der tschechischen Grenze liegt, in einer früheren Porzellanfabrik untergebracht ist, gibt das Gebäude selbst auch einen Ausstellungsteil her: Die Plumpsklos, die einst die Arbeiter benutzten, sind noch erhalten und können besichtigt werden. Die Schau läuft bis 26. November.

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