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Mehr als 25 000 Erdbeben-Tote – Visa für Betroffene

Das Erdbeben in der Türkei und in Syrien liegt fast eine Woche zurück - und noch immer werden täglich Hunderte Leichen geborgen. Für Überlebende gibt es ein unbürokratisches Angebot aus Deutschland.

Vom Erdbeben betroffene Menschen in der Türkei sollen über ein unbürokratisches Visaverfahren die Möglichkeit erhalten, zeitweise bei Angehörigen in Deutschland unterzukommen. Das teilten das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium am Samstag in Berlin mit. «Als Bundesregierung wollen wir helfen, dass Familien in Deutschland Angehörige, die vom Erdbeben betroffen sind, vorübergehend bei sich aufnehmen können, wenn sie kein Dach mehr über dem Kopf haben oder medizinische Behandlung brauchen», sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Zugleich wurde am Samstag die Schwelle von 25 000 offiziell bestätigten Toten überschritten.

Das Auswärtige Amt hat Baerbock zufolge gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium eine Task Force gebildet. Diese nehme noch am Wochenende ihre Arbeit auf. «Ziel ist es, das Visaverfahren für diese Fälle so unbürokratisch wie möglich zu machen.»

Unterdessen stieg die Zahl der Toten in der Türkei auf 22 327. Mehr als 80 278 Menschen seien verletzt worden, sagte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Aus Syrien wurden zuletzt 3574 Tote gemeldet.

Derweil wurden Ermittlungen im Süden der Türkei wegen möglicher Baumängel bei eingestürzten Gebäuden bekannt. In der Stadt Diyarbakir seien gegen 33 Menschen Haftbefehle ergangen, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Strafverfolger. Die Staatsanwaltschaft in Adana ermittelt laut Anadolu ebenfalls. Im Rahmen dieser Ermittlungen seien bisher 62 Haftbefehle erlassen worden, hieß es. Neun weitere Menschen wurden demnach in den Städten Sanliurfa und Osmaniye verhaftet.

Indes setzten erste Hilfsteams aus Angst vor möglichen Tumulten ihre Arbeit aus. Das Technische Hilfswerk (THW), die Hilfsorganisation I.S.A.R Germany und das österreichische Bundesheer verwiesen auf die Sicherheitslage. Berichten zufolge schlägt Trauer mitunter in Wut um.

Am frühen Montagmorgen hatte ein Beben der Stärke 7,7 das Grenzgebiet erschüttert, gefolgt von einem weiteren Beben der Stärke 7,6 am Mittag. Seither gab es bis Samstag mehr als 2000 Nachbeben in der Region, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad mitteilte. Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan suchten inzwischen mehr als 1,5 Millionen in Zelten, Hotels oder öffentlichen Notunterkünften Schutz.

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss die Hilfe deutlich ausgeweitet werden. «Wir müssen mit größerer Dringlichkeit und in größerem Umfang handeln und uns besser organisieren», sagte Richard Brennan, der WHO-Nothilfedirektor für die Region Östliches Mittelmeer am Samstag in Aleppo. Die Toten- und Verletztenzahlen seien immens. Was aber oft vernachlässigt werde, seien die vielen Obdachlosen. Allein in Aleppo im von der Regierung kontrollierten Teil Nordwestsyriens haben nach Schätzungen rund 200 000 Menschen das Dach über dem Kopf verloren. Auch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus traf am Samstag in Syrien ein.

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