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LNG-Pläne vor Rügen sorgen für Bedenken und Fragezeichen

Die Kapazitäten zum Umschlag von Flüssigerdgas in Vorpommern sollen weiter wachsen. Ein geplantes zweites Terminal könnte den Meeresblick von Tourismusorten auf Rügen verändern. Das sorgt für Bedenken.

Als Teil eines weiteren Flüssigerdgas-Terminals in Vorpommern ist die Errichtung von Importanlagen vor der Küste Rügens vorgesehen. Der Schweriner Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) nannte dies einen «erheblichen Eingriff». Bei einer Pressekonferenz zu dem Projekt in Schwerin regte er am Montag die Prüfung von Alternativen an.

Nach derzeitigen Plänen sollen etwa 4,5 bis 6,5 Kilometer vor Sellin im Südosten Rügens zwei Plattformen gebaut werden, an denen schwimmende Flüssigerdgas-Terminals (FSRU) festmachen sollen. Über eine etwa 38 Kilometer lange Anbindungsleitung soll das Gas nach Lubmin transportiert werden. Teil des Projekts soll eine von Bund gecharterte FSRU sein. Umgesetzt wird das Vorhaben vom Energiekonzern RWE.

Bereits jetzt sorgt der Import von Flüssigerdgas vor Rügen für sichtbar mehr Schiffsverkehr. Ein dort stationierter Tanker dient als Zwischenlager. Kleinere Tanker transportieren das LNG zum Industriehafen Lubmin, wo Deutschlands zweites LNG-Terminal Mitte Januar offiziell eröffnet wurde.

Meyer verwies auf die Bedeutung vor allem des Südostens von Rügen für den Tourismus. 2022 hätten die Inseln Hiddensee und Rügen 6,2 Millionen Übernachtungen verzeichnet. «Das ist eine enorme Wirtschaftskraft in der Region.» Wie bei anderen Themen auch habe nicht jeder in der Bundesregierung die Bedeutung verstanden. «Das wird auch unsere Aufgabe sein, diese verschiedenen Interessen hier miteinander abzuwägen.»

Der bislang angedachte Standort ergebe sich aus Abstimmungen mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Man habe den Bund gebeten zu prüfen, ob dies der einzig mögliche Standort ist. «Oder ob es sofort oder später noch Kombinationsmöglichkeiten mit dem Hafen Mukran gibt», sagte Meyer.

Wie genau die Offshore-Konstruktionen aussehen sollen, ist noch nicht bekannt. Entsprechende Unterlagen wolle RWE noch einreichen, hieß es. An ihnen sollen LNG-Tanker festmachen und ihre Ladung an die ebenfalls dort befestigten etwa 250 Meter langen FSRUs abgeben. Der Chef des zuständigen Bergamts Stralsund, Thomas Triller, sprach von verschiedenen Ausbaustufen. «Man ist bemüht, zuerst mal eine Station fertig zu bekommen.» An dieser solle dann eine FSRU stationiert werden. «Das ist jetzt Ende 2023 geplant.» 2024 solle dann ein zweiter «Tower» dazu kommen, wie er die Konstruktion nannte, so dass die Kapazitäten verdoppelt würden.

Theoretisch sei es denkbar, dass an jede Station zwei FSRUs festmachten, so dass man insgesamt auf vier schwimmende Terminals käme. Das erklärt laut Triller auch die veranschlagte Einspeisekapazität von bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Er betonte aber, dass es sich noch um vorläufige Überlegungen handele. Zu technischen Details oder etwa der Höhe der Anlagen konnte er wegen noch fehlender Pläne keine Aussagen treffen.

Meyer sagte, man müsse die künftige Versorgungslage im Blick behalten, dürfe aber auch keine Überkapazitäten schaffen. «Deswegen ist ein solcher Stufenplan natürlich gut geeignet, dass man zwischendurch beurteilt, wie ist die Lage?» Zudem hätten auch die Betreiber des bereits gestarteten Terminals in Lubmin Interesse bekundet, ihr schwimmendes Terminal wieder aus dem Lubminer Industriehafen zu holen und an die geplanten Offshore-Anlagen anzuschließen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte das Projekt als völlig überdimensioniert. «Der Bau des Offshore-Terminals nur wenige Kilometer vor der Küste Rügens wäre eine beispiellose Industrialisierung der Ostsee», teilte der Verband mit. Er verwies außerdem auf Belastungen für den sensiblen Naturraum. Man werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die Anlage zu stoppen.

Laut Meyer bemüht sich derzeit der Bund, die noch in Mukran lagernden Röhren vom Bau der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 für das Projekt in Besitz zu nehmen. Hier lagerten noch etwa 60 Kilometer Röhren. Der Bau der Anbindungsleitung durch den Greifswalder Bodden solle Mitte Mai nach der Laichzeit des Herings starten.

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