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Kein Zug, kein Flug – Verkehrswarnstreik im Norden

Pendler und Fluggäste hatten Pech, sie mussten sich am bundesweiten Verkehrswarnstreik im Norden nach alternativen Verkehrsmitteln umschauen. Vor allem auf Sylt waren Pendler nicht so gut auf die Gewerkschaften zu sprechen.

Kein Zug, kein Flug – der bundesweite Verkehrswarnstreik hat im Norden vor allem Bahnkunden und Fluggästen das Leben schwer gemacht und viel Geduld abverlangt. Da Beschäftigte der Deutschen Bahn und des öffentlichen Diensts des Bundes und der Kommunen in der Nacht zu Montag für 24 Stunden die Arbeit niederlegten, ging an den Bahnhöfen und am Airport Hamburg nichts mehr. Auch im Hafen der Hansestadt kam es wegen des Streiks der Lotsenversetzer zu Beeinträchtigungen, lotsenpflichtige Schiffe konnten deshalb nur vereinzelt den Hafen anlaufen oder verlassen.

Besonders Hamburg-Pendler aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen mussten die Verkehrsmittel wechseln. Denn die Bahn hatte nicht nur den Fern-, sondern auch den Regionalverkehr weitgehend eingestellt. Dass am Montag überraschend doch noch die eine oder andere S-Bahn zwischen Hamburg und dem Umland pendelte, half den Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit nur bedingt. Die Hamburger selbst waren deutlich besser dran, denn die U-Bahnen, Busse und Fähren des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) fuhren wie gewohnt.

Verärgert zeigten sich Sylt-Pendler. Er fahre fast täglich seit 35 Jahren auf die Nordseeinsel – und noch nie sei wegen eines Streiks kein Zug gefahren, sagte der Sprecher der Pendlerinitiative, Achim Bonnichsen, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei wie eine «Geiselnahme» von rund 3500 Pendlern, die eben nicht schnell auf Rad oder Auto umsteigen könnten. Für die Meisten gebe es keine Alternative zur Fahrt über den Bahndamm durchs Watt. Die Sylt-Fähren von Dänemark nach List bräuchten viel zu lange. Bonnichsen betonte, dass ja auch Pflegekräfte, Polizisten oder Ärzte betroffen seien. «Da hat man dieses Mal nicht drauf geachtet.»

Am Montagnachmittag nahmen der Sylt Shuttle und der RDC Autozug wieder ihren Verkehr in Richtung Nordseeinsel auf. Nach Angaben der Bahn können Inhaber von Online-Tickets mit dem Gültigkeitstag Montag diese aber auch bis Mittwoch für eine Fahrt mit einem Zug ihrer Wahl nutzen. Beim Infotelefon des Autozugs hieß es am Nachmittag, der Verkehr laufe wieder «relativ regelmäßig».

Am Hamburger Flughafen ging während des Verkehrswarnstreiks vor allem in den Bereichen Luftsicherheitskontrolle, Passagierservice und Instandhaltung nichts mehr. Sämtliche Abflüge und mehr als die Hälfte aller vorgesehenen Landungen wurden abgesagt. Ursprünglich waren 147 Starts und 152 Landungen geplant. Es wurden 35 000 Passagiere erwartet. «Die Lage in den Terminals ist heute Morgen erwartungsgemäß ruhig, die Abflugterminals sind wie leergefegt», sagte Airport-Sprecherin Katja Bromm. Dafür werde mit einer umso stärkeren Auslastung am Dienstag gerechnet.

Auch im Hamburger Hafen kam es zu Einschränkungen, die aber nach Einschätzung der Hafenverwaltung HPA zumindest beim Containerumschlag übersichtlich blieben. «Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten und der Abstimmung zwischen Reedereien und Terminals bei der Abfertigung der Großcontainerschiffe konnte die Anzahl der Schiffsbewegungen deutlich reduziert werden», sagte eine Sprecherin der Hamburg Port Authority (HPA) der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben des Hafens vom Vormittag wurden 16 große Schiffe erwartet. Auf der Elbe sind solche Schiffe lotsenpflichtig, wenn sie länger als 90 Meter oder breiter als 13 Meter sind. Wegen des Streiks der Lotsenversetzer – sie bringen die Lotsen an Bord der großen Schiffe und holen sie auch wieder ab – konnten sie den Hafen abgesehen von einigen Ausnahmen nicht anlaufen. Kaum ein Durchkommen gab es dagegen am Nord-Ostsee-Kanal. Die Schleusentore in Kiel und Brunsbüttel blieben streikbedingt geschlossen.

Problematisch war in Hamburg auch der Container-Transport mit der Bahn. Aufgrund des Streiks konnten keine Züge in den Hafen fahren oder aus ihm heraus, wie die Sprecherin sagte. Innerhalb des Hafens seien jedoch alle Zug- und Rangierfahrten möglich. Die HPA rechnet noch bis Dienstag, 6.00 Uhr, mit Einschränkungen – sowohl beim Lotsenversetzdienst als auch bei der Bedienung von Schleusen, Brücken, Sperrwerken und des St. Pauli Elbtunnels.

Glück hatten dagegen Autofahrer. Nachdem das Landesarbeitsgericht Hamburg am Sonntag zum Ärger der Gewerkschaft einen Warnstreik am Elbtunnel untersagt hat, konnten der Tunnel und die A7 nach der Sperrung vom Wochenende wegen Bauarbeiten am Montag bereits gegen 1.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden – vier Stunden früher als geplant. Die A7 gehört zu den meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands. Den Tunnel passieren täglich rund 120 000 Fahrzeuge. Insgesamt führte der Streik nach Beobachtungen der Polizei kaum oder zu keinem erhöhten Verkehrsaufkommen in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Die Gewerkschaften zeigten sich dennoch zufrieden. «Wir haben heute erneut einen erfolgreichen Streiktag mit kämpferischer Stimmung erlebt», sagte Hamburgs Verdi-Chefin Sandra Goldschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Verdi gehe dadurch gestärkt in die weiteren Verhandlungen. «Unser Ziel bleibt ein Ergebnis am Verhandlungstisch, hierfür müssen sich die Arbeitgeber allerdings noch sehr bewegen.»

Der Hamburger Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Frank Maur, sagte der Deutschen Presse-Agentur, so eine Streikbereitschaft habe er noch nie erlebt. Bei solch einem Engagement wäre ihm vor einem unbefristeten Streik nicht bange. Die Eisenbahnergewerkschaft fordert für die Beschäftigten ein Lohnplus von 12 Prozent, mindestens aber 650 Euro im Monat mehr.

Das ist noch mehr als Verdi für die bundesweit rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen verlangt. Sie fordert ein Lohnplus von 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeberseite bietet bislang 5 Prozent mehr – in zwei Schritten – sowie Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 2500 Euro. Verdi und die Arbeitgeberseite starteten am Montag in Potsdam in ihre dritte Verhandlungsrunde.

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