Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
Hotelsuche in 
 

Interview mit Gilbert und George

Europa
19.05.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
"Religion nimmt uns die Freiheit" - neue Ausstellung
Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellen Gilbert & George, das britische Künstlerpaar, erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.
Galerie
Berlin (dpa) - «Luther und die Avantgarde» - im Rahmen dieses ambitionierten Projekts stellt das britische Künstlerduo Gilbert & George (73 und 75) Bilder aus seiner «Sündenbock»-Serie in der Berliner Matthäus-Kirche aus. Das ist brisant. Denn die beiden sind für ihre harsche Kritik an Kirche und Religion bekannt. Der Deutschen Presse-Agentur erzählen sie, wie es dazu kam.
Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen am 17.05.2017 in Berlin in der St.-Matthäus-Kirche. Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellt das britische Künstlerpaar erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.

Sie seien fromm, sagt Pfarrer Neubert, der Hausherr der Kirche, der Sie mit eingeladen hat. Stimmt das?

Gilbert: Das denkt er!

George: Nein, das ist richtig. Wir sind moralische Künstler. Wir glauben an Gut und Böse. Wir glauben nur nicht an Gott. Alle Götter sind von Menschen erfunden, nichts weiter.

Sie greifen immer wieder die Kirche an...

George: ... nur ihre kriminellen Seiten. Die Kirche war sehr, sehr langsam bei der Abschaffung der Sklaverei, sie war sehr langsam bei der Abschaffung der Todesstrafe. Und sie ist hintendran, was sexuelle Rechte, Homosexualität, Schwulenehe und Scheidung angeht. Die Kirche hält den Fortschritt auf.

Trotzdem bespielen Sie jetzt eine Kirche. Warum?

Gilbert: Wir wurden von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn eingeladen. Wir sind bloß der Einladung gefolgt.

George: Erst gefiel uns das Projekt nicht, weil es hieß, wir sollten nur das Erdgeschoss bespielen. Deshalb haben wir abgelehnt. Aber dann, mitten im Telefonat, wurde uns klar: Wenn wir die ganze Kirche für unsere Bilder nutzen könnten, hätte die Sache Überzeugungskraft. Von dem Augenblick an waren wir begeistert.

Gilbert: Es ist ja nicht so, dass wir uns für die Kultur der Kirche nicht interessieren. Wir sind jüdisch-römisch-griechisch-christliche Säkularisten. Das ist unser Glaube. Wir wissen, woher wir kommen. Wir nennen es das Gepäck der Geschichte.

Um was geht es in der Serie?

George: Auf den ersten Blick sind es einfach Straßenszenen aus dem Londoner East End, dem Viertel, in dem wir leben. Auch die impressionistischen Bilder in den traditionellen Museen sind ja oft Straßenszenen. Aber sie sind geschönt. Sie zeigen nicht die Wirklichkeit - die Bettler, die Syphiliskranken, die Obdachlosen. Wir versuchen, mit unseren Bildern ehrlicher zu sein.

Gilbert: Es geht um den großen Gegenwartskonflikt, den Krieg der Religionen. Wir leben in London genau zwischen den Welten - zwischen einer großen englischen Barockkirche und einer Moschee. Und die Konfrontation zwischen diesen Kraftfeldern ist enorm. Wir sind sehr erstaunt über die Intoleranz der Mullahs gegenüber der westlichen Welt.

George: Wo wir leben, gibt es viele Bangladescher. Wir leben mit ihnen Tür an Tür ...

Gilbert: Aber die Mullahs predigen ihnen: Fasst die nicht an, kommt ihnen nicht nahe, geht nicht in ihre Kirchen, hört nicht ihre Musik, esst nicht ihren Schinken mit Ei ...

George: Wir lieben ihr Curry, aber sie essen unser bacon and eggs nicht!

Gilbert: Diese enormen religiösen Auseinandersetzungen gibt es überall auf der Welt, nicht nur bei Moslems oder Hindu. Wenn man nur an der Oberfläche kratzt, bricht es auf. Allein die Idee, dass man jemanden nicht heiraten kann, der einer anderen Religion angehört, ist lächerlich. Religion nimmt uns die Freiheit.

Und dagegen kämpfen Sie?

George: Ja, aber wir urteilen nicht, wir wollen nicht urteilen. Wir hoffen nur, dass die Welt von morgen ein bisschen anders aussieht, weil wir diese Bilder gemacht haben.

Gilbert: Du stehst davor und kannst Ja oder Nein sagen. Jeder Mensch ist frei. Unsere Bilder stehen für Meinungsfreiheit.

Trotzdem wird es vermutlich einigen Wirbel um Ihre Ausstellung geben, oder?

Gilbert: Das sind wir gewohnt.

George: Wir erleben das seit fünfzig Jahren, vom ersten Tag an.

Gilbert: Aber wir überleben. Wenn man Angst hat, muss man abstrakte Kunst machen.

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
Weitere Artikel zu diesem Thema
 
Europa
09.05.2017
Die Rolling Stones gehen im Herbst auf Europatour. Dies kündigten sie am Dienstagvormittag auf ihrer offiziellen Internetseite an. Los Angeles (dpa) - Die «No Filter»-Tour beginnt am 9. September in Hamburg mit einem Konzert im
weiter
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Streit und Probleme bieten viele Erbfälle - chaotisch aber kann es werden, wenn der Erblasser im Ausland lebte oder Vermögen in anderen Ländern besaß. Eine neue EU-Verordnung, die das Europäische Parlament gerade verabschiedet hat, soll das
Die Vorweihnachtszeit ist erfüllt vom Duft nach süßen Leckerein und dem himmlischen Klang der unzähligen Weihnachtslieder, die jedes Jahr die Vorfreude auf das Fest der Liebe begleiten. Der Himmel öffnet seine Tore und bedeckt die Straßen und
Modedesigner Jason Wu... Die Leidenschaft packt er ins Rot ein. Für Romatik und Liebe stehen bei ihm Pastellfarben. Zorn versteckt er hinter beinahe puristischen klaren Linien. Was macht diesen Modedesigner so außergewöhnlich? Steckt
Das UNESCO-Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes reihte vor kurzem auf seiner auf der indonesischen Insel Bali abgehaltenen Sitzung den stummen Reigen aus dem Dalmatinischen Hinterland - „Nijemo Kolo“ und den witzigen
Kocani Orkestar und Erben von Django Reinhardt Highlights des 14. Jahrgangs. In Prag hat am Montag der 14. Jahrgang des internationalen Festival der Musik und Kultur der Roma Khamoro ("kleine Sonne") begonnen. Den Auftakt setzte eine
Die einen können vor Kraft kaum laufen, die anderen kommen gerade aus dem Wettbüro. Das Spiel eignet sich prototypisch für ein Comic von Ralph König: Testosteron-geschwängerte Luft in Gdánsk, wenn die spanischen Zwergstiere auf die letzten
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
1) Alpen: Wer hoch hinaus möchte, muss noch nicht einmal bergsteigen, die Zugspitzbahn reicht, um das 2962 Meterhohe Dach Deutschlands mit seinen 22 schneesicheren Skipisten-Kilometern zu erklimmen. Wer sich nichts aus dem weißen Sport
Die älteste Quelle für das Wort „Israel" ist die ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in Kairo). Sie beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande Kanaan und wird auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert. Die
Makedonien (gelegentlich auch Mazedonien) ist ein geographisches und historisches Gebiet auf der Balkanhalbinsel. Es hat eine Fläche von etwa 67.000 km² und eine Bevölkerung von ca. 5 Millionen. Es gibt keine amtliche Anerkennung von dessen
In Island gibt es ein Sprichwort: “Ein Mensch ohne Bücher ist blind”. Seine Nase in Island allerdings nur in Bücher zu stecken, wäre fatal. Island – das Land, in dem 10.000 Wasserfälle in die Tiefe stürzen und wo Gletscher und Vulkane des
Davon wird man noch seinen Enkeln erzählen: Gletscherwanderungen und Gebirgsreisen in Island sind ansich schon ein Abenteuer – wer den ultimativen Trip sucht, findet ihn in der Gletscherzunge Sólheimajökull. Der Eisausflug auf den
Was weiß man eigentlich über dieses Land am Rande Europas mit Namen Portugal? Begnadete Fußballer wie Figo und Ronaldo kommen dort her, der weltberühmte Portwein natürlich, Schriftsteller Chriwie Saramango Josè und Fernando Pessoa. Man könnte
Wetter

Amsterdam


(07.05.2021 04:30)

-2 / 3 °C


08.05.2021
-2 / 0 °C
09.05.2021
-1 / 1 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

Agenda - The Week Ahea ...
Agenda - The Week Ahea ...

Afghan Farah Governor ...
Ministry Warns Cinema ...

Leben auf Malta ...
Bestätigung: Deutsche ...

Urlaubsplanung nach Co ...
...

Goldene Stadt an der M ...
Polyphone Power aus Fr ...

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum