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Immer mit der Ruhe – Schach beim Späti

Typisch untypisch Berlin - ein Spiel, ein Ort und keine Beschwerden. Schach bietet einige Vorteile gegenüber dem üblichen Abendlärm vor einem Berliner Späti.

64 Felder, 32 Figuren und zwei Farben: Schwarz und Weiß. Ein Späti lädt in Berlin zum Schachspielen ein – spätestens seit der Netflix-Serie «Das Damengambit» ist der Denksport wieder hip. Wolf B?ese (38) sitzt beinahe täglich und bei jedem Wetter vor dem auf den ersten Blick gewöhnlich wirkenden Laden in Prenzlauer Berg und spielt mit fremden Menschen Schach.

Seine Mitspieler sind ganz unterschiedlicher Herkunft: Jugendliche, Straßenzeitungsverkäufer und Touristen. Für ihn stehe das «gemeinsame Entdecken und Spiel» im Mittelpunkt, erzählt B?ese der Deutschen Presse-Agentur, während er vier mitgebrachte Schachbretter auf den zwei Biertischen ausklappt.

Seit zwei Monaten ist B?ese ab 19.00 Uhr regelmäßig vor dem Späti auf der Schönhauser Allee anzutreffen. «Ab sieben ist reserviert», sagt er. Derweil stellt er Springer, Bauern, Turm und Dame auf die Felder.

Menschenansammlungen vor Spätis haben in Berlin eher einen negativen Ruf. Doch laut B?ese gab es bisher keine Beschwerde von Anwohnern. Das dürfte daran liegen, dass schachspielende Menschen in der Regel weniger Bier trinken und leiser sind.

Ursprünglich kommt B?ese aus einem kleinen Ort in Brandenburg. Vor 13 Jahren zog er nach Berlin. Er arbeitet in der Hauptstadt als selbstständiger Digital Designer und verbringt berufsbedingt viel Zeit vor dem Computer. «Jede Minute, die wir nicht am Bildschirm verbringen, ist, glaube ich, nicht schlecht.»

Die Idee für die Schach-Veranstaltungen kam ihm während der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Isolation. B?ese fing an spazieren zu gehen und fremde Menschen zu fragen, ob diese mit ihm Schach spielen möchten. Der Name für seine Veranstaltungen, «Stranger Chess», Schach mit Fremden, war geboren. Und die Idee blieb nicht unentdeckt: Anfang des Jahres blickte das Magazin «Exberliner» auf das Schachspiel vorm Späti mit dem Titel «Where beer and bishops meet», zu Deutsch: «Wo sich Bier und Läufer treffen».

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