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Im dritten Anlauf nach Australien: Warum Baerbock nicht umdrehen will

Nach den Pannen am Regierungsflugzeug will die Außenministerin den Schaden begrenzen: Nun soll sie ein Linienflug nach Australien bringen. Die Hartnäckigkeit hat Gründe.

Gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden hat Annalena Baerbock am Montag vergeblich versucht, mit einem Airbus der Flugbereitschaft nach Australien zu kommen. Die Verärgerung der Außenministerin über die Doppel-Panne mit der Bundeswehr-Maschine dürfte ziemlich groß sein. Denn trotz eines erfolgreichen Testflugs über dem Golf-Emirat Abu Dhabi und der Versicherung der Luftwaffe, diesmal werde es aber wirklich klappen mit der lange geplanten Dienstreise nach Australien, Neuseeland und Fidschi, hat es die Grünen-Politikerin auch im zweiten Anlauf nicht dorthin geschafft. Doch anmerken lässt sie sich ihren anzunehmenden Groll nicht. Und aufgeben will sie schon gar nicht.

Ein technischer Defekt an den Landeklappen ist Grund dafür, dass die Maschine vom Typ A340-300 nach dem Start um 1.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) nicht rasch an Höhe und Geschwindigkeit gewinnt. Das gleiche Problem war schon in der Nacht zuvor aufgetreten, nun verkündet der zerknirschte Flugkapitän die erneute Hiobsbotschaft. Doch schon an Bord entscheiden Baerbock und ihr Team, die Reise ein drittes Mal zu versuchen. Wenn die Bundeswehr es nicht schafft, fliegt man eben Linie, lautet die Devise.

Denn der Bundesaußenministerin dürfte klar sein: Die neuerliche Panne des Regierungsfliegers ist zwar peinlich. Doch der politische Schaden, wenn sie ihren Gastgebern Down Under absagen und umdrehen würde, wäre um ein Vielfaches größer.

Bemühungen um ein Signal gegen Russland

Eine Woche hat sich Baerbock Zeit genommen, um in Australien, Neuseeland und Fidschi deutsche – und europäische – Flagge zu zeigen. Ein wichtiges Signal will die Bundesaußenministerin setzen, die Unterstützung der Länder für die strikte Verurteilung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in den Vereinten Nationen würdigen. Für die gemeinsame Front des Westens gegen Moskau hat Baerbock in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiv geworben.

Baerbock will Erwartungen nicht enttäuschen

Auf die eigentlich schon an diesem Dienstag in Australien geplante Rückgabe von Kulturgütern aus der Kolonialzeit an das indigene Volk der Kaurna haben die Ureinwohner jahrelang gewartet. Die australische Außenministerin Penny Wong soll Termine auf einem Delegiertentreffen ihrer Partei extra so gelegt haben, dass sie Baerbock trotzdem empfangen kann. Und in Fidschi hat sich gleich das ganze Kabinett zur Eröffnung der ersten deutschen Botschaft in dem Inselstaat angekündigt. Die Erwartungen will die Ministerin nicht enttäuschen.

Das Signal dürfe nicht sein: Jetzt reicht‘s, man habe es zweimal probiert, nun fliege man wieder zurück, heißt es schon an Bord. Zumal es in nächster Zeit angesichts eines eng gedrängten Terminkalenders auch keine Luft für einen raschen Nachholtermin geben würde. Klappt der dritte Anlauf, will Baerbock nun am Mittwoch die geplanten Termine in der australischen Metropole Sydney wahrnehmen.

Ministerin will «Band der Zusammenarbeit» enger ziehen

Schon vor ihrem Abflug hatte Baerbock das Ziel ihrer Visite deutlich gemacht. «Trotz einer Riesenentfernung von mehr als 16 000 Kilometern können wir uns wie enge Nachbarn aufeinander verlassen, als gute Freunde voneinander lernen und uns als strategische Partner gegenseitig unterstützen», betonte sie. Das «Band der Zusammenarbeit, das uns mit unseren Wertepartnern rund um den Globus verbindet», wolle sie enger ziehen. Auf dieses Signal will sie nicht verzichten.

Im Indo-Pazifik steht viel auf dem Spiel

Denn aus Baerbocks Sicht geht es um sehr viel in der Region. Um den Indo-Pazifik als Raum, in dem angesichts des immer aggressiveren Auftretens Chinas die Ausgestaltung der internationalen Ordnung des 21. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt wird – und auch die Australier ihre Freiheit durch Pekings Machtstreben bedroht sehen, während die Chinesen sich andernorts als Partner andienen. Und es geht um die Klimakrise, deren Folgen auf den Inseln Fidschis, in Neuseeland und Australien besonders hart zuschlagen.

«Manchmal ist es wirklich verflixt»

In einer ersten Reaktion hatte sich Baerbock noch an Bord der Luftwaffenmaschine zerknirscht gezeigt: «Manchmal ist es wirklich verflixt.» Zuvor hatte der Flugkapitän, ein erfahrener und ruhig wirkender Mann mit jahrzehntelanger Erfahrung im Cockpit, über die Bordsprechanlage einräumen müssen: «Wenn Sie auf die Monitore schauen, dann werden Sie auch das gleiche Flugverhalten wie gestern wiedererkennen. Wir sind gerade am Kreisefliegen. Uns ist tatsächlich leider das gleiche Problem, was wir gestern hatten, wieder passiert.» Er mache das schon ein paar Jahre, sagte der Kapitän. «Aber sowas ist auch in der Geschichte der Flugbereitschaft noch nicht passiert.»

Als die Nachricht über den Lautsprecher kommt, weiß Baerbock in ihrem VIP-Bereich im vorderen Teil des Flugzeugs schon Bescheid. 15 Minuten nach dem Abheben war der Airbus erneut vom Kurs abgedreht und zurück in Richtung des Wüstenemirats geflogen. Vor der erneuten Landung musste noch tonnenweise Kerosin abgelassen werden, um das Gewicht der für die Langstrecke vollgetankten Maschine zu senken – daher kreiste der Flieger minutenlang am Himmel.

Der Pilot hatte das Abdrehen extra ein wenig hinausgezögert. Er wollte die Ministerin wenigstens persönlich informieren. Bevor sie wie am Vortag selbst bemerken würde, dass es mit dem Flug nach Australien vorerst wieder nichts wird. Beim ersten Mal waren Baerbock wie vielen anderen an Bord sofort die Kreise aufgefallen, die die Maschine auf die Flugmonitore gezeichnet hatte.

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