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Großbrand am Brocken: Löschen aus der Luft und Debatte um Totholz

Seit Samstag brennt es am Brocken. Weil das Gelände unwegsam ist und die Fläche groß, wird aus der Luft gelöscht. Seit Montag auch mit internationaler Unterstützung. Unterdessen diskutieren Politiker über Konsequenzen.

Im Minutentakt fliegen die Hubschrauber heran und füllen einer nach dem anderen ihre Behälter mit Wasser. Sie drehen schnell Richtung Brocken ab. Dort werfen sie die Tausenden Liter auf die brennenden Waldflächen. Der Pendelverkehr läuft seit Tagesanbruch. Der See auf dem Wurmberg ist am Montag Dreh- und Angelpunkt für die Hubschrauber, die aus der Luft gegen den rund 150 Hektar großen Waldbrand kämpfen. Von hier aus ist der Rauch des Großbrandes am Brocken deutlich zu sehen. Viele Schaulustige stehen hier, ebenso Verantwortliche für den Einsatz.

Landrat Thomas Balcerowski (CDU) muss das Gespräch immer mal unterbrechen, weil wieder ein Hubschrauber über ihn hinweg fliegt. Sieben Löschhubschrauber seien im Einsatz und zwei italienische Löschflugzeuge, die aus einem gefluteten Tagebau, dem Concordia-See Wasser holen. Sie können 6000 Liter auf einmal transportieren. Es kommen 30 000 Liter zusammen, wenn alle beteiligten Maschinen einmal Wasser abgeworfen haben, hat der Landkreis berechnet.

Damit die umfassende Hilfe möglich wurde, hat der Landrat am Sonntag den Katastrophenfall ausgerufen. Und so sei nicht nur italienische Unterstützung möglich, auch Österreicher und Schweizer helfen – neben Einsatzkräften von Polizei, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und anderen.

300 Einsatzkräfte waren am Montag im Einsatz. Im Schichtbetrieb werden sie immer wieder ausgetauscht. «Es sieht danach aus, dass sich das Feuer nicht weiter ausbreitet», sagte der Landrat. Unter Kontrolle sei es aber weiter nicht. Und ein «Feuer aus» sei noch nicht in Sicht. Für Mittwoch sei Regen angekündigt, das könne helfen, hofft Balcerowski.

Dass die Unterstützung aus der Luft so wichtig ist, liegt an dem schwer zugänglichen Gelände. Es ist ein beliebtes Wandergebiet. Allerdings hat es sich in den zurückliegenden Jahren stark gewandelt. Die Fichtenbestände haben massiv unter Trockenheit, Stürmen und Schädlingen wie dem Borkenkäfer gelitten. Riesige Bestände sind abgestorben. Das Totholz sorgt immer wieder für heftige Diskussionen.

Die Debatte wird in der Landespolitik in Sachsen-Anhalt aktuell geführt. Die CDU-Fraktion spricht sich dafür aus, das Totholz aus dem Wald zu schaffen, die oppositionellen Grünen lehnen das ab. Außerdem fordern mehrere Fraktionen im Landtag die Anschaffung neuer Löschtechnik.

CDU-Fraktionschef Guido Heuer plädierte am Montag dafür, das Gesetz über den Nationalpark Harz anzupassen. «Ganz einfach: Das Totholz muss aus dem Wald», sagte Heuer. Dazu müsse man nun entsprechende Gespräche mit dem Land Niedersachsen führen und eine Einigung suchen.

Die oppositionellen Grünen, die von 2016 bis 2021 mit Claudia Dalbert die Umweltministerin stellten, lehnen das ab. Man müsse am Nationalparkgesetz in seiner jetzigen Form festhalten, sagte Fraktionschefin Cornelia Lüddemann. Stattdessen müsse in Löschtechnik wie Hubschrauber und Flugzeuge investiert werden. Dafür ist auch die schwarz-rot-gelbe Koalition offen.

Über die Löschtechnik müsse man dringend diskutieren, sagte Heuer. Unterstützung kommt von FDP-Fraktionschef Andreas Silbersack. «Wir müssen natürlich auch darüber nachdenken, wie wir zu Löschflugzeugen kommen in Sachsen-Anhalt», sagte Silbersack. Mögliche Lösungen müssten mit den Nachbarbundesländern besprochen werden. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Rüdiger Erben, sprach sich dafür aus, auf leistungsfähige Hubschrauber zu setzen. Diese seien effektiver als Flugzeuge.

Das Feuer am Brocken war am Samstag gegen 14.30 Uhr am sogenannten Goetheweg in der Nähe des Aussichtspunktes Goethebahnhof entdeckt worden. Die Brandursache ist noch unklar. Der Goetheweg zum Brocken gilt als einer der meistfrequentierten Wanderwege im Nationalpark Harz.

Das Brockenplateau, auf dem sich unter anderem ein Hotel und ein Bahnhof befinden, wurde am Samstag evakuiert. Bis auf Weiteres bleibt es für Besucher gesperrt, ebenso die Wanderwege in der Gegend und die Ortschaft Schierke am Fuß des Brockens. Übernachtungsgäste können den Ort nach einer Polizeikontrolle erreichen. Die Harzer Schmalspurbahnen, die mit ihren Zügen auf den Brocken fahren, haben den Betrieb dorthin eingestellt.

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