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Goldener Süden: Von Amberg über Nabburg ins Pfreimdtal

Wie die Spinne im Netz hat sich das trutzige Amberg, die ehemalige Hauptstadt der Oberpfalz, einige Kilometer südlich hinter seiner weitgehend erhaltenen Stadtmauer verschanzt: Für die Händler der Goldenen Straße hat es seine Tore sicherlich geöffnet. Der Umweg zur Residenzstadt des Winterkönigs, das Vilstal flussabwärts, wo die Schiffer früher das Amberger Erz nach Regensburg transportierten, zu Schloss Theuern belohnt die fleißigen Reisenden mit zauberhaften Stadtansichten, originellen Einrichtungen wie einem Luftmuseum, (Hammer-)Schlössern und viel urtümlicher Flusslandschaft.

Entdecken Sie die berühmte “Amberger Stadtbrille”?

Den schönsten Überblick über eine der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Deutschlands mit Ringmauer und vier Toren gestattet

die Terrasse der Bergwirtschaft auf dem Mariahilfberg – zu Füßen das Altstadt-Ei der 45 000-EW-Stadt, die der Fluss vom Vilstor bis zur Stadtbrille in zwei Hälften teilt.

Hier oben bitten seit der Pest von 1634 nicht nur Amberger jährlich im Juli die Gottesmutter und die Franziskaner-Mönche um Beistand und die Wirte des Bergfestes um Bier und Brotzeit. Die Wallfahrtskirche wurde zwischen 1697 und 1711 nach Plänen von Wolfgang Dientzenhofer errichtet.

Das Rathaus in Amberg

Die Deckenfresken stammen von Cosmas Damian Asam.

Ein ganz besonderes Entrée in die Altstadt eröffnet die Stadtbrille, deren zwei Bögen den Fluss überwölben und deren Spiegelung im Wasser den Namen erklären. Sie ist Teil der Stadtbefestigung und verbindet zwei Gebäudekomplexe des Kurfürstlichen Schlosses, in dem heute das Landratsamt residiert.

Kurfürst Ludwig III. nahm 1417 einen Neubau in Angriff, Friedrich I. ließ ihn burgartig  ausbauen und zur „Amberger Hochzeit“, dem teuersten Stadtfest aller Zeiten, spendierte Kurfürst Ludwig IV. Sohn Philipp, dem Bräutigam, und Margarethe, der Tochter Herzog Ludwigs IX., eine Kemenate – den heutigen Hauptbau des Schlosses, das immer noch prächtig und mächtig daher kommt.

Nordbayerns größte gothische Hallenkirche
Vorbei an der überdachten hölzernen

Schiffsbrücke marschiert man direkt auf Nordbayerns größte gotische Hallenkirche St. Martin zu. Der romanische Vorgängerbau wurde ab 1421 durch einen Neubau ersetzt. Der massige Turm steht mit den Füßen im schwarzen Wasser der Vils. Rechts um die Kirche herum gelangt man auf den großzügigen, meist windigen Marktplatz mit dem hochragenden gotischen Rathaus, in dem heute die politische Stadtspitze Hof hält.

Die langgezogene Georgenstraße mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern und der altstädtischen Einkaufsmeile führt

Das kleinste Hotel der Welt: Eh`häusl

schnurstracks zum Malteserplatz, wo der kürzlich sanierte Malteser-Komplex wie ein Nord-Süd-Riegel die Eispitze abschließt.

Die 160 Meter lange Anlage hatten die Jesuiten nach  dem Dreißigjährigen Krieg als Schutzwall des katholischen Glaubens gegen die vorher calvinistische Ratsmehrheit errichtet.

Nach der Aufhebung des Ordens nutzten die Malteser den Prestigebau mit dem prächtigen Bibliothekssaal, dessen Bestand nach der Säkularisation in der noch heute hier befindlichen Provinzialbibliothek aufging.

Die dazugehörige gotische Kirche St. Georg, unter Leitung von Wolfgang Dientzenhofer barockisiert, machte den gleichen Besitzerwechsel mit, ehe sie 1923 wieder Pfarrkirche wurde.

Einen geführten Rundlauf entlang der begehbaren Wehrgänge und in die Seitengassen sollte man sich nicht entgehen lassen: So kann man in der

Seminargasse 8 das Eh”häusl, das kleinste Hotel der Welt, entdecken.
Einer Praxis zufolge, die der Amberger Künstler Wilhelm Manfred Raumberger auf der Eingangstüre verewigte, soll ein Bräutigam, der die Ratsvorschrift umgehen wollte, dass für die Ehe Haus- und Grundbesitz erforderlich sei, den Hofraum zwischen zwei Anwesen überbaut haben. Die Übernachtung im exklusiven Pärchen-Quartier kostet 240 Euro. www.ehehaeusl.de

In Ambergs internationalstem Stadtteil Bergsteig plante der weltberühmte Bauhaus-Architekt Walter Gropius ab 1967 im Auftrag der Rosenthal AG sein letztes Projekt, die so genannte Glasmacherkathedrale: Im dominierenden Mittelschiff ist die Schmelzofenhalle untergebracht. Kristallglasfabrik, Rosenthalstraße 12.

Das Kurfürstenbad Amberg mit großem Wellnessbereich bietet sich als Erholungspause vom ausgedehnten Kulturprogramm an: Sieben Becken, Sauna, Wasserkino und -disco entschädigt den Nachwuchs für Blasen an Füßen und Gedanken, Kurfürstenring 2.
 

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