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Europas Banken im Stresstest

Nicht alle glänzten mit guter Leistung - auch deutsche Banken geben Grund zur Sorge. Wieder mussten sich Europas Banken tief in ihre Bücher schauen lassen und den Aufsehern beweisen, dass sie für Krisen gerüstet sind. Insgesamt zeigten sich die Geldhäuser als recht stabil.

Frankfurt am Main/Rom (dpa) – 12 000 Daten per Bank, pro Geldhaus eine PDF-Datei mit 20 Seiten. Wieder einmal haben Europas Bankenaufseher massenhaft Zahlen erhoben, um die Geldhäuser der Kontinents auf ihre Krisenfestigkeit zu prüfen. Sind sie gerüstet für einen Einbruch der Wirtschaft? Reichen die Kapitalpuffer der Geldhäuser aus, wenn die Immobilienpreise einbrechen? Mit solchen Szenarien wurden Europas Banken auf Herz und Nieren geprüft. Auch wenn Banken laut Aussagen der Aufseher inzwischen besser aufgestellt sind als noch vor Jahren, war das Misstrauen in die Branche zuletzt groß. Und was ist mit den italienischen Krisenbanken? Die am Freitagabend veröffentlichten Ergebnisse sollten zumindest etwas Klarheit bringen.

Besonders stark unter Druck gerieten die Commerzbank und die Deutsche Bank, sie hielten sich aber noch über den zuvor von Analysten als kritisch bezeichneten Marken. Die schwächste Kapitalquote wies im Test wie erwartet die italienische Bank Monte dei Paschi auf.

Wie liefen die Tests ab?

Anders als beim vergangenen Stresstest gab es keine Vor-Ort-Prüfung. Die Institute mussten die Szenarien durch ihre internen Systeme laufen lassen und dann entsprechende Tabellen der Aufseher ausfüllen. Veröffentlicht wurde dann, wie die Banken unter den verschiedenen Szenarien abschnitten mithilfe der so genannten harten Kernkapitalquote. Sie gilt als entscheidende Kennziffer. Sie setzt das Eigenkapital von Banken ins Verhältnis zu den Risikoposten und gibt Aufschluss über den jeweiligen Kapitalpuffer gegen Krisen.

Wie viele Institute durchleuchteten die Aufseher?

Die europäische Bankenaufsicht EBA hat 51 Institute unter die Lupe genommen, darunter 9 deutsche. Parallel dazu untersuchte die Europäische Zentralbank (EZB) in einer abgespeckten Variante 56 weitere Kreditinstitute aus der Eurozone. Veröffentlicht wurde nur der EBA-Teil.

Was wollten die Aufseher wissen?

Geprüft wurde, ob die Geldhäuser genügend Kapitalpuffer hatten, um einen Absturz der Wirtschaft und einbrechende Immobilienpreise zu verkraften. Die Szenarien, die auf Basis der Geschäftszahlen zum Jahresende 2015 durchgespielt wurden, sahen massive wirtschaftliche Schocks in Europa vor: Für dieses und nächstes Jahr eine um 1,2 Prozent bzw. 1,3 Prozent schrumpfende Wirtschaft, für 2018 lediglich 0,7 Prozent Wachstum. Neu war, dass Rechtsrisiken einbezogen werden – etwa Strafen, die Banken zahlen müssen. Allerdings wurden diese nicht eigens veröffentlicht, sondern gemeinsam mit anderen als «operationellen Risiken» veröffentlicht.

Wie ist das Ergebnis ausgefallen?

Insgesamt recht ordentlich.

Dank massiver Kapitalaufstockungen sei der Banken-Sektor in Europa als Ganzes recht stabil, erklärte die EBA. Die neun deutschen Institute im Test erwiesen sich als ausreichend ausgestattet, wenn auch in einigen Fällen nur knapp. Besonders stark unter Druck gerieten die Commerzbank und die Deutsche Bank, sie hielten sich aber noch über den zuvor von Analysten als kritisch bezeichneten Marken. Die schwächste Kapitalquote wies im Test wie erwartet die italienische Bank Monte dei Paschi auf. Sie legte aber kurz vor Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse einen Rettungsplan vor. Spannend könnte noch werden, ob die größte italienische Bank Unicredit nach einem bescheidenen Abschneiden im Stresstest zu weiteren Kapitalmaßnahmen greift.

Was sind die Konsequenzen für die Banken?

Anders als beim Stresstest 2014 gab es von vornherein keine Durchfaller. Die Aufseher verzichteten auf Vorgaben von Kapitalquoten, die Banken erfüllen mussten. Stattdessen sollen die Ergebnisse in die regelmäßige Bewertung von Geschäftsmodellen und Risiken der Institute einfließen. Dabei legen die Behörden gegen Jahresende individuelle Kapitalzuschläge fest und bestimmen zudem darüber, wie viel Geld die Banken für Dividenden oder Zinsen auf eigenkapitalähnliche Anleihen zahlen dürfen. Ist der Kapitalpuffer zu gering, können die Aufseher etwa Dividendenausschüttungen an die Aktionäre untersagen.

Schafft der Test neues Vertrauen in die Stabilität der Banken?

Das bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit überholte die Realität des Öfteren die Testszenarien. Als Diagnose-Instrument sei der letzte Stresstest aber durchaus erfolgreich gewesen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. Danach sei bloß die Therapie unterlassen worden. Beim Stresstest 2014 fielen neun italienische Banken durch. Aber dann geschah lange nichts, um deren Misere zu beheben. Auch heute sagen Kritiker wieder, der Stresstest habe nur begrenzt Aussagekraft über die Stabilität der europäischen Banken. Und etwa die Folgen des Brexit-Votums der Briten erfasste der aktuelle Test noch nicht.

Welche Kritik gibt es diesmal?

Es stieß vielen übel auf, dass nur das derzeit unrealistische Szenario steigender Zinsen untersucht wurde, nicht aber die Folgen weiter sinkender Zinsen. Doch gerade darunter leiden Banken, etwa weil sie eigene Einlagen kaum noch rentierlich anlegen können und ihre Zinsmarge bei vergebenen Krediten schwindet. Mancher wie der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel vermutet als Grund Interessenkonflikte in der EZB. Denn wären Negativzinsen im Test durchgespielt worden hätte dies zu einer schallenden Ohrfeige für die Geldpolitik der Notenbank werden können. «Es war immer schon falsch, die Doppelaufgabe Geldpolitik und Aufsicht auf die EZB zu konzentrieren.»

Warum waren beim aktuellen Test zwei Aufsichtsbehörden beteiligt?

Die EZB ist seit November 2014 für die Bankenaufsicht in der Eurozone zuständig und kontrolliert die 129 größten Institute direkt. Davon nehmen an den aktuellen Tests aber nur 93 Institute teil. Die übrigen waren erst kürzlich durchleuchtet worden wie die griechischen Geldhäuser oder sind Tochterfirmen. Die EBA ist die oberste Bankenaufsichtsbehörde

Die deutschen Banken im EBA-Stresstest 2016
Die europäische Bankenaufsicht EBA hat in den vergangenen Monaten 51 Institute aus 16 Ländern unter die Lupe genommen. Der Test bei den 9 deutschen Instituten ergab für den Fall eines angenommenen Krisenszenarios bezüglich ihrer Kapitalquote folgende Ergebnisse:

BayernLB: 8,34 Prozent

Commerzbank: 7,42 Prozent

Dekabank: 9,53 Prozent

Deutsche Bank: 7,80 Prozent

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): 9,40 Prozent

Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba): 10,10 Prozent

NordLB: 8,62 Prozent

NRW.Bank: 35,40 Prozent

Volkswagen Financial Services: 9,55 Prozent

Bankenverbände sehen deutsche Geldhäuser gestärkt
Deutschlands Bankenverbände werten das Abschneiden der hiesigen Geldhäuser im diesjährigen Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA als positiv. «Die deutschen Institute haben sich im Stresstest als grundsätzlich robust und widerstandsfähig erwiesen», erklärten der Bundesverband deutscher Banken (BdB), der Verband Öffentlicher Banken (VÖB), der Sparkassenverband DSGV sowie der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) am Samstag in einer gemeinsamen Stellungnahme. Selbst im strengen Belastungsszenario der EBA hätten die deutschen Kreditinstitute ihre Widerstandsfähigkeit gezeigt.

Die neun Banken hatten sich in dem am Freitagabend veröffentlichten, europaweiten Stresstest der EBA als ausreichend mit Kapital ausgestattet erwiesen, wenn auch in einigen Fällen nur knapp. Am besten schnitt das staatliche Förderinstitut NRW Bank ab, das sich auch im schlimmsten Schockszenario mit einer harten Kapitalquote von 35,4 Prozent bewährte. Die Deutsche Bank sackte auf 7,8 Prozent ab, die Commerzbank auf 7,42 Prozent. Sie waren damit die schwächsten deutschen Institute im Test. Die Landesbanken behaupteten sich insgesamt recht gut. Die harte Kernkapitalquote gilt als entscheidende Ziffer für den Kapitalpuffer von Banken gegen Krisen.

Italiens Bankenverband: Stresstest stärkt Glaubwürdigkeit
Das relativ gute Abschneiden der italienischen Banken beim europäischen Stresstest hat nach Ansicht des Bankenverbandes des Landes das Ansehen der Institute verbessert. «Die Glaubwürdigkeit der italienischen Banken ist gestärkt», sagte Verbandspräsident Antonio Patuelli laut einer Mitteilung vom Samstag. «Das Ergebnis für die italienischen Banken ist grundsätzlich zufriedenstellend, sie haben besser abgeschnitten als die Erwartungen der Märkte waren.»

Zwar hat mit der Monte dei Paschi di Siena eine italienische Bank das schlechteste Ergebnis aller Institute im Stresstest hinnehmen müssen, die übrigen getesteten Geldhäuser schnitten jedoch teils besser ab als erwartet. «Die europäischen und italienischen Institutionen müssen weiterarbeiten, um mehr gemeinsame Regeln umzusetzen», forderte Patuelli. «Italien muss seine Reformen fortsetzen und die Früchte dessen ernten, was bereits umgesetzt wurde.»

Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo, die relativ gut abschnitt, zeigte sich mit den Ergebnissen des Tests zufrieden. «Die Ergebnisse des Stresstests sind ein wichtiger Meilenstein», sagte Vorstandschef Carlo Messina am Samstag. «Italien ist ein starkes Land und es wird zurückkommen. Wir wollen das Wachstum mit ankurbeln», versprach er.

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