Deutschland

Einig Europa im Mittelmaß

Liveticker zum 60. Eurovision Song Contest in Wien: Wie der Abend verlief, der für Deutschland in einem Desaster endete.

Vorjahressieger Conchita Wurst (links) überreicht Mans Zelmerlow die ESC-Trophy für seinen Sieg beim Grand Final des 60. Eurovision Song Contest 2015 in Wien am 23. Mai 2015. Teilnehmer aus 27 Ländern nahmen teil.
Eurovision-Song-Contest Gewinner Mans Zelmerlow.

Wien (dpa) – Erinnern Sie sich noch? Nur durch den Verzicht von Andreas Kümmert darf Ann Sophie am Eurovision Song Contest 2015 teilnehmen. Der Rocksänger hatte zwar beim deutschen Vorentscheid im März die meisten Stimmen bekommen, doch er wollte nicht auf der Mega-Bühne in Wien auftreten. Auf jeden Fall fand er vor dem Finale freundliche Worte für seine Nachrückerin: «Liebe Ann Sophie, ich wünsche dir für deinen Auftritt beim ESC von Herzen alles erdenklich Gute. Bei Deinem Potenzial bin ich überzeugt, dass du uns europaweit ganz viele Punkte einsammeln wirst! Toi, toi, toi! Dein Andreas, keep on rockin!» Er behielt allerdings überhaupt nicht Recht.

Samstag, 23. Mai 2015, 19.30 Uhr: Bevor das Finale in der österreichischen Hauptstadt startet, stimmt Deutschlands Punktefee und TV-Moderatorin Barbara Schöneberger auf der Hamburger Reeperbahn auf das große Ereignis ein. Unter anderem sind Stars wie Andreas Bourani, Sarah Connor und Lena mit von der Partie.

ca. 19.45 Uhr: Bis die Zuschauer in der Wiener Stadthalle sind, müssen sie im Regen ausharren. Es regnet und regnet und regnet. Die Veranstalter des ESC reagieren prompt: Zuschauer müssen an den Sicherheitsschleusen ihre Regenschirme nicht mehr abgeben, sondern können diese behalten.

20.15 Uhr: Nach der «Tagesschau» sendet das Erste seine Sendung «Countdown für Wien» aus Hamburg: Barbara Schöneberger sorgt mit ihrem Outfit für Aufsehen und reichlich Twitter-Kommentare.

ca. 20.30 Uhr: Aufruf eines Anheizers in der Wiener Stadthalle: «Bitte nicht buhen. Seid fair», ruft er der Menge zu – denn Fairness und Toleranz sind den ESC-Fans traditionell sehr wichtig. Allerdings reagieren sie häufig bei Ländern gereizt, die es mit dem Fairplay ihrer Meinung nach nicht so genau nehmen, auch wenn die betroffenen Künstler meist wenig dafür können. Mal schauen, ob die Fans sich heute an die Aufforderung des Anheizers halten – vor allem der Auftritt der Russin Polina Gagarina könnte viele Fans dazu reizen, eine gewisse Russland-Kritik lautstark zu äußern.

20.50 Uhr: In Wien dröhnen die größten ESC-Hits aus den Lautsprechern, um den Fans in der Halle so richtig einzuheizen.

21 Uhr: Jetzt geht‘s richtig los! Die bekannte Eurovisions-Hymne erklingt. Die Wiener Philharmoniker eröffnen im Garten des Schlosses Schönbrunn mit der Fanfare das Finale des 60. Eurovision Song Contests. Die Zuschauer bekommen eine filmische Reise durch die schönsten Städte und Landschaften Österreichs bis zur Wiener Stadthalle geboten, in der die Violinistin Lidia Baich mit Tönen von Udo Jürgens‘ «Merci Chérie» an den ersten österreichischen Grand-Prix-Sieg (1966) erinnert, der in das Siegerlied «Rise Like A Phoenix» von 2014 übergeht. Vorjahressiegerin Conchita Wurst präsentiert dann gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben, dem multinationalen Chor und dem österreichischen Rapper Left Boy die offizielle «Building Bridges»-Hymne.

ca. 21.10 Uhr: Was für ein Start! Eine schwebende Conchita Wurst, ein Kinderchor und sogar drei singende Moderatorinnen (Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer)… Das hätte alles schnell peinlich werden können. War es aber überhaupt nicht. «Good evening, Europe!». Und jetzt der Einmarsch der Nationen: Das hat ein bisschen was von Olympia.

21.20 Uhr Die Einleitungsshow ist vorbei. «Let the Eurovision Song Contest begin», ertönt im Chor.

Startnummer 1: SLOWENIEN. Die Zeit des Vorgeplänkels ist vorbei. Jetzt geht es mit der Musik los – und das gleich mit einem Spitzen-Act aus Slowenien. Maraayas «Here For You» ist ein genialer Popsong, der beim ESC viele Zuschauer überzeugen wird. Und mit ihren strassbesetzten Kopfhörern fällt sie sowieso auf…

Startnummer 2: FRANKREICH. Juliette Gréco, die große Muse der Existenzialisten, tritt von der Bühne ab. Aber Frankreich hat ja noch Lisa Angell, deren bittere Weltkiegs-Ballade «N‘oubliez pas» stark nach Gréco klingt. Sie tritt vor einer finsteren Ruinenlandschaft auf, ihr Kleid ist schwarz.

Startnummer 3: ISRAEL. Schon so wieder so eine traurige ESC-Ballade, möchte man anfangs seufzen. Und dann legt Nadav Guedj nach 30 Sekunden so richtig los. Viel gute Laune, viel orientalisches Temperament und ein bisschen Justin Timberlake. Der israelische Sänger könnte mit «Golden Boy» an frühere Erfolge seiner Heimat beim ESC anknüpfen. Für die Schuhe müsste der 16-jährige Nadav Guedj zwölf Punkte bekommen – goldene Sportschuhe mit Flügelchen.

Sieht aus wie Marylin Monroe, singt aber dem russischen Präsidenten ins Gewissen: Polina Gagarina wäre eine würdige Siegerin gewesen.

Startnummer 4: ESTLAND. Coole Performance und ziemlich guter Song: Elina Born & Stig Rästa sagen «Goodbye To Yesterday» und «Hello To Vienna». Sie haben gute Chancen, sich weit oben zu platzieren, auch wenn man auf den einen oder anderen Bläsersatz gut hätte verzichten können. Das erinnert ein bisschen an bei dieser Folk-Pop-Nummer sofort an den Auftritt der niederländischen Common Linnets, die im vergangenen Jahr den zweiten Platz belegten. Das macht aber nichts. Auch ohne diesen Vergleich kann der Song überzeugen.

Startnummer 6: ARMENIEN. Das Musikprojekt Genealogy erinnert mit seinem Lied «Face The Shadow» an die Massaker an den Armeniern 1915. Die Zusammensetzung der Band spiegelt die Diaspora des verstreuten Volkes. Neben einer Sängerin aus Armenien sind armenischstämmige Musiker aus Frankreich, Japan, den USA, Australien und Äthiopien vertreten. Starke Botschaft, etwas fade Musik.

21.45 Uhr: Wie ist die Stimmung bei Ann Sophie in diesen Minuten? Sie strahlt über das ganze Gesicht. Sie muss sich noch ein wenig gedulden. Verrät ein «ESC Deutschland»-Tweet.

Startnummer 7: LITAUEN. Kunterbunt ist die Welt von Monika Linkyte & Vaidas Baumila, die mit «This Time» einen flotten – wenn auch ein wenig belanglosen – Country-Pop-Song performen. Und einen dicken Schmatzer liefern die beiden auch noch mit – aber alles nur gespielt. Immerhin ein Kuss, schön bunt und ganz nett. Aber irgendwie war dieser Auftritt ein bisschen wie «Musikantenstadl» auf Speed.

Startnummer 8: SERBIEN. Die extravagante Queen Bojana Stamenov hat eine Hammerstimme. Schade nur, dass ihre Hymne «Beauty Never Lies» zwar gefühlvoll anfängt, aber dann in wummerndem Eurotrash untergeht. Sie geht mit Startnummer 8 für Serbien ins Rennen. Ihre Kleider näht sie gerne selbst. Wuchtiger Auftritt mit gewaltiger Stimme und klarer Botschaft: Sei so wie Du willst! Und das Publikum geht voll mit. ESC-Schwergewicht Serbien?

Startnummer 9: NORWEGEN. Jetzt wird es spannend. Freuen Sie sich auf die Mitfavoriten Mørland & Debrah Scarlett aus Norwegen. Sie rühren mit «A Monster Like Me» die Herzen an. Was für schöne Stimmen, was für eine starke Melodie. Dazu das für den ESC ungewöhnliche Thema: Dass man als Kind jemanden getötet hat.

Startnummer 10: SCHWEDEN. Und gleich noch ein Knaller hinterher. Alle mal mitgrölen, bitte! Mit einem kräftigen «Hiiii-Oh-Wow-Wow-Wow-Ow-Wow» empfiehlt sich Måns Zelmerlöw aus Schweden für den ESC-Sieg und alle Großraumdiscos der westlichen Welt. Die Buchmacher sehen das Lied «Heroes» mit Startnummer 10 auf dem Siegertreppchen.

Startnummer 11: ZYPERN. Er hat nur Außenseiterchancen: Mit schmachtender Singer-Songwriter-Musik geht Giannis Karagiannis für Zypern als Elfter an den Start. «One Thing I Should Have Done» heißt sein Song. Leute wie Ed Sheeran sind mit diesem Stil Weltstars geworden. Wird trotzdem schwierig für Giannis, der im September nach London zieht, um sein erstes Album aufzunehmen.

22.07 Uhr – Premiere beim ESC! Australien!

Startnummer 12: AUSTRALIEN. Guy Sebastian ist ein Vollprofi und trat schon vor dem Papst und Queen Elizabeth auf. «Tonight Again» ist ein Ohrwurm und wird den ESC garantiert rocken. Der Pferdefuß: Guy Sebastian kann selbst mit einem Sieg den ESC nicht in sein Land holen.

Der junge Belgier Loic Nottet landete mit seinem frischen Auftritt einen Achtungserfolg.

Startnummer 13: BELGIEN. Seine Stimme könnte einer Frau gehören. Unser Nachbarland Belgien schickt mit Loïc Nottet einen Gewinner der Casting-Show «The Voice» nach Wien. Der wallonische Frauenschwarm hat «Rhythm Inside» mitgebracht und geht mit der Startnummer 13 ins Rennen. Hoffentlich kein schlechtes Omen.

Startnummer 14: ÖSTERREICH. The Makemakes treten nach dem ESC-Triumph von Conchita Wurst ein schweres Erbe an – chancenlos sind sie nicht. Zwischen Castingsiegern und zusammengewürfelten ESC-Projekten sind die drei Männer mit Bärten und wallendem Haar fast schon Ausnahmen. Das Trio kann einen Charthit und Bühnenerfolge vorweisen. «I Am Yours» erinnert viele Zuhörer allerdings ein bisschen zu sehr an den Hit «The Scientist» von Coldplay (2002). Dennoch sehr stark. Der brennende Flügel während des Auftritts der Österreicher ist übrigens nach dem Auftritt nicht hinüber. Er ist mit einer Metallwanne präpariert, in der das Feuer lodert und kann immer wieder angezündet werden.

ca. 22.15 Uhr: Der Auftritt des Gastgeberlandes markiert übrigens genau die Mitte des diesjährigen Teilnehmerfeldes. 13 Länder davor, 13 kommen jetzt noch. Dann beginnt die spannende Punktevergabe.

Startnummer 15: GRIECHENLAND. Ist das prophetisch gemeint? Hoffentlich nicht. Die Griechin Maria Elena Kiriakou singt «One Last Breath» – ein letzter Atemzug. Mit wallendem blonden Haar schmettert sie eine Ballade nach Art von Céline Dion. Damit dürfte sie es schwer haben.

Startnummer 16: MONTENEGRO. Jetzt wird es langsam sehr, sehr spannend. Direkt vor Ann Sophie singt Knez «Adio». Wer Balkan-Pop mag, der wird sich bei Nenad Kne?evic, Künstlername Knez, im siebten Himmel fühlen. Da schluchzt die Geige, und auch der Sänger scheint gleich in Tränen auszubrechen. «Wir sind richtig gut», meinte Knez nach Erreichen des Finales. Einen Pluspunkt gibt es dafür, dass Knez nicht wie so viele andere auf Englisch, sondern auf Serbisch singt. Auch sonst ist das Ganze sehr traditionell folkloristisch, inklusive 80er-Jahre-Glitzer-Jackett – gehört aber auf jeden Fall auch zum ESC dazu.

22.28 Uhr – Deutschland ist dran.

Startnummer 17. Ist die 17 eine Glückszahl? Wir hoffen es. «Ich bin damit sehr zufrieden», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur über ihren Startplatz. Jetzt aber heißt es Daumendrücken für Ann Sophie und ihren Song «Black Smoke». Die Bühnen-Optik erinnert ein bisschen an James Bond, das Aussehen an Lena und Amy Winehouse. Keine ganz schlechten Vergleiche für Ann Sophie. Ein sehr ordentlicher Auftritt mit einer starken Stimme. Aber ob dieser Auftritt die Fans in ganz Europa auch emotional berührt hat?

Startnummer 18: POLEN. Ein ganz besonderer Auftritt: Die Polin Monika Kuszynska sitzt bei ihrer Performance im Rollstuhl. Die Sängerin erlitt vor neun Jahren bei einem Unfall eine Wirbelsäulenverletzung, seitdem kann sie nicht mehr laufen. Sie sagte: «Es geht hier nicht um den Sieg, sondern darum, ein Tabu zu brechen, dass die Teilung von Menschen in Gesunde und Behinderte etwas Künstliches ist, das niemandem nutzt». Vor allem eines will sie mit ihrer Pop-Ballade «In The Name Of Love» nicht: einen Mitleidsbonus. «Der Rollstuhl ist nicht, was mich ausmacht», erklärte sie einem polnischen Frauenmagazin. «Im Inneren bin ich das gleiche Mädchen geblieben, das sich bemüht, sein Leben voll zu leben und seine Träume zu erfüllen.»

Startnummer 19: LETTLAND. Aminata Savadogo hat viel Liebe zu geben. Die Afro-Lettin ist eine Mischung aus Kleopatra und Bollywood-Queen. Ihr Song «Love Injected» – mit schicken elektronischen Beats – ist wohl selbst für diesen bunten ESC zu schräg. Oder doch nicht? Das Kleid erinnert ein bisschen an einen Guppy im ESC-Aquarium – durchaus beeindruckend. Und das Lied ist ein echter Hinhörer, wenn auch weit weg vom Mainstream, viel Elektronik, abgehackte Passagen, kalte Atmosphäre. Wird spannend, wie die ESC-Fangemeinde in 45 Ländern damit klarkommt.

Die rumänische Kombo Voltaj thematisierte das Leid der vielen Kinder, die im Ausland arbeitende Eltern zurückließen.

Startnummer 20: RUMÄNIEN. Die Rock-Routiniers Voltaj (Stromstärke) erzählen in ihrem Song «De la capat» vom Schicksal der Kinder, die in Rumänien zurückbleiben, während ihre Väter und Mütter in anderen Ländern arbeiten müssen. Solide Ballade mit viel Pathos, die sich wie ein Mix diverser ESC-Gewinner anhört. Viele politisch-emotionale Themen am heutigen Abend: Der Völkermord an den Armeniern vor hundert Jahren, Krieg und Versöhnung bei der Französin und jetzt die abwesenden rumänischen Väter. So schwer klang der Song auch irgendwie.

Startnummer 21: SPANIEN. Schicksalsschwere Stimme, schicksalsschweres Lied. Edurne García Almagro – Model, TV-Moderatorin und Sängerin – tritt mit «Amanecer» in ihrer Landessprache an. Das könnte ihr Sympathien einbringen. Die Spanierin gehörte zu den häufigst gesuchten Künstlerinnen bei den Google Trends und bei den Teilnehmern war sie die beliebteste Selfie-Partnerin. Wir lassen uns mal überraschen, ob das ein Zeichen war… Zuerst «Caperujita Roja» (Rotkäppchen), dann gewagtes Nude-Abendkleid mit Schlitz – ein Trickkleid macht es möglich. Aber der Song? So lala…

Startnummer 22: UNGARN. Auch mit Boggie wird es politisch. Die Ungarin, die ein wenig an die britische Herzogin Kate erinnert, wirbt mit ihrer zarten Ballade «Wars For Nothing» für den Weltfrieden. Eigentlich «Ein bisschen Frieden» in der Einschlaflied-Version, oder?

ca. 22.50 Uhr: Ein Blick in die sozialen Netzwerke: Die ESC-Siegerin aus dem Jahr 2010, Lena Meyer-Landrut, feiert sich auf Twitter selbst. Zu Recht. Sie hat heute Geburtstag! Von dieser Stelle: «Alles Gute!»

Startnummer 23: GEORGIEN. Nina Sublatti kommt mit viel Rauch, Lichtgewitter und sexy Lederoutfit zum ESC und empfiehlt sich mit ihrem Song «Warrior» als Mitglied der Addams Family.

Startnummer 24: ASERBAIDSCHAN. Zunächst zaghaft und dann mit voller Wucht wirft sich Elnur Hüseynov in die schöne Ballade «Hour Of The Wolf». Die vermutlich stärkste Stimme dieses ESC-Wettbewerbs. Sie «umfasst beachtliche fünfeinhalb Oktaven, wie die Stimme von Mariah Carey – und dabei sieht der 28-Jährige auch noch besser aus», lobt «Eurovision.de».

Startnummer 25: RUSSLAND. Mit ihren Songs landet Polina Gagarina regelmäßig in den russischen Charts weit oben. Die Castingshow-Gewinnerin hat die bombastische Hymne «A Million Voices» mitgebracht. «Wenn du unsere Stimmen rufen hörst, wirst du nicht mehr einsam sein.» Wenn so ein Satz 2015 aus Russland kommt, könnte sich so mancher Nachbar bedroht fühlen, frotzelten ESC-Experten jüngst. Polina Gagarina singt aber über Liebe und Harmonie. Mal schauen, ob Google recht behält. In den Suchtrends war Polina Gagarina an der Spitze. Großer Jubel in der Halle, Buhrufe für Russland sind nicht zu hören. Gut gemacht, ESC-Gemeinde! Dazu ein kraftvoller Auftriit mit toller Optik. Das könnte etwas werden für Polina Gagarina.

So gut wie durch. Startnummer 26: ALBANIEN. Italien steht auf jeden Fall auf Elhaida Dani, die dort die Musikshow «The Voice of Italy» gewonnen hat. Aber die Albanerin will mit ihrem Song «I‘m Alive» mehr. Das Glitzercape und eine starke Stimme könnten helfen – wenn sie die Töne trifft. Und genau das hat nicht so recht geklappt. Etliche Töne lagen hier nicht ganz richtig.

Startnummer 27: ITALIEN. Mit Il Volo geht der letzte ESC-Teilnehmer an den Start. Worüber singen die Italiener? «Grande Amore» natürlich. Hinter dem Trio, das anfangs «I tre tenorini» (deutsch: Die drei Tenörchen) hieß, steht der Produzent von Andrea Bocelli, was man stark heraushört. Noch nie hat beim ESC eine Klassiknummer triumphiert, erinnert ARD-Kommentator Peter Urban nochmal. Ob es diesmal klappt? Mit roter Streberbrille, Schmachtstimmen und großem Pathos scheint das gar nicht mal so abwegig.

22.12 Uhr: Alle Lieder sind durch. Conchita Wurst sagt: «They were amazing.»

22.15 Uhr: Schnelldurchlauf – die Viertelstunde der Abstimmung hat begonnen.

Deutsche Zuschauer können 01371 36 36 und die Startnummer wählen. Außer 17 natürlich.

SMS an 99599 mit dem Inhalt der Startnummer.

Um die Abstimmungsphase zu überbrücken folgt jetzt eine neunminütige Percussion-Einlage des Weltklasse-Musikers Martin Grubinger. Einer der beeindruckendsten Pausen-Acts seit Riverdance 1994 in Dublin. Eine wilde Reise durch die Geschichte der Musik, von Klassik über Volksmusik bis Hip-Hop. Insgesamt stehen 40 Musiker auf der Bühne und teils im Saal verteilt. 20 Blechbläser der Wiener und Berliner Philharmoniker und 20 Schlagzeuger.

23.40 Uhr: Die Abstimmungszeit beendet. «Stop Voting Now!»

Conchita singt zwei neue Songs.

Die spanische Sängerin Edurne warf ihr rotes Kleid ab – brachte aber auch nicht allzu viele Punkte.

23.53 Uhr: Endliche Die legendäre Punktervergabe vergibt.

Die ersten 12 Punkte (aus Montenegro) gehen an: Serbien.

Um Mitternacht: Zwischendurch wird dann doch mal gebuht: Als Weißrussland dem Nachbarn Russland zwölf Punkte gibt, buhen viele Fans in der Wiener Stadthalle.

ca. 00.10 Uhr: Es sieht nach einem Dreikampf aus: Russland, Schweden und Italien liegen vorn – nach zehn von 40 Wertungen.

Die Moderatorin Alice Tumler appelliert an die Fairness der Zuschauer: Alle Künstler verdienten Respekt. Es gehe schließlich um die Musik an diesem Abend, nicht um Politik. Damit will sie vermutlich vorsorgen, falls Russland gewinnen sollte.

ca. 00.20 Uhr: Der Zwischenstand nach 20 Wertungen von 40: Russland vor Schweden und Italien.

Barbara Schöneberger verkündet die deutsche Länderwertung (als 21. Land) von der Hamburger Reeperbahn: 12 Punkte gehen an Russland, 10 Zähler bekommt Schweden und 8 Punkte gehen an Belgien. Die weiteren Wertungen: Australien (7), Lettland (6), Israel (5), Norwegen (4), Italien (3), Estland (2) und Ungarn (1).

00.25 Uhr: Selbst von Mallorca, äh aus Spanien, gibt es keine Punkte für Deutschland. Nada.

00.35 Uhr: Schon 30 Wertungen und immer noch null Punkte für Ann Sophie. So wenige Zähler gab es für Deutschland nur zweimal in der ESC-Geschichte: 1964 landete Nora Nova mit null Punkten ganz hinten; 1965 war es Ulla Wiesner.

00.44 Uhr: Eilmeldung: Schweden hat den Eurovision Song Contest in Wien gewonnen. Kurz vor Ende der Punktevergabe lag Måns Zelmerlöw mit dem Popsong «Heroes» uneinholbar vorn. Deutschland landete mit der Sängerin Ann Sophie («Black Smoke») ganz hinten.

ca. 00.50 Uhr: Das Endergebnis:

1. Schweden – 365 Punkte 2. Russland – 303 Punkte 3. Italien – 292 Punkte

Deutschland liegt zusammen mit Österreich und null Punkten auf dem letzten Platz… Der Newcomer Australien kommt auf Anhieb auf Platz 5. Das war aber auch eine überzeugende Popnummer, die Guy Sebastian da abgeliefert hat mit «Tonight Again».

Der Sieger hat Tränen in den Augen.

«Wir sind alle Helden», sagt Måns Zelmerlöw nach dem ESC-Sieg mit seinem Song «Heroes».

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"