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Bundeswehr und Wehrmacht

Im Streit um das geschichtliche Erbe der Bundeswehr will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Namensgebung von Kasernen auf den Prüfstand stellen. Auslöser für die Debatte ist der Fall des rechtsextremen und terrorverdächtigen Soldaten Franco A..

Berlin (dpa) – In seiner Kaserne im französischen Illkirch waren Wehrmachtsdevotionalien gefunden worden. Kommunen, Vereine, Verbände und politische Entscheidungsträger vor Ort sollen bei der Umbenennung von Kasernen mitreden.

Ein Schild weist am 19.05.2017 in Dornstadt (Baden-Württemberg) auf die Rommel-Kaserne hin. Die Bundeswehrkaserne ist nach dem Generalfeldmarschall der Wehrmacht, Erwin Rommel, benannt. Im Streit um das geschichtliche Erbe der Bundeswehr will Verteidigungsministerin von der Leyen (CDU) die Namensgebung von Kasernen auf den Prüfstand stellen.

Seit dem Traditionserlass der Bundeswehr von 1982 erhielt rund ein Dutzend Kasernen neue Namen. Sie waren vorher nach Angehörigen der Wehrmacht benannt. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken von Anfang der Woche geht hervor, dass noch 26 Kasernen nach Männern benannt sind, die einst in der Wehrmacht gedient hatten. Knapp die Hälfte der Namenspaten rechnet die Regierung demnach zum militärischen Widerstand.

Baden-Württemberg:

– Rommel-Kaserne (Dornstadt), militärischer Widerstand

Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891-1944) war wegen seiner Kriegsführung in Afrika als «Wüstenfuchs» bekannt. Seine Rolle im militärischen Widerstand ist umstritten. Er sympathisierte mit der Bewegung, war aber nicht am Attentatsversuch auf Hitler beteiligt.

– General-Dr.-Speidel-Kaserne (Bruchsal)

General Hans Speidel (1897-1984) war im Zweiten Weltkrieg Stabschef der Heeresgruppe B (N-Frankreich) unter Rommel. Er kam 1944/45 als Angehöriger der militärischen Widerstandsbewegung in Haft.

Bayern:

– General-Fellgiebel-Kaserne (Poecking), militärischer Widerstand

Erich Fellgiebel (1886-1944) war als Chef des Heeresnachrichtenwesens an der «Operation Walküre» beteiligt. Er wurde anschließend zum Tode verurteilt und ermordet.

– Generaloberst-Beck-Kaserne (Sondthofen), militärischer Widerstand

Der ehemalige Generalstabschef des Heeres, Ludwig Beck (1880-1944), war im Mittelpunkt der militärisch-bürgerlichen Opposition. Beck war ebenfalls am Attentatsversuch beteiligt. Nach dem Scheitern des Anschlags wurde er erschossen.

– Franz-Josef-Strauß-Kaserne (Altenstadt)

Der ehemalige CSU-Verteidigungs- und Finanzminister Franz-Josef Strauß (1915-1988) war im Zweiten Weltkrieg Soldat. 1944 wurde er Oberleutnant. Er wurde später als politisch unbelastet eingestuft.

– General-Heusinger-Kaserne (Hammelburg)

General Adolf Heusinger (1897-1982) wusste vom Unternehmen Walküre, war aber nicht beteiligt. Nach dem misslungenen Attentat wurde er verhaftet, aber wieder entlassen.

Berlin:

– General-Steinhoff-Kaserne

Luftwaffengeneral Johannes Steinhoff (1913-1994) galt im Zweiten Weltkrieg als erfolgreicher Jagdflieger. Später wurde er Inspekteur der Luftwaffen und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.

Brandenburg:

– Henning-von-Tresckow-Kaserne (Schwielowsee), militärischer Widerstand

Henning von Tresckow (1901-1944) entwickelte mehrere Attentatspläne auf Hitler mit; darunter der Anschlagsversuch vom 20. Juli 1944. Er gilt als eine der Figuren im militärischen Widerstand gegen Hitler.

Soldaten des Wachbataillon der Bundeswehr halten am 16.05.2017 in Berlin Karabiner 98k, mit denen auch die Wehrmacht ausgerüstet war.

Hamburg:

– Generalleutnant-Graf-Baudissin-Kaserne

Wolf Graf Baudissin (1907-1993) diente im Zweiten Weltkrieg zuletzt im Stab von Rommel. Später machte er Karriere in der NATO und als Bundeswehr-Reformer: Sein Name ist mit dem Begriff «Staatsbürger in Uniform» verbunden.

Hessen:

– Major-Karl-Plagge-Kaserne (Pfungstadt), militärischer Widerstand

Wehrmachtsoffizier Karl Plagge (1897-1957) bewahrte im Zweiten Weltkriegs etwa 250 ihm zugewiesene jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in Vernichtungslagern.

Niedersachsen:

– Freiherr-von-Boeselager-Kaserne (Munster), militärischer Widerstand

Philipp Freiherr von Boeselager (1917-2008) und sein älterer Bruder Georg (1915-1944) werden dem militärischen Widerstand zugerechnet. Sie planten ein Pistolenattentat, Philipp beschaffte den Sprengstoff für das geplante Attentat am 20. Juli 1944.

– Henning-von-Tresckow-Kaserne (Oldenburg), militärischer Widerstand

Henning von Tresckow (1901-1944) entwickelte mehrere Attentatspläne auf Hitler mit; darunter der Anschlagsversuch vom 20. Juli 1944. Er gilt als eine der Figuren im militärischen Widerstand gegen Hitler.

– Feldwebel-Lilienthal-Kaserne (Delmenhorst)

Diedrich Lilienthal (1921-1944) gehörte zu einer Panzerjäger-Abteilung, mit der er mehrere russische Panzer zerstörte.

– Peter-Bamm-Kaserne (Münster)

Der Schriftsteller und Chirurg Peter Bamm (1897-1975) arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Stabsarzt im Felde.

– Schulz-Lutz-Kaserne (Münster)

Adelbert Schulz (1903-1944) war Hauptmann einer Panzer-Division.

– Lent-Kaserne (Rotenburg/Wümme)

Luftwaffenoffizier Helmut Lent (1918-1944) galt im Zweiten Weltkrieg als erfolgreicher Nachtjäger-Pilot.

– Admiral-Armin-Zimmermann-Kaserne (Wilhelmshaven)

Armin Zimmermann (1917-1976) machte im Zweiten Weltkrieg Karriere bei der Kriegsmarine, später wurde er Admiralstabsoffizier bei der NATO und Generalinspekteur der Bundeswehr.

Der Name der Lent Kaserne steht am 12.05.2017 auf einem weissen Sockel vor dem Haupttor des Kasernengeländes in Rotenburg/Wümme (Niedersachsen). Der seit 1964 bestehende Kasernenname bezieht sich auf Oberst Helmut Lent, einem Nachtjäger der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Seit mehr als 60 Jahren, seit Gründung der Bundeswehr, sind noch immer zahlreiche Kasernen nach militärischen Größen aus der Wehrmachtszeit benannt.

Nordrhein-Westfalen:

– GM-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne (Euskirchen), militärischer Widerstand

General Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff (1905-1980) gehörte zum Widerstandskreis von Stauffenberg. Ein Sprengstoffattentat auf Hitler, das Gersdorff 1943 durchführen sollte, scheiterte.

– Theodor-Blank-Kaserne (Rheine)

Der ehemalige CDU-Verteidigungs- und Arbeitsminister Theodor Blank (1905-1972) wurde 1939 zur Wehrmacht einberufen und kehrte 1945 als Oberleutnant aus der Gefangenschaft zurück.

– Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne (Augustdorf), militärischer Widerstand

Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891-1944) war wegen seiner Kriegsführung in Afrika als «Wüstenfuchs» bekannt. Seine Rolle im militärischen Widerstand ist umstritten. Er sympathisierte mit der Bewegung, war aber nicht am Attentatsversuch auf Hitler beteiligt.

Rheinland-Pfalz:

– Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne (Grafschaft-Gelsdorf), militärischer Widerstand

Philipp Freiherr von Boeselager (1917-2008) und sein älterer Bruder Georg (1915-1944) werden dem militärischen Widerstand zugerechnet. Philipp beschaffte den Sprengstoff für das geplante Attentat am 20. Juli 1944.

Sachsen-Anhalt:

– Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne (Blankenburg)

Anton Schmid (1900-1942) half als Feldwebel im besetzten Litauen Juden des Wilnaer Ghettos. Der Staat Israel hat ihm den Titel «Gerechter unter den Völkern» verliehen, weil er als Nichtjude während des Holocaust sein Leben zur Rettung von Juden riskierte.

Sachsen:

– Graf-Stauffenberg-Kaserne (Dresden), militärischer Widerstand

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) plante den Anschlagsversuch am 20. Juli 1944 mit und führte ihn aus. Er wurde in der Nacht danach mit seinen Mitverschwörern erschossen.

– General-Olbricht-Kaserne (Leipzig), militärischer Widerstand

Friedrich Olbricht (1888-1944) gehörte zu den Mitverschwörern um Stauffenberg und war direkt am Attentat auf Hitler beteiligt. Auch er wurde erschossen.

Schleswig-Holstein:

– Marseille-Kaserne (Appen)

Der Jagdflieger Hans-Joachim Marseille (1919-1942) wurde im Zweiten Weltkrieg seiner vielen Abschüsse wegen als «Stern von Afrika» glorifiziert.

– Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne (Kropp)

Der ehemalige CDU-Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (1913-1997) leistete als Leutnant der Reserve bis 1945 Kriegsdienst.

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