DeutschlandPolitik

Brünner reichen Deutschen Hand

Rund 300 Menschen haben in Tschechien Tod und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Beim «Todesmarsch von Brünn» kamen vor genau 70 Jahren Schätzungen zufolge 2000 bis 5200 deutschsprachige Bürger der Stadt ums Leben. In einem bewegenden Gedenkmarsch zogen am Samstag Tschechen und Deutsche gemeinsam vom Ort eines Massengrabes in der Stadt Poho?elice ins 30 Kilometer entfernte Brünn (Brno).

Der Brünner Todesmarsch war Teil der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung Mährens. Er begann am 31. Mai 1945, dem Fronleichnamstag, in Brünn/Brno und führte über die Gemeinde Pohrlitz/Poho?elice bis nach Wien.

Aus der Daily Mail:
“Kurz vor 9 Uhr abends marschierten sie durch die Straßen und riefen alle deutschen Bürger auf, um 9 Uhr vor ihren Häusern zu stehen, ein Gepäckstück in jeder Hand, bereit, die Stadt auf immer zu verlassen. Den Frauen blieben 10 Minuten, die Kinder zu wecken, sie anzuziehen, ein paar Habseligkeiten zusammenzupacken und sich auf die Straße zu stellen. Hier mussten sie allen Schmuck, Uhren, Pelze und Geld den Nationalgardisten ausliefern, bis auf den Ehering; dann wurden sie mit vorgehaltenen Gewehren in Marsch gesetzt, der österreichischen Grenze entgegen. Es war stockfinster, als sie die Grenze erreichten, die Kinder weinten, die Frauen stolperten vorwärts.

Die tschechischen Grenzwachen drängten sie über die Grenze den österreichischen Grenzwachen entgegen. Da kam es zu neuer Verwirrung. Die Österreicher weigerten sich, die Leute aufzunehmen, die Tschechen, sie wieder ins Land zu lassen. Sie wurden für die Nacht auf ein offenes Feld getrieben. Am nächsten Morgen erschienen ein paar Rumänen als Wache. Sie sind immer noch auf diesem Feld, das zum Konzentrationslager geworden ist. Sie haben nur zu essen, was ihnen die Wachen gelegentlich bringen. Rationen erhalten sie nicht, sie werden verhungern. Jetzt wütet eine Typhusepidemie unter ihnen und es heißt, dass täglich hundert sterben.

Fünfzigtausend Männer, Frauen und Kinder haben diesen Gewaltmarsch aus Brünn mitgemacht, darunter eine Engländerin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, eine Österreicherin von 70 Jahren, eine 86-jährige Italienerin. Überall im Lande werden jetzt Konzentrationslager für Deutsche eingerichtet. Man schickt die Leute unterschiedslos hinein, während sie auf ihr Visum für Deutschland warten. Sogar deutsche Juden und Nazigegner, die erst kürzlich aus den Konzentrationslagern der SS befreit wurden, sind nicht sicher vor den tschechischen Milizen und Nationalgardisten.”
Zitiert aus der Londoner Zeitung vom 31. Mai 1945

Brünn (dpa) – «Zu Beginn waren wir nur zu dritt», sagte Organisator Jaroslav Ostr

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"