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Braunbär in Oberbayern – Wachsamkeit, aber kein «Volksaufruhr»

Ein Braunbär streift durch das Grenzgebiet zwischen Oberbayern und Österreich. Auf einer Alm reißt er Schafe. Zum «Problembären» macht ihn das nicht. Im Ernstfall sind für die Behörden aber trotzdem «alle Maßnahmen» denkbar.

Im oberbayerischen Landkreis Rosenheim sind viele Menschen beunruhigt: Ein Braunbär ist in der Region unterwegs. Erst hat er im Schnee Tatzenabdrücke hinterlassen, dann auf einer Alm Schafe gerissen. Ein sogenannter Problembär ist er nach ersten Erkenntnissen der Behörden aber nicht. Die staatlichen Stellen sind dennoch wachsam: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) bezeichnet die Sicherheit der Menschen als absolut vorrangig. «Im Ernstfall kommen alle Maßnahmen in Betracht», sagt er am Donnerstag in München. «Bayern ist auf das Thema Bär vorbereitet.»

In Oberaudorf ist der Bär das große Gesprächsthema. Aber: Das Tier sei ja schon länger in der Region unterwegs, sagt Bürgermeister Matthias Bernhardt. Vielleicht sei es auch schon weitergezogen. Insofern seien die Bürger sicher besorgt, aber «es gibt keinen Volksaufruhr». Wichtig sei nun, vor allem mit den Almbauern zu sprechen und ihnen zu helfen. Denn einfache Weidezäune könnten einen Bären nicht abhalten.

Momentan könnten die Landwirte ihre Tiere nicht auf die Almen treiben. «Es entstehen viele Probleme, über die man viel früher schon hätte reden müssen», sagt Bernhardt. In der Region gebe es ein riesiges Almengebiet. Sollten sich Bären fest ansiedeln, sei es für Landwirte wohl nicht mehr attraktiv, die Almen zu bewirtschaften. Zudem sei der Landkreis ein beliebtes Touristenziel – Gemeinden stünden vor der Aufgabe, Touristen klar zu machen, dass hier unter Umständen ein Bär unterwegs sein könnte.

Grundsätzlich ist es nicht ungewöhnlich, dass im südlichen Bayern Bären umherstreifen. Meist sind das junge männliche Tiere, die nach einer Partnerin suchen. Zuletzt gab es den Behörden zufolge im Sommer 2022 Nachweise. Eine dauerhafte Ansiedlung von Bären im Freistaat erwarten Fachleute nicht.

Allerdings hinterlässt der tödliche Angriff einer Braunbärin auf einen Jogger im Trentino ein ungutes Gefühl. Das Tier mit der Kennung «JJ4» hatte Anfang April einen Mann attackiert. In der Nacht zum Dienstag war die Bärin – eine Schwester des 2006 in Bayern erschossenen Bären «Bruno» – eingefangen worden. Nach Angaben des bayrischen Landesamtes für Umwelt (LfU) befindet sich im Trentino von Bayern aus gesehen die nächste Bären-Population – etwa 120 Kilometer vom Freistaat entfernt. Dort leben demnach rund 100 Bären.

Uwe Friedel ist beim Bund Naturschutz (BN) in Bayern Experte für Wolf und Bär. Die Sorge der Menschen vor einer Begegnung mit einem Braunbären kann er nachvollziehen – letztlich sei die Zecke beim Wandern jedoch die viel größere Gefahr. Und Unfallgefahr im Straßenverkehr sei alltäglich. Aber Lkw oder Autos würden als notwendig erachtet, der Bär nicht.

Der Todesfall im Trentino sei der erste dort, so der BN-Fachmann. Aus Norwegen seien in den vergangenen 40 Jahren zwei Todesfälle bekannt. «Beide waren Jäger.» Um Vieh vor Bär und Wolf besser zu schützen, fordert der BN schon lange eine Ausweitung der Förderung von Herdenschutzmaßnahmen.

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