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Brandenburg sieht derzeit keine kritische Fisch-Situation an der Oder

Sonntagsöffnungen von Geschäften in Badeorten sind in Schleswig-Holstein großzügiger erlaubt als in Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer neuen Bäderregelung will das Wirtschaftsministerium in MV auf Forderungen der Händler reagieren.

Das Brandenburger Umweltministerium geht rund ein Jahr nach dem Fischsterben in der Oder derzeit nicht von einer kritischen Situation aus – sieht aber Probleme. «Wir haben im Moment keine Situation, die uns besorgniserregend erscheint», sagte der Referatsleiter für Oberflächenwasser im Ministerium, Jean Henker, am Donnerstag im Umweltausschuss des Landtags. «Beim Salz ist es allerdings nach wie vor so, dass wir eine sehr hohe Salzbelastung haben.» Der Gehalt müsse sinken. «Das Salz kommt zu 90 Prozent aus dem Oberlauf von Polen.» Das seien Einleitungen aus Kohlebergwerken.

Der Zustand auf Brandenburger Seite hat sich innerhalb weniger Wochen verbessert. «Wir haben in der letzten Woche die Warnstufe eins wieder aufheben können», sagte Henker. Zuvor sei ein deutlicher Abbau von Nitrat festgestellt worden, was auf eine Aktivität von Algen hindeute. Zudem seien die Werte von Chlorophyll gestiegen.

Der Referatsleiter verwies auf eine andere Lage in Polen: «Alles das, was im Moment stattfindet an besorgniserregenden Faktoren findet 300 bis 350 Kilometer weiter oberhalb der Grenze – also im polnischen Oberlauf – statt.» Er verwies auch auf grundsätzliche Kommunikationsschwierigkeiten mit Polen.

Eine größere Zahl toter Fische im Oberlauf der Oder an Polens Grenze zu Tschechien hatte in den vergangenen Tagen für Unruhe gesorgt. Auf Höhe des Ortes Chalupki wurden nach Angaben der polnischen Umweltbehörde vom Dienstag etwa 30 Kilogramm verendeter Fische geborgen. Die toten Fische würden seit mehreren Tagen im Wasser auftauchen, es sei wahrscheinlich, dass sie von dem auf tschechischer Seite verlaufenden Teil der Oder flussabwärts trieben.

Im August vergangenen Jahres war es in der Oder zu einem großen Fischsterben gekommen. Etwa 360 Tonnen Fische und Weichtiere verendeten. Fachleute gehen davon aus, dass hoher Salzgehalt, Niedrigwasser, hohe Temperaturen und das Gift einer Algenart wesentliche Ursachen für das Fischsterben waren. Ein Jahr nach der Umweltkatastrophe in der Oder fehlt in dem Fluss laut Analysen mehr als die Hälfte der Fische.

«Es gibt einen sehr guten Fischnachwuchs, einige Arten sind auch wieder eingewandert aus Nebengewässern», sagte der Referatsleiter. «Aber wir sind bei weitem noch nicht bei dem Zustand, den wir eigentlich uns erhoffen.» Er betonte: «Es wird noch einige Jahre dauern, bis sich der Fischbestand tatsächlich wieder erholt hat.»

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