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Bosnien nimmt torreich Abschied

Freundschaftlich nahm Sejad Salihovic nach dem Abpfiff seinen iranischen Gegenspieler Ashkan Dejagah in den Arm, auch Trainer Safet Susic wirkte nach dem historischen Erfolg von Bosnien-Herzegowina gelöst und locker.

Salvador (dpa) – Coach Carlos Queiroz zollte dem Gegner höchste Anerkennung. «Respekt für Argentinien, Respekt für Nigeria. Aber meiner Meinung nach hat sich Bosnien als beste Mannschaft der Gruppe nicht für das Achtelfinale qualifiziert. Sie haben heute verdient gewonnen. Wir waren heute am Limit, psychisch und physisch», konstatierte der in Mosambik geborene Trainer nach seinem letzten Spiel auf der Bank der Iraner.

Hier weint der Himmel: Bosnische Fans verfolgen das Spiel ihres Teams gegen Iran im regnerischen Sarajevo, 25. Juni 2014.

«Ich denke, wir wollten den Sieg heute mehr. Denn er war sehr wichtig für uns. Jetzt können wir erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Und es fühlt sich nicht mehr ganz so schlecht an», sagte der Coach des WM-Novizen in Salvador nach dem 3:1 (1:0) über den Iran, dem ersten Sieg bei einer Fußball-WM für das noch junge Land. Damit machten die Kicker vom Balkan zugleich Irans leise Achtelfinal-Hoffnungen zunichte.

Nach Gegentreffern des früheren Bundesliga-Torschützenkönigs Edin Dzeko (23. Minute), von Miralem Pjanic (59.) und Avdija Vrsajevic (83.) müssen die Asiaten auch bei ihrer vierten WM-Teilnahme bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Das erste WM-Tor in Brasilien durch Resa Ghoochannejhad (82.) war vor 48 011 Zuschauern nur ein schwacher Trost für die wieder früh gescheiterten Iraner.

Sein Gegenüber Susic ließ nach dem Spiel seine Zukunft offen. «Es war mein letztes WM-Spiel. Mehr kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich werde irgendwann traurig sein, wenn ich der Mannschaft auf Wiedersehen sagen muss. Aber der Tag ist jetzt noch nicht gekommen», stellte der 59-Jährige klar.

Im Hotel standen bereits die gepackten Koffer, doch beim letzten Auftritt auf der Weltbühne des Fußballs zeigte sich Bosnien noch einmal voll motiviert. Vor allem dank Dzeko demonstrierte das Team endlich auch im Abschluss bisher vermisste Qualitäten. In der 23. Minute fasste sich der frühere Wolfsburger ein Herz und überwand Irans Schlussmann Aliresa Haghighi mit einem Flachschuss aus 20 Metern.

Der Bosnier Sejad Salihovic hilft dem iranischen Kollegen Andranik Timotian auf die Beine.

Die Gelegenheit zum ersten iranischen Tor bei dieser WM-Endrunde verpasste direkt nach dem Anstoß Massud Schojaei (24.), dessen Schuss von der Unterkante der Latte ins Feld zurückprallte. Es blieb in der ersten Spielhälfte die einzige Torchance der Iraner, die sich erneut auf ihre stabile Defensive verließen und auf Konter lauerten, die meist vom früheren Wolfsburger Dejagah inszeniert wurden. Doch einmal mehr fehlte der Elf in der Offensive die Durchschlagskraft.

Susic hatte sein Team nach dem ernüchternden 0:1 gegen Nigeria auf fünf Positionen verändert. Zu den Neuen in der Mannschaft zählte auch sein Neffe Tino Sven. Drei Minuten vor der Pause verpasste der von Dzeko freigespielte Vrsajevic mit einem Schuss aus spitzem Winkel die mögliche Vorentscheidung.

Am Spielverlauf änderte sich im zweiten Durchgang wenig: Die Bosnier kontrollierten weiterhin das Geschehen, Iran kombinierte bisweilen gefällig im Mittelfeld, kam aber nicht zum Torabschluss. Für die Entscheidung sorgte nach knapp einer Stunde Pjanic, der den Ball in abseitsverdächtiger Position aufnahm und Haghighi zum zweiten Mal überlistete. Das erste iranische WM-Tor seit 2006 durch Ghoochannejhad beantwortete Vrsajevic postwendend mit dem dritten Treffer für Bosnien.

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