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Autorin aus Offenbach reist tausende Kilometer mit Rad und Kind

Nach Südspanien und Istanbul mit dem Fahrrad fahren, den kleinen Sohn im Gepäck - Jasmin Böhm kann davon gar nicht genug bekommen. Über ihre Erlebnisse hat sie ein Buch geschrieben. Sie will anderen Mut machen, sich Träume zu erfüllen.

Am Anfang stand eine Lebenskrise, dann begann das Abenteuer. Jasmin Böhm stieg aufs Fahrrad, im Anhänger ihr zweijähriger Sohn, und radelte los mit Ziel Marokko. Zuvor kündigte sie ihren sicheren Job als Lehrerin. Sie wollte frei sein und Zeit für ihr Kind haben, anstelle im Hamsterrad zu strampeln, erinnert sie sich. Inzwischen ist die 32-Jährige zurück und in ihrer Offenbacher Wohnung liegen Exemplare des Buchs, das sie über die Tiefen und Höhen der Reise verfasst hat.

Allein als Frau mit dem Fahrrad zu verreisen, allein mit Kind – Bedenken habe sie zahlreiche gehört, als sie den Plan schmiedete, erinnert sich Böhm. Und auch sie selbst habe zunächst Angst gehabt, zu kündigen. Doch die Sehnsucht, ihrem damaligen Leben mit 50-Stunden-Arbeitswoche – unter anderem schrieb sie auch an ihrer Doktorarbeit – und viel zu wenig Zeit für ihren Sohn Emil zu entfliehen, war viel größer. «Es war das Leben, das ich nie haben wollte», sagt Böhm über die Zeit. Sie sei an einem Tiefpunkt angelangt gewesen.

2021 brachen Mutter und Sohn auf, im Gepäck ein Zelt, um mit minimalem Budget den afrikanischen Kontinent zu erreichen. Drei Monate und unter anderem einen Bänderriss später kamen sie in Südspanien an – und beendeten dort nach rund 2800 Kilometern ihre Reise. Entschleunigt und glücklich angesichts vieler wundervoller gemeinsamer Momente, wie Böhm sich erinnert.

Die Erlebnisse veränderten ihr Leben nachhaltig, sagt die 32-Jährige. Heute arbeitet sie selbstständig. Dadurch könne sie ihre Zeit besser einteilen. Mit ihrem Sohn sei sie jeden Tag draußen, er fährt inzwischen auch große Strecken selbst mit seinem Fahrrad.

Das Reisen haben die beiden beibehalten, vergangenes Jahr radelten sie drei Monate lang nach Istanbul, immer der Donau entlang. Emil sei dabei bis zu 40 Kilometer pro Tag selbst gefahren. Wenn er nicht mehr wollte, nahm er im Anhänger Platz, an dem sich sein kleines Fahrrad befestigen lässt. Besonders habe sie die Freundlichkeit der Menschen unterwegs beeindruckt, sagt die 32-Jährige: «Wir sind die ganze Zeit eingeladen worden, ganze Essenstüten haben wir geschenkt bekommen.»

Ihr Buch trägt den Titel «Hallo Glück, Dich gibt‘s ja doch!». Darin und auf Instagram macht Böhm anderen Menschen Mut – und bekommt dankbares Feedback von vielen Followern. Einen einfühlsamen Beitrag widmete sie dem Thema Einsamkeit an Weihnachten. Und sie rief dort zuletzt andere Allerziehende auf, sich zu vernetzen, um gemeinsam zu feiern oder zu reisen.

Für das neue Jahr hat Böhm längst Pläne geschmiedet. Diesmal soll es mit Emil und den Fahrrädern zum Nordkap gehen. Dann wieder getreu ihrem auch in einem Instagram-Beitrag formulierten Motto: «Wenn du dran bleibst und beständig weiter deinen Weg gehst, wirst du ankommen.»

Mehr als 2,5 Millionen Alleinerziehende leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland. Reisen allein mit Kind – dazu gibt es auch zahlreiche weitere Reiseberichte und Ratgeber unter anderem zu den Themen Finanzierung und Organisation. «Alleinerziehendreisen» und «UnterwegsmitKind» heißen etwa Informationsangebote von Bloggerinnen im Internet.

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