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Deutschland
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Vom Krieg verwüstet, zerrissen und fast vergessen
Bosnien und Herzegowina (in den Landessprachen Bosna i Hercegovina, kurz BiH", deutsch auch Bosnien-Herzegowina) ist ein Staat in Südosteuropa. Er grenzt im Osten an Serbien, im Südosten an Montenegro, im Norden, Westen und Südwesten an Kroatien sowie auf wenigen Kilometern bei Neum an das Mittelmeer. Die unabhängige Republik ging 1992 aus der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina hervor und hat wie diese fast dieselben Grenzen, die das österreichisch-ungarische Okkupationsgebiet Bosnien und Herzegowina 1878 auf dem Berliner Kongress erhielt Bosnien und Herzegowina besteht seit dem Dayton-Vertrag aus zwei weitgehend autonomen Gliedstaaten (Entitäten), der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska, sowie dem Sonderverwaltungsgebiet Brcko-Distrikt.
Galerie

Geomorphologie

Die höchstgelegenen Gebiete des Landes befinden sich im Südosten, an der historischen Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina. Der Gipfel des südlich von Foca an der montenegrinischen Grenze gelegenen Maglic-Massivs ist mit 2386 m der höchste Punkt Der Rest des Landes ist vorwiegend von Mittelgebirgslandschaft geprägt

An seiner Nordgrenze hat Bosnien und Herzegowina Anteil an der Pannonischen Tiefebene, die sich hier im Bereich der Save- Niederung erstreckt

Klima

Bosnien und Herzegowina liegt im Übergangsgebiet zwischen mediterranem und kontinentalem Klima. Im Winter ist es sehr kalt und ein kalter Fallwind vom Landesinneren fuhrt zu starken Böen und Stürmen, hu Süden des Landes sind die Sommer heiß.

Gewässer

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind Save und Drina, die Bosnien und Herzegowina im Norden und Osten begrenzen, sowie die Bosna, welche im Landesinneren entspringt und in die Save mündet Fast das gesamte Gebiet Bosniens gehört zum Einzugsgebiet der Save bzw. des Schwarzen Meeres, während die Flüsse der Herzegowina—zum Teil unterirdisch - in die Adria entwässern.

Die Täler der größeren Flüsse Bosniens erstrecken sich fast ausschließlich in Nord-Süd-Richtung, was für die Siedlungs- und Verkehrsgeschichte des Landes von Bedeutung ist Zu den größeren Flüssen zählen die Una und Sana, der Vrbas und die Neretva. Alle Flüsse in Bosnien und Herzegowina sind nicht schiffbar.

Bosnien hat wenige bedeutende Seen. Die meisten großen Stillgewässer wurden künstlich angestaut Große Stauseen gibt es an Drina, Neretva, Vrbas und Trebisnjica.

Landnutzung

Nur ein knappes Fünftel der Landesfläche ist für den Ackerbau geeignet; diese Flächen befinden sich vor allem entlang der Save, am Unterlauf der Neretva und in den Poljen der Herzegowina.

Natur
Bosnien und Herzegowinas Tier- und Pflanzenwelt ist ungewöhnlich artenreich und vielfältig. Die Flora und Fauna, Bosnien und Herzegowinas profitiert von der geringen Bevölkerungsdichte und den unbewohnten Landstrichen. Um die 60 Prozent der Fläche Bosnien und Herzegowinas ist bewaldet, besonders das Gebirge ist sehr waldreich. Durch die schwere Zugänglichkeit ist die Natur wenig bedroht So konnte der Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen erhalten werden. Viele Tiere die in Bosnien und Herzegowina leben, sind in anderen Teilen Europas ausgestorben.

Flora

In Bosnien und Herzegowina finden viele bedrohte Pflanzenarten in den Hochgebirgen einen Lebensraum. Im Nationalpark Surjeska befindet sich der Perucica-Urwald - einer der größten, die noch in Europa erhalten sind. Im Bereich des Dinarischen Gebirges gilt eine Höhe von 500 bis 1000 Metern als Niedrigzone. In diesem Bereich sind Eichen- und Buchenbewaldung typisch. In der Höhe von 1500 Metern kommt eine Buchen-, Fichten-, Tannen- und Kieferbewaldung vor. Ein Baum, der in fast allen Gebirgen des Landes vorkommt, ist die gewöhnliche Kiefer. Eine Mischung aller dieser Baumarten rindet man vor, wenn bewaldete Bereiche schon in niedriger Höhe beginnen und sich nach oben fortsetzen. In diesem Falle spricht man von einem illyrischen Floragebiet.

Man kann in allen Bereichen der Hochzone Gebirgsgewächse wie beispielsweise Windröschen, Thymian und Katzenkraut antreffen. Sie sind auf allen Bergen des Landes zu finden, sowie die klassische Alpenflora. Eine Besonderheit sind die durch Höhleneinbrüche entstandenen Dolmen. Auf den großen Flachen der Dolmen findet man typische Pflanzen einer kälteren Gebirgslandschaft, während auf den Rändern mittelmeertypische Pflanzen wachsen. Ein gutes Beispiel für die Flora des Landes ist das Gebirge Bjelasnica. Man trifft am Fuße des Berges verschiedene Laubbaumarten wie Eichen, Trauben- bzw. Wintereichen, Weißdom und Schwarzbuchen an. In den höheren Regionen herrscht ein Mischwald mit Buchen und Tannen.

Der Walnussbanm ist in Südosteuropa heimisch und in der Niedrigzone weit verbreitet Die Hochgebirge weisen überwiegend Wacholder auf, welcher außerordentlich widerstandsfähig gegen Kälte ist Im Frühling kann man eine große Zahl an Blumen finden. Typische Vertreter sind Veilchen, Enziane, Narzissen, Kamille, Bärlauch, duftende Schlüsselblumen, Natternköpfe und Stiefmütterchen. Viele bereits weiträumig ausgestorbene Blumen haben sich in Bosnien und Herzegowina eingebürgert, wie beispielsweise die Orchideengewächse am Prokoskosee. Manche kalkhaltige Böden bieten ideale Bedingungen für Orchideengewächse wie z. B. für das rote Waldvöglein oder die Berghyazinthe. Wegen des warmen Klimas wachsen auch Liliengewächse in dieser Region. Zum Beispiel wachsen in Bosnien und Herzegowina einige seltene Vertrete" der Gattung Tulipa, wie z. B. die Tulipa biflora, die von Kroatien bis Albanien verbreitet ist oder die Tulipa orphanidea, welche eine Seltenheit ist und von der unberührten Natur profitiert.

Zudem weist das Land eine beachtliche Anzahl an Endemiten auf Das lilium carniolicum var. hosniacum ist im zentralen Bosnien auf kalkhaltigen Böden endemisch. Lange war ihre Position unklar, was dazu führte, das sie man sie als Unterart bzw. Varietät zu den Pyrenäen-Lilien oder als Synonym zu den Lilium chalcedonicwn zählte. Erst nach molekulargenetischen Untersuchungen wurden sie schließlich der Krainer Lilie zugeordnet Eine Pflanze die auch lange ohne eindeutige Zuordnung war und in Bosnien gedeiht, ist das lilium jamkae und weist Vorkommen bis hin zu den Rhodopen auf.

Fauna

Viele Tiere, die in anderen Teilen Europas ausgestorben sind, können sich ohne menschliche Eingriffe in Bosnien und Herzegowina entwickeln. Jede Menge Tiere haben sich unabhängig von den benachbarten Gebieten entwickelt.

Am kurzen Küstenstreifen finden sich die üblichen Fischarten der Adria. Die Fischfauna in den zahlreichen Gebirgsbächen und Flüssen ist sehr interessant; in den klaren Gebirgsseen konnte so manche Art vor dem Aussterben gerettet werden. Aale kann man z. B. in Hutovo Blato antreffen. Hutovo Blato ist ein Naturpark, zu dem viele kleine Seen und Sümpfe gehören. Auch kann man zahlreiches anderes Wassergetier außer Fischen beobachten, besonders die zahlreichen Krebsarten.
Die vielen verschiedenen Schlangenarten, die man in Bosnien und Herzegowina antreffen kann, sind öfters giftig. Eine Untergattung der Kreuzotter sowie die Kreuzotter selbst sind giftig. Vierstreifennattem (Elaphe quatuorlineata), die nicht giftig sind, sowie die giftigen Europäische Hörn- oder Sandottern sind in ganz Südosteuropa verbreitet. Neben Schlangen leben auch eine große Anzahl anderer Reptilien wie z. B. Echsen in Bosnien und Herzegowina.

Die faszinierende Vogelwelt hat sich in den bosnischen Gebirgen gut erhalten. Der Grünspecht ist in den Laubwäldern und der Schwarzspecht in den Nadelwäldern des Landes heimisch. Aasgeier sind auf vielen Bergen wie z. B. der Bjelasnica beheimatet Zu den wichtigsten Raubvögeln des Landes gehören die Steinadler sowie die Falkenarten. Der Steinadler ist in Küstennahe und in den vielen vorkommenden Gebirgen beheimatet. Der Tunnfalke ist in ganz Bosnien und Herzegowina beheimatet. Der Lannerfalke hat in der Herzegowina seine Heimat gefunden. Auch sind unzählige Insekten- und Käfergattungen im Land vertreten.

Das größte Tier des Landes ist der vom Aussterben bedrohte Braunbär, von dem rund 2800 Exemplare in Bosnien und Herzegowina leben.

Bevölkerung

Von den etwa 4,55 Mio. Einwohnern des Landes sind etwa 48 % Bosniaken, 37,1 % Serben und 143 % Kroaten. Minderheiten wie Roma und Juden stellen 0,6 %.

Die drei offiziellen Staatsvölker sprechen die eng miteinander verwandten Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch. Je nach Sichtweise werden diese Sprachen auch zusammenfassend als Serbokroatisch bezeichnet.

Die Staatsbürger der Republik Bosnien und Herzegowina werden oft als Bosnier bezeichnet Damit sind Serben und Kroaten wie auch Bosniaken gemeint, die in Bosnien und Herzegowina beheimatet sind. Dagegen steht der Begriff Bosniaken ausschließlich für die Muslime.

Religion
In Bosnien und Herzegowina gibt es seit Jahrhunderten ein Nebeneinander verschiedener
Religionen und Glaubensrichtungen. Die meisten Einwohner werden formell einer der zwei großen monotheistischen Religionsgemeinschaften (Christentum und Islam) zugerechnet: bosniakische Muslime (ca. 43,7 %), serbisch-orthodoxe Christen (ca. 31,4 %) sowie mehrheitlich kroatische römisch-katholische Christen (ca. 17,3 %). In Mostar hat sich während des Krieges eine kleine evangelische Gemeinde aus Serben, Kroaten und Bosniaken gebildet Sie ist spirituell-charismatisch geprägt; die Gemeindearbeit ist ökumenisch ausgerichtet. Die Gläubigen sonstiger Religionen stellen ca. 7,6 % der Gesamtbevölkerung des Landes. Im Jahr 2008 leben rund 1000 Juden in Bosnien und Herzegowina, etwa 900 Sephardim und 100 Aschkenasim. Die größte Gemeinde ist die von Sarajevo mit zirka 700 Mitgliedern.

Die genannten Zahlen geben keine Auskunft über den Anteil der Einwohner, die sich als nichtreligiös oder atheistisch bezeichnen würden.

Schulwesen und Bildung
Es besteht Schulpflicht bis zur neunten Schulklasse. Die Absolventen können sich im Anschluss daran für eine dreijährige Berufsausbildung oder für eine drei- bis vierjährige Sekundarschul-Ausbildung an Gymnasien, kirchlichen Schulen, Kunstschulen, technischen Schulen oder Lehrerbildungsinstituten entscheiden. Der Zugang zu den Universitäten steht nach Bestehen einer Aufnahmeprüfung den Absolventen einer Sekundärschule sowie — eingeschränkt—Absolventen von Berufsschulen offen.
Die Zuständigkeit der Kantone (innerhalb der Föderation) und der Republika Srpska für die Kultur- und Bildungspolitik führt zu einem zersplitterten Bildungssystem mit teilweise ethnozentrisch bestimmten Lehrplänen. In Gebieten mit ethnisch gemischter Bevölkerungsstruktur werden Schüler häufig nach Volksgruppen getrennt unterrichtet. Studienabschlüsse von Universitäten werden selbst innerhalb des Landes häufig nicht wechselseitig anerkannt. Universitäten gibt es in Sarajevo, Ost-Sarajevo, Banja Luka, Mostar (die kroatisch dominierte Sveuciliste Mostar und die bosniakisch dominierte Universität „Dzemal Bijedic"), Tuzla, Zenica und Bihac.

Geschichte

Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei historischen Regionen, die aber keine Beziehung zu der heutigen Einteilung in Entitäten haben: Bosnien und die Herzegowina. Der Landesname Bosnien leitet sich vom Fluss Bosna ab, der nahe der Hauptstadt Sarajevo entspringt. Der Name Herzegowina geht auf den Herrschertitel Herceg = Herzog (Hercegovina=Herzogsland) zurück. Der Berliner Kongress stellte 1878 die osmanischen Provinzen Bosnien, Herzegowina sowie den Sandschak von Novi Pazar unter österreichisch-ungarische Verwaltung. Die formale Annexion durch die Doppelmonarchie im Jahre 1908 löste die Bosnische Annexionskrise aus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land Bestandteil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo wird als ein wesentlicher Auslöser des Ersten Weltkrieges angesehen.

Bosnien und Herzegowina erklärte am 2. März 1992 nach einem am 29. Februar1992 und 1. März 1992 abgehaltenem Referendum seinen Austritt aus dem Staatsverband Jugoslawiens und ist seither eine unabhängige Republik. Die internationale Anerkennung erfolgte am 17. April 1992. Es folgten drei Jahre Krieg zwischen serbischen, kroatischen und bosnisch-muslimischen Einheiten. Am Ende
des Bosnienkrieges stand der 1995 in Dayton (USA) paraphierte und in Paris am 14. Dezember unterzeichnete Dayton-Vertrag, der die föderale Republik Bosnien und Herzegowina schuf, die allerdings noch unter den Folgen des Krieges und den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Volks- und Religionsgruppen leidet.

Politik

Die Wahlen am 1. Oktober 2006 galten als zukunftsweisend, weil die internationale Gemeinschaft 2007 den Hohen Repräsentanten abziehen und Bosnien und Herzegowina in die volle Souveränität überfuhren wollte. Im Nachhinein wurde dieses Vorhaben um ein weiteres Jahr verschoben. In das Staatspräsidium wurden der Bosniake Haris Silajdzic von der Partei für Bosnien und Herzegowina (SBiH), der Serbe Nebojsa Radmanovic vom Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) und der Kroate Zeljko Komsic von den multi-ethnischen Sozialdemokraten gewählt Komsic schlug in einem Kopf-an-Kopf-Rennen seinen Kontrahenten von der nationalistischen Kroatischen Demokratischen Union in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH). Nationalistische kroatische Gruppen hatten daraufhin protestiert, Komsic könne nicht kroatische Interessen vertreten, da auch Mitglieder anderer Volksgruppen für ihn gestimmt hätten. Die bosnisch-serbische Partei Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten hatte vor den Wahlen erneut ein Referendum für die Unabhängigkeit der Teilrepublik Srpska gefordert, falls die Forderungen nach einer stärkeren Zentralisierung nicht aufhörten.. Silajdzic setzte sich für eine Verfassungsänderung ein, die ein Zusammenwachsen Bosniens in einen „funktionsfähigen" Staat ermöglichen solle. Dies wird teilweise so interpretiert, dass er die Existenz der Entitäten infrage stellte. Im Januar 2008 bekräftigte der Vorsitzende des SNSD, Milorad Dodik, die Zugehörigkeit der Republika Srpska zum Gesamtstaat und seinen Willen, diesen aufrecht zu erhalten.

Ende Februar 2008 beschlossen EU-Vertreter gemeinsam mit Gesandten der USA und Russlands, den Hohen Repräsentanten auf unbestimmte Zeit im Land zu lassen. Am 16. Juni 2008 wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union abgeschlossen, das als wichtige Vorstufe für den angestrebten Beitritt zur EU gilt. Die Unterzeichnung wurde von einer Polizeireform abhängig gemacht. Die Polizei beider Landesteile wurde aufgerufen intensiver miteinander zu kooperieren, insbesondere um weitere Kriegsverbrecher zu überfuhren, seit 2003 agiert die EUPM in Bosnien und Herzegowina. Primär ist sie für die Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und für die Beratung hinsichtlich der Polizeireform zuständig. Eine EU-Vollmitgliedschaft wäre noch vor 2020 möglich, sofern Bosnien-Herzegowina kontinuierlich die wirtschaftliche Situation verbessert, demokratische Strukturen stärkt und ethnische Spannungen abbaut.

Vorsitzender des Ministerrats und damit Regierungschef ist seit Januar 2007 Nikola Spiric (SNSD).

Militär

Bis Ende 2005 lag die Verteidigungspolitik bei den beiden Entitäten. Seit 2006 unterstehen die Streitkräfte der Staatspräsidentschaft und dem 2004 geschaffenen Verteidigungsministerium der Staatsebene. Die Truppen bestehen aus einer bosniakischen, einer serbischen und einer kroatischen Komponente. Die künftige gemeinsame Armee soll aus bis zu 10.000 aktiven Berufssoldaten und einer etwa halb so starken „aktiven Reserve" bestehen. Die allgemeine Wehrpflicht wurde am 1. Januar 2006 aufgehoben. Angestrebt wird die Integration der Streitkräfte in europäische und euroatlantische Strukturen und die Beteiligung an UN-Einsätzen. 2006 trat Bosnien und Herzegowina der NATO-„Partnerschaft für den Frieden" bei.

Verwaltung
Die politische Gliederung des Staates ist komplex. Seit dem Dayton-Vertrag (auch bekannt als Dqyton-Friedensabkommen) besteht Bosnien und Herzegowina aus zwei Entitäten: der Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine, auch bekannt als Bosniakisch-Kroatische Föderation) und der Republika Srpska (Serbische Republik). Beide Entitäten verfügen jeweils über eine eigene Exekutive und Legislative. Der Distrikt um die nordbosnische Stadt Brcko untersteht als Kondominium beider Entitäten direkt dem Gesamtstaat Die Föderation Bosnien und Herzegowina setzt sich aus zehn Kantonen zusammen, die über weitere eigene Zuständigkeiten verfugen.

Der gesamtstaatlichen Ebene waren zunächst nur die Außenpolitik, die Geldpolitik sowie die Außenwirtschaftsbeziehungen zugeordnet In den vergangenen Jahren wurden die Kompetenzen des Zentralstaats um weitere Aufgaben ergänzt (Verteidigung, Zoll und indirekte Besteuerung, Verfolgung und Aburteilung von Kriegsverbrechern und Bekämpfung der Schwerkriminalität).

Neben den Regierungen und Parlamenten der beiden Entitäten gibt es eine gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Parlament (Abgeordnetenhaus mit 42 Sitzen und Kammer der Völker mit 15 Sitzen) für den Gesamtstaat. Die drei Volksgruppen haben je einen Vertreter in einem dreiköpfigen Staatspräsidium. Die Bosniaken und Kroaten wählen ihre beiden Vertreter in der Föderation, die
bosnischen Serben ihren in der Republika Srpska. Der Vorsitz des Staatspräsidiums wechselt alle acht Monate. Faktisch übt einen Teil der Staatsgewalt jedoch der Hohe Repräsentant als Vertreter der internationalen Gemeinschaft aus, was damit begründet wird, dass infolge des im Krieg entstandenen gegenseitigen Misstrauens unter den Verantwortlichen der Volksgruppen nach wie vor eine Blockadehaltung vorherrsche. Außerdem sind nach wie vor rund 2500 ausländische Soldaten im Rahmen der Operation EUFOR/Althea in Bosnien und Herzegowina stationiert

Städte

Große Landesteile sind nur dünn besiedelt Vereinficht dargestellt konzentriert sich der Großteil der Bevölkerung im Raum Sarajevo sowie in den Tälern der größeren Flüsse, v. a. der Bosna.
Die größten Städte in Bosnien und Herzegowina sind:

Sarajevo: 297.523 Einwohner (1991: 416.497)
Banja Luka: 224.647 Einwohner (1991: 143.079)
Tuzla: 88.521 Einwohner (1991: 83.770)
Zenica: 85.649 Einwohner (1991: 96.027)
Mostar: 64.301 Einwohner (1991: 73.865)
Prijedor: 57.166 Einwohner
Bihac: 39. 195 Einwohner (1991: 45.995)
Brcko: 38.479 Einwohner (41.405)
Bijejina: 37.692 Einwohner (1991: 37.216)


Wirtschaft

Im früheren Jugoslawien gehörte Bosnien und Herzegowina zu den wirtschaftlich schwächeren Regionen. Nach dem Ende des Bosnienkriegs kam es zunächst zu einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum. Die strikte Geldpolitik, die einen festen Wechselkurs der Konvertiblen Mark zum Euro beinhaltet, trug zur Stabilität der Währung bei. Das Bankwesen wurde reformiert, wobei ausländische Banken 85% der Banken kontrollieren. Die offiziell angegebene Arbeitslosenrate liegt bei 40 Prozent, wobei diese Rate durch einen großen grauen Wirtschaftssektor reduziert wird. Die Einführung einer Mehrwertsteuer im Jahr 2006 hat die Staatseinnahmen erhöht.

Die Exporte sind noch wenig diversifiziert; Mineralien und Holz machen 50% aller Exporte aus. Das hohe Leistungsbilanzdefizit konnte bisher durch Transferleistungen von Bosniern, die im Ausland leben, ausgeglichen werden. Haupthandelspartner von Bosnien und Herzegowina ist die Europäische Union mit einem Anteil von etwa 50%. Österreich ist wertmäßig der größte ausländische Investor vor Slowenien. Als problematisch für die wirtschaftliche Entwicklung werden der große und ineffiziente öffentliche Sektor, bürokratische Hindernisse für Unternehmer und der fragmentierte Arbeitsmarkt, der die ethnische Teilung des Landes widerspiegelt, angesehen.

Auf dem Korruptionsindex 2007 von Transparency International lag Bosnien und Herzegowina auf Platz 84, gemeinsam mit Mazedonien und Montenegro.

Die globale Finanzkrise wirkt sich in einer starken Rezession aus. Sie betraf zunächst den Rückgang bei den Exporten und nachfolgend einen drastischen Einbruch auch bei der Inlandsnachfrage. Einige große Industriebetriebe mussten ihre Produktion vorläufig einstellen. Im ersten Quartal 2009 wurden aus der Föderation Rückgänge der Industrieproduktion um 10 Prozent gemeldet; während in der Republika Srpska noch ein Anstieg um 13 Prozent registriert wurde (begünstigt hauptsächlich durch die Inbetriebnahme eines großen Erdöl verarbeitenden Betriebes). Viele bedeutende industrielle Bereiche in beiden Entitäten berichteten über Rückgänge in der Größenordnung von 20 Prozent.

Währung

Die Konvertible Mark (Abkürzung KM, im internationalen Zahlungsverkehr Abkürzung BAM (nach ISO 4217) ist seit 22. Juni 1998 in ganz Bosnien und Herzegowina gültiges Zahlungsmittel. Die KM steht im festen Verhältnis l ,95583:1 zum Euro, an den sie gebunden ist und entspricht somit dem Wert der früheren D-Mark.

Häufig wird aber auch der Euro landesweit akzeptiert, in den kroatischen Kantonen auch die kroatische Kuna und in der Republika Srpska der serbische Dinar.
Tourismus, Sehenswürdigkeiten
Der Tourismus konnte sich auch kriegsbedingt nur langsam entwickeln, seit einigen Jahren kommen immer mehr Touristen nach Bosnien und Herzegowina- insbesondere nach Mostar und Sarajevo. Wichtige Ziele sind z. B. die Alte Brücke von Mostar, prächtige historische Kirchengebäude und Moscheen, die Wintersportgebiete rund um Sarajevo (Jahorina, Bjelasnica) und die Raftingangebote auf den Flüssen Neretva, Una und Drina. In Sarajevo verweisen die Fußabdrücke von Gavrilo Princip, Titos Statue und die Ruinen des letzten Krieges auf die Geschichte des Landes. In der Nähe von Mostar befindet sich die Pilgerstätte Medugorje.

Beim Verlassen befestigter Wege ist die Gefahr von Landminen zu bedenken; im Jahr 2004 wurden 16 Menschen bei Minenunfällen getötet.

Infrastruktur und Verkehr
Zurzeit ist mit der A1 von der Adria bis nach Budapest die erste Autobahn des Landes im Bau. Diese soll von Ploce in Kroatien über Mostar, Sarajevo, Zenica und Doboj in die ungarische Hauptstadt führen und einen Teil des europäischen Verkehrskorridors 5C bilden. Insgesamt wird diese Autobahn auf ca. 360 km durch Bosnien und Herzegowina führen und soll bis zum Jahr 2012 fertig sein. Des Weiteren wird zur Zeit auch eine Autobahn von Banja Luka über Gradiska nach Kroatien gebaut.

Eisenbahn

Die bosnisch-herzegowinische Bahn wurde durch den Krieg stark beeinträchtigt; seit einigen Jahren gibt es wieder eine Bahnverbindung von Zagreb nach Sarajevo. Es gibt zwei Bahngesellschaften: einerseits die Bahngesellschaft der Föderation Bosnien und Herzegowina (Zeljeznice Federacje Bosne i Hercegovine) und andererseits die der Republika Srpska (Zeljeznice Republik Srpske). Es gibt grundsätzlich drei Bahnstrecken: „Unska", die im Unatal verlaufende Strecke zwischen Sisak und Split sowie deren Adriahafen, über Bosanski Nov i, Bihac und Knin. Die zweite Strecke verbindet den Hafen in Ploce mit den Eisenbahnen in Ostkroatien, zwischen Slavonski Brod und Vinkovci, über Mostar, Sarajevo und Doboj verlaufend. Die dritte Strecke verbindet die vorhergehenden zwei mit Anfang in Bosanski Novi, Ober Banja Luka und Doboj, mit einem Ausläufer, der Ober Tuzla bis nach Brcko und Zvornik reicht, wo die Strecken an das Netz der kroatischen bzw. serbischen Bahnen anknüpfen. Daneben gibt es eine Reihe von Werks- und Minenbahnen, die zum Teil noch mit Dampfbetrieben werden.

Alle der noch von der k.u.k.-Monarchie errichteten Schmalspurstrecken („Bosnische Schmalspur") wurden schon um 1970 aufgelassen und größtenteils abgebaut Ausnahme ist die Werksbahn der Kohlenmine Banovici - hier standen 2006 noch Dampflokomotiven im gelegentlichen Einsatz.
Im Jahr 2005 wurde ein Erneuerungsprogramm beschlossen. Unter anderem sollen spanische Taigo-Schnell Züge sowie eine größere Anzahl von Güterwaggons beschafft werden.

Luftfahrt

Zurzeit gib es vier internationale Flughäfen, und zwar in Sarajevo, Mostar, Banja Luka und Tuzla. Das im Juni 2006 mit der Europäischen Union abgeschlossene Luftverkehrsabkommen soll zu mehr Wettbewerb fuhren und die derzeit noch sehr hohen Flugpreise senken.

Kultur

Musik

Ein typisch bosnischer Musikstil ist die Sevdalinka — bosnische Volksmusik, deren Charakter stark von osmanischen Einflüssen geprägt wurde. Die Volksmusik enthält darüber hinaus Merkmale der Musik der Sinti und Roma und anderer Volksgruppen. Bekannte Musiker aus Bosnien-Herzegowina sind neben Goran Bregovil und seiner ehemaligen Band Bijelo dugme, die Sänger Zdravko Colic und Dino Merlin sowie der Rapper Edo Maajka. Die Rock/Pop-Gruppen Zabranjeno Pusenje, Plavi orkestar, Indexi und Crvenajabuka gehörten neben Bijelo dugme zu den bekanntesten und beliebtesten Jugoslawiens. Das musikalische Zentrum dieser modernen bosnischen Musik ist Sarajevo.

Film

In jüngster Vergangenheit haben bosnisch-herzegowische Filme einige Preise bekommen. Darunter waren Nictja Zemlja (deutsch: Niemandsland, englisch : No Man "s Land) aus dem Jahr 2001, der einen Golden Globe Award und einen Oscar erhielt, sowie der Film Grbavica, der auf der Berlinale 2006 einen Goldenen Bären bekam. Des Weiteren erntete der Film Welcome to Sarajevo mit Woody Harrelson großes Kritikerlob. Der Film befasst sich mit der Belagerung Sarajevos Anfang der 1990er Jahre. Der Regisseur Emir Kusturica (Schwarze Katze, weißer Kater, Das Leben ist ein Wunder) stammt aus Sarajevo.
Das Sarajevo Film Festival ist jedes Jahr im August filmischer und kultureller Höhepunkt und zieht immer mehr Touristen aus dem Ausland an.

Medien

Die drei wichtigsten Tageszeitungen in Bosnien und Herzegowina sind Dnevni avaz (deutsch Tagesstimme) und Oslobodenje (deutsch: Befreiung), die beide in bosnischer Sprache in Sarajevo erscheinen, und Nezavisne Novine (dt Die unabhängige Zeitung), die in Banja Luka in serbischer Sprache und lateinischer Schrift erscheint Zudem gibt es eine Reihe von politischen Wochenzeitungen wie Slobodna Bosna (dt Freies Bosnien) oder Dani (dt Tage). Beliebt sind auch Zeitschriften, die über aktuelle Affären oder Stars der Volksmusik berichten, wie Express oder Svet (dt. Die Welt, eine gleichnamige und gleichformatige Zeitung erscheint auch in Serbien).

Bosnien und Herzegowina hat ein dreigliedriges öffentliches Rundfunk- und Fernsehsystem, mit einem nationalen Fernseh- und Radiosender (BHTV1 bzw. BH Radio 1) und je einem Entitätssender, der RTVFBiH, FTV in der Föderation und der RTRS (kyrillisch: PTPC) m der Republika Srpska. Einige private Sender wie OBN oder NTV Hayat sind im ganzen Land zu empfangen. Sehr beliebt ist Kabelfernsehen, das Sender aus den Nachbarländern und dem deutschsprachigen Raum einspeist.

Sport
In Sarajevo wurden 1984 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. In Bosnien und Herzegowina sind Fußball und Basketball die beliebtesten Sportarten. Im Fußball hat sich das Land stetig weiterentwickelt und verbessert. Für die Fußball-Europameisterschaft 2004 hätte sich das Land beinahe qualifiziert, im letzten Spiel gegen Dänemark fehlte nur ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten, aber schließlich ging das Spiel 1:1 aus, damit war Dänemark bei der Euro 2004, Mehr Erfolg kann die Nationalmannschaft im Basketball verbuchen. Sie hat sich für die letzten vier Europameisterschaften qualifizieren können.
Bei den Paralympischen Spielen 2004 in Athen gewann die bosnisch-herzegowische Volleyballmannschaft die Goldmedaille.

Essen und Trinken

Die bosnisch-herzegowinische Küche hat viele Spezialitäten zu bieten, z. B. Bosanski Lonac, Cevapcici, Lokum (Türkischer Honig), Pita (Pide) in allen Variationen von Gemüsearten. Daneben gibt es Sogan Dohna, Somun, Japrak, Baklava, Halva, Burek, Sarma und vieles mehr. Bosnische-herzegowinische Gerichte sind stark von der Türkischen Küche beeinflusst.

Feiertage und Feste

Neben religiösen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern (bei den Kroaten und Serben), und den islamischen Festen Ramazanski Bajram (am Ende des Ramadan) und Kurban Bajram (zur Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka), gelten folgende Feiertage in Bosnien und Herzegowina:

Neujahr (Nova Godina): Der 1. und 2. Januar sind Nationalfeiertage, Silvester wird prächtig gefeiert und der 13. Januar (Serbisches Neujahr nach dem julianischen Kalender)

Unabhängigkeitstag (Dan Nezavisnosti): 1. März—erinnert an den Abschluss des Referendums zur Unabhängigkeit am 29. Februar/1. März 1992

Tag der Arbeit (/*rvi ma/): Der I. und 2. Mai sind nationale Feiertage, der Tag der Arbeit wird als Anlass für große öffentliche Feiern genutzt.

Nationalfeiertag (Dan Drzavnosti): 25. November—erinnert an die Ausrufung der Volksrepublik Bosnien und Herzegowina in Mrkonjic Grad am 25. November 1943

In der Republika Srpska werden der 1. März und der 25. November nicht gefeiert, dafür der 9. Januar als Tag der Republik (Dan Republik) sowie der 21. November (Tag des Dayton-Abkommens). Es ist geplant, ein einheitliches Feiertagsgesetz für ganz Bosnien und Herzegowina zu verabschieden.

Daneben gibt es in den verschiedenen, hauptsächlich von Kroaten bewohnten Gemeinden und Dörfern lokale Feiertage, die sich am christlichen Kalender orientieren (z. B. Namenstage Heiliger, kleine Ostern", etc.). Ein besonderer Feiertag ist der Namenstag des Schutzpatrons eines jeden Ortes. Neben einer sehr gut besuchten Messe und evtl. einer Prozession gibt es in den meisten Häusern und auf Plätzen Feierlichkeiten, zu denen auch die Einwohner der Nachbarorte kommen.
 

Fakten
 

 

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