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Die Festung bot Sicherheit für die Handelsschiffe, die entlang der Wolga segelten sowie für die fremden Kaufleute, die von den Städten der baltischen Regionen und anderer Länder zu den berühmten Boulgar Messen anreisten. Eine dieser Messen befand sich in der Mündung des Bulak Kanals, gelegen nahe den Westwänden der Kasan-Festung. Infolge seines äußerst günstigen Standortes an der großen Volga-Route, die ein Teil der nördlichen Seidenstraße war, entwickelte sich die ursprüngliche Festung schnell zu einer Stadt.Entlang den Festungsmauern, den Moscheen und der Verwaltungsgebäude entstanden Handelsviertel, zudem entwickelte sich eine Architektur aus Ziegel und Stein. Die Stadt war damit prädestiniert, zur großen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Mitte der großen Volga-Uralregion aufzusteigen.
Bereits zur Zeit der “Goldenen Horde” wurde sie zur Hauptstadt des Kasan-Fürstentums. Spätestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts – nach der Ermordung des hiesigen Boulgar-Prinzen Alimbek – und der Machtergreifung durch den jungen Khan Mahmoud, Sohn des Ulug Moukhammad im Jahre 1445, galt Kasan zudem als Hauptstadt des gleichnamigen Khanats. Kasan spielte auch nach 1552 weiterhin eine große Rolle als Verwaltungssitz und politisches Zentrum in der Region.
Bis zum Jahr 1920 hatte man sich diesen offiziellen Status bewahrt, solange, bis die Tataren schließlich ihre Souveränität wiedergewannen und Kasan die Hauptstadt der autonomen tatarsischen Republik wurde. Sie spielte (und spielt noch immer) eine entscheidende Rolle in den Jahrhunderte alten Schicksalen der Menschen in Tatar, Russland, Mari, Chuvash und vielen anderen Völkern von Eurasien.
Die tausendjährige Geschichte von Kasan ist reich an dramatischen und tragischen Ereignissen. Viele Male wurde sie von neuem zerstört, niedergebrannt und wieder belebt. Außer ein paar Kleinigkeiten wissen wir allerdings wenig von der Frühgeschichte. Von den original geschriebenen Dokumenten der Boulgar-Tatars sind praktisch keine erhalten geblieben. Die russischen Chroniken, Notizen von Reisenden, Aufzeichnungen von Zeitgenossen und Legenden der Wolga Tataren enthalten zwar interessante Informationen, insgesamt sind diese allerdings wenige, noch dazu unvollständig, subjektiv und häufig hinsichtlich historischer Tatsachen und Ereignisse absichtlich verfälscht.
Die ersten Arbeiten über die Kasan-Historie wurden in der Zeit zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert veröffentlicht und beschäftigten sich hauptsächlich mit den sehr unterschiedlichen Aspekten der Vergangenheit. Diese Verfasser waren die ersten, die die wissenschaftliche Frage nach dem Alter der Stadt aufwarfen. Dieses tatsächliche Interesse gründete sich auf die natürliche Neugier, die jeden Menschen beschäftigt: Wann tauchte die Stadt auf? Wer gründete sie und wie sah sie in der Anfangszeit aus? Obwohl praktisch alle Historiker aus den selben Quellen schöpften, gaben sie zweideutige Antworten auf diese Fragen. Deshalb, weil die Historiker manchmal direkt entgegengesetzte Ziele hatten. Das Wichtigste an ihren Arbeiten war jedoch, dass die Stadt an der Wolga nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen und politischen Aspekten gesehen wurde, sondern als geistige Mitte der Menschen von Tatar, ja der gesamten muslimischen Welt von Russland, als eine Art Symbol, das die türkischen Völker miteinander vereint.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Erforschung von Kasans Vergangenheit geprägt von archäologischen Funden, im Laufe der Zeit zusammengetragen von Nikolay Kalinin (1888-1959) und Alfred Khalikov (1929-1994), entdeckt hinter den Kremlmauern und im historischen Teil der Stadt. Infolgedessen und nachdem man die Schlüsselzeiträume des Lebens in der Jahrhunderte alten Stadt betrachtete, wurde es möglich, viele strittige Fragen zu klären und Fehler zu korrigieren. Doch leider waren die umfangreichen Forschungen zur damaligen Zeit nicht besonders von Interesse. Selbst Grabungen in kleinen Bereichen mit sensationellen Entdeckungen (weiße Steinwände der Festung aus dem 12. Jahrhundert, Überreste der Mausoleen der Khans) wurden nicht geschätzt und waren in der Öffentlichkeit praktisch unbekannt.
Die unschätzbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse – von vorherigen Generationen von Wissenschaftlern zusammengetragen – öffneten den heutigen Historikern und Archäologen unendliche Horizonte für eine einheitliche Studie der jahrhundertealten Geschichte von Kazan mit ihren vielen Lücken. Von 1994 an, als mit der Verordnung des Präsidenten der Republik von Tatarstan, Mintimer Shaimiev, das “Kazan”-Kremlstaatsmuseum der Geschichte, Architektur und Künste gegründet wurde, haben Archäologen mit rund 60 Grabungen begonnen – hauptsächlich natürlich im Gebiet des Kremls selbst, aber auch in anderen Teilen der Stadt. Das derzeitige Gesamtgebiet umfasst über 15.000 Quadratmeter. Diese Ausgrabungen brachten erstklassige Funde zu Tage, die als Grundlage dienen, für eine zeitgenössische Vision einer tausend Jahre alten Vergangenheit.
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