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Europa
19.02.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Erzbischof Woelki jetzt auch Kardinal
Berlin hat jetzt auch einen Mann im Vatikan: Mit der Ernennung zum Kardinal wird Erzbischof Rainer Maria Woelki ab und zu neben dem Papst einen Platz einnehmen.
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Berlin/Rom (dpa) - Nicht im Traum habe er vor einem Jahr gedacht, dass er nun auch noch Kardinal wird, erklärt Rainer Maria Woelki. Am Samstag wurde der 55-Jährige von Papst Benedikt XVI. im Vatikan in den Kreis der Purpurträger aufgenommen. Von seinem Antritt als Erzbischof in Berlin bis zu seiner Segnung im Petersdom vergingen gerade einmal sechs Monate. Dass er zu den tollen Tagen in Rom und nicht in Köln ist, wird der bekennende Karnevalist Woelki wohl verschmerzen.
Berlin hat jetzt auch einen Mann im Vatikan: Papst ernennt Erzbischof Rainer Maria Woelki zum Kardinal.

Tatsächlich hat Woelki einen rasanten Aufstieg hinter sich. Auf den Tag genau vor einem Jahr sei er noch zur Visitation im Dekanat Neuss/Kaarst gewesen. Damals war der Geistliche noch Weihbischof in Köln. Dann erfolgte der Ruf nach Berlin, der Papst-Besuch in Deutschland, schließlich die Ernennung zum «Benjamin unter den Kardinälen», wie er nun sagt.

Der Karrieresprung war früher oder später fällig. Als oberster Hirte unter den Katholiken in der Hauptstadt folgt dem Berliner Bischofsamt irgendwann auch die Kardinalswürde. Dass der Ruf so schnell kam, ist überraschend und gilt als Zeichen der päpstlichen Zuneigung. Woelkis Vorgänger in Berlin, Georg Sterzinsky (1936 - 2011), musste länger warten, bis es so weit war.

Außer Woelki wurden 21 weitere Geistliche in den Kardinalsstand erhoben. Zehn neue Kardinäle kommen aus der römischen Kurie, 16 aus Europa. In Woelki hat der Papst einen Mitstreiter für die Neuevangelisierung Europas, die schon dem Theologen Joseph Ratzinger sehr am Herzen lag.

Der Erzbischof spricht von einem «Entscheidungschristentum»; auch in der Diaspora seien Katholiken aufgerufen, nicht einfach nur «das sogenannte Zeitgemäße» zu leben. Dazu passt auch sein Wahlspruch: «Wir sind Zeugen.» Woelki versteht sich vor allem als «ganz normaler Pastor».

Für die Verkündung von Gottes Wort ist Berlin ein denkbar schwieriges Terrain. In der deutschen Hauptstadt gehört nur jeder Dritte einer Kirche an, einer von zehn Einwohnern ist katholisch. Doch Woelki hat es verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen. Seitdem er in der Multikulti-Metropole den Hirtenstab übernommen hat, genießt er große Aufmerksamkeit.

Mit rheinischem Charme und deutlicher Ansprache macht er klar, wo er steht. Ob sein Verhältnis zum streng katholischen Orden Opus Dei, an dessen Universität in Rom er habilitiert wurde, oder seine Haltung zur Homosexualität - Woelki konnte seine Gegner besänftigen und trotzdem theologische Positionen halten.

Woelki ist der vierte im Kardinalsquartett innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz, dem schon Joachim Meisner (Köln), Karl Lehmann (Mainz) und Reinhard Marx (München und Freising) angehören. Mit 55 Jahren stehen ihm dort alle Türen offen. Er könnte bald eine führende Rolle einnehmen. Möglich ist auch, dass er nach Köln zurückkehrt und dort seinen Mentor, Kardinal Meisner, beerbt, der 2013 in den Ruhestand geht.

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