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Wortspieler trinkt Witze

Tschechien, Rabí
18.10.2011
Von Jürgen Herda    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Literarismus-Künstler Karel Trinkewitz versöhnt Wort und Bild
"Schon als Schüler der Keramikschule gefielen mir die Bilder von Salvador Dalí", erinnert sich Karel Trinkewitz an die Anfänge seiner Begeisterung für surrealistische Künstler. „Das war ja verboten, es galt als entartete Kunst.“ Seit 1965 wirkt er an künstlerischen Experimenten der Gruppe um Jiří Kolář mit, in Deutschland steht er in Verbindung mit dem Kreis um Max Bense.
Galerie
Karel Trinkewitz, bildender Wortkünstler an seinem Bücherschrank.

Schon bald begeistert den jungen Mann das Wort, das in der jüdischen Kultur mit ihrem Verbot von Gottesbildern einen traditionell hohen Stellenwert besitzt: Schrift und Kalligraphie werden für ihn zu einem Ausdrucksmittel weit über die dekorative Funktion hinaus.
Doppelbödige Kollagen sind sein Markenzeichen.

Kunst der Kollage
Zu seinem charkateristischen Kollagestil gelangt er, vom Vater beeinflusst, bereits früh: „Mich hat immer fasziniert, wie mein Vater, der Fotograf war, die Bilder zum Trocknen aufgehängt hat – die vielfache Wiederholung bekommt eine eigene Aussage.“ Trinkewitz warnt davor, die technischen Anforderungen an die Kunst der Kollage zu unterschätzen: „Man muss zunächst die Natur des Papiers sehr gut kennen, auf weche Art es sich aussdehnt – vor allem, wenn man große Flächen gestaltet.“

Seit Mitte der 1960er Jahre versöhnt Trinkewitz in seinem Literarismus Bild und Wort durch die Darstellung dichterischer Bilder mit kalligraphischen Mitteln. Als Gründungsmitglied des Klubs der Konkretisten arbeitet er seit Ende der 1960er Jahre auch an einer Theorie des Romans und der Collage: „So eine umfassende Theorie ist ein Prozess, der niemals fertig wird“, schmunzelt er. Der nimmermüde Essayist schreibt Prosa, Gedichte, illustriert und zeichnet mit Verve politische Karikaturen am Fließband.
Alte Buchstabenmaschine.

„Wie ich die Dichter traf“

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag erschien sein neuestes Buch „Wie ich die Dichter traf“, das den Bogen über die ganze Weltliteratur spannt. Persönliche oder literarische Begegnungen mit 200 Dichtern sind darin verarbeitet: „Ich hatte schon in Hamburg damit begonnen“, seufzt der Unruheständler, „aber ein Virus hat alles gelöscht, so dass ich alle neu schreiben musste.“

In seinen textreichen Zeichnungen „trinkt“ der Liebhaber von Wortspielen schon mal seine Witze: „Ich bin einfach in die Sprache verliebt“, schwärmt Trinkewitz über visuelle Poesie, „die Buchstaben haben ihre eigene Ästhetik.“ Was den leidenschaftlichen Sammler sofort daran erinnert, dass er irgendwo noch eine Kollage mit magnetischen Buchstaben haben muss: „Da haben wir sie ja. Ich sammle alles, Objekte mit Schriften, Buchstaben in Kugeln, Schüttelreime in Deutsch und Tschechisch.“
Karel Trinkewitz geehrte Kunst.

Aller Ehren wert
In einer großen Gesamtschau im Manès-Haus würdigt 1999 endlich auch Prag das Schaffen des Weltbürgers in der Retrospektive „Das Leben ist eine Collage“. Der Teilnehmer der documenta 11 kreiert für die die Expo 2000 in Hannover die Emder Kuh.

In der Hansestadt Hamburg, die dem ehemaligen Konsul die Städtepartnerschaft mit der tschechischen Hauptstadt verdankt, ehrte man ihn 1994 mit der Biermann-Ratjen-Medaille. Zusammen mit Persönlichkeiten wie Willy Brandt, François Mitterand oder Lech Wałęsa ist Karel Trinkewitz Träger des Ordens des Weißen Löwen, der höchsten Auszeichnung der Tschechischen Republik.

 

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