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Wolgograd
Russland, Wolgograd
"Wolgograd" ( , bis 1925 Царицын/Zarizyn , von 1925–1961 Сталинград/"Stalingrad" ) ist eine russische Großstadt mit rund 986.400 Einwohnern (2007). Sie ist das administrative und wirtschaftliche Zentrum der unteren Wolga. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein wichtiges Industriezentrum.
Durch die Schlacht von Stalingrad, den für das Deutsche Reich symbolischen Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges im Winter 1942/43, ging die Stadt in die Geschichte ein.
Geografie
Klimadiagramm von WolgogradGeoklima 2.1
;Geografische Lage
Wolgograd liegt 1.075 km südöstlich von Moskau am rechten Ufer der Wolga, rund 400 km nördlich der Mündung des Flusses ins Kaspische Meer. Die Stadt erstreckt sich in einer Breite von bis zu 10 km über 100 km am Ufer der Wolga entlang.
Geschichte
Die Stadt wurde 1589 als Festung gegründet, die Russland vor den Nomaden aus dem Süden schützen sollte. Die ursprüngliche Bezeichnung der Stadt ist "Zarizyn" (Царицын), aus dem Tatarischen "sari tschin" (gelber Sand) abgeleitet.
Die Stadt wurde zweimal von aufständischen Kosaken eingenommen, 1670 unter Stenka Rasin und 1774 unter Jemeljan Pugatschow.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Zarizyn zu einem wichtigen Handelszentrum, vor allem als Zentrum der Ölförderung aus Baku (Aserbaidschan). Im Bürgerkrieg 1917–1920 gab es hier erbitterte Kämpfe, denn die Stadt befand sich an der Kreuzung der Transportwege von Lebensmitteln vom Süden des Landes nach Moskau und Petrograd. 1925 wurde sie in "Stalingrad" (Stalinstadt) umbenannt.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde Stalingrad im Herbst 1942 von deutschen Truppen erreicht und von drei Seiten eingekesselt, lediglich Fährverbindungen über die Wolga hielten den Kontakt zur restlichen unbesetzten Sowjetunion aufrecht. Ziel der Wehrmacht war es, durch die Einnahme der Stadt den sowjetischen Schiffsverkehr über die Wolga nach Nord- und Zentralrußland zu unterbinden. Die Eroberung der Stadt gelang allerdings aufgrund des heftigen Widerstands der sowjetischen Truppen nicht vollständig. Stattdessen wurden im November 1942 die deutschen Truppen ihrerseits durch eine sowjetische Gegenoffensive eingekesselt. Ein Entsatzversuch scheiterte, und am 3. Februar 1943 erklärten die deutschen Truppen im Kessel Stalingrad (Kommandeur: Generalfeldmarschall Paulus) ihre Kapitulation. Fast 250.000 deutsche und verbündete Soldaten (Italiener, Rumänen, Ungarn) gingen in Gefangenschaft. Während der Kämpfe um die Stadt (Kesselschlacht von Stalingrad) wurde sie nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau begann gleich nach ihrer Befreiung im Februar 1943. Im Rahmen der Entstalinisierung wurde der Name 1961 in "Wolgograd" geändert.
In der Stadt befanden sich die drei Kriegsgefangenenlager "108", "361" und "362" für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs, dazu das Kriegsgefangenenhospital "5771".Maschke, Erich (Hrsg.): "Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges." Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977. Lager "362" bestand bis 1954.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Monumentalstatue „Mutter Heimat ruft“ in Wolgograd
Die Stadt ist von der typischen Architektur des Spätstalinismus der 1950er und 1960er Jahre der Sowjetunion geprägt.
Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählen die Wolga und die Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad, der Mamajew-Hügel, auch Mamaj-Hügel genannt. Im südlichsten Stadtteil von Wolgograd (in Krasnoarmeisk) liegt die ehemalige deutsche Siedlung Alt Sarepta, die 1765 von der Herrnhuter Brüdergemeine gegründet wurde. Nicht weit davon entfernt, direkt an der Einmündung des Wolga-Don-Kanales in die Wolga, steht die größte Lenin-Statue Russlands.
Wirtschaft und Infrastruktur
Das moderne Wolgograd ist heute nach wie vor ein wichtiges industrielles Zentrum Russlands. Wichtige Industriezweige sind Schiffbau, Schwarz- und Buntmetallverarbeitung, Erdölverarbeitung, Stahl- und Aluminiumproduktion, Anlagen- und Maschinenbau, sowie Holz,- Nahrungsmittel und chemische Industriebetriebe. Des weiteren befindet sich nördlich der Stadt ein großes Laufwasserkraftwerk, das Wasserkraftwerk Wolgograd.
Es war geplant, in Wolgograd ein Kernkraftwerk mit Fernwärmeproduktion zu bauen.A. Panasenkov, V. G. Sychev, K. Mensel: "A promising area for collaboration : Nuclear heat supply systems in CMEA countries." IAEA Bulletin, Volume 26, Issue 4, Wien 1984. S. 22 – 28 Die Pläne für zwei Blöcke wurden jedoch gestoppt. (englisch) (englisch)
Verkehr
Der Hauptbahnhof von Wolgograd
Wolgograd unterhält ein großes Straßenbahnnetz und seit 1984 eine Stadtbahn (russ. "Skorostnoi Tramwai", siehe unter Stadtbahn Wolgograd) mit 13,5 km Streckenlänge, davon 3,3 km im Tunnel.
Flughafen
Der Flughafen von Wolgograd hat seit der Selbständigkeit der angrenzenden ehemaligen Sowjet-Republiken stark von seiner Bedeutung als zentrale Drehscheibe im Süden Russlands eingebüßt. Bis auf die Sommermonate, wo noch einige Direktflüge ins Ausland existieren, geht der gesamte Flugverkehr ins Ausland zentral über die Moskauer Flughäfen Moskau-Scheremetjewo, Moskau-Domodedovo und Moskau-Wnukowo.
Bildung
*Filiale der Internationalen Akademie für Unternehmertum
*Filiale der Internationalen Slawischen G.-R.-Derschawin-Universität (des Instituts)
*Filiale der Staatlichen Handelsuniversität Moskau
*Filiale der Universität für Verbraucherkooperation Moskau
*Filiale der Staatlichen Akademie für Wasserstraßenverkehr des Wolgagebiets
*Filiale des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie
*Hochschule der Untersuchungsbehörden des Innenministeriums
*Institut für Jugendpolitik und Sozialarbeit
*Institut für Kunst und Kultur Wolgograd
*Juristisches Institut Wolgograd
*Modernes Geisteswissenschaftliches Institut
*Orthodoxe Universität des Ehrwürdigen Sergius von Radonesch ("Сергей Радонежский")
*Sozialpädagogisches Kolleg
*Städtisches Institut der Künste
*Technologisches Kolleg
*Akademie für den Staatsdienst Wolgograd
*Institut für Ökonomie, Soziologie und Recht Wolgograd
*Juristisches Institut Wolgograd des Innenministeriums Russlands
*Medizinakademie Wolgograd
*Staatliche Universität für Architektur und Bauwesen Wolgograd
*Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Wolgograd
*Staatliche Pädagogische Universität Wolgograd
*Staatliche Sportakademie Wolgograd
*Staatliche Technische Universität Wolgograd
*Staatliche Universität Wolgograd
*Städtisches Kunstinstitut Wolgograd
*Planetarium
Politik
Bürgermeister
Zum Oberbürgermeister von Wolgograd wurde 2007 Roman Grebennikow gewählt.
Städtepartnerschaften
* Coventry, England (1943)
* Ostrava, Tschechien (1948)
* Kemi, Finnland (1953)
* Lüttich, Belgien (1954)
* Dijon, Frankreich (1959)
* Turin, Italien (1961)
* Port Said, Ägypten (1962)
* Chennai, Indien (1966)
* Hiroshima, Japan (1972)
* Köln, Deutschland (1988)
* Chemnitz, Deutschland (1988)
* Cleveland, USA (1990)
* Toronto, Kanada (1991)
* Jilin, Volksrepublik China (1994)
* Chengdu, Volksrepublik China (1998)
* Kruševac, Serbien (1999)
* Russe, Bulgarien (2001)
Söhne und Töchter der Stadt
*Larissa Iltschenko, Langstreckenschwimmerin
*Jelena Issinbajewa, Leichtathletin
*Wladimir Krjutschkow, Politiker
*Juri Kudinow, Schwimmer
*Tatjana Lebedewa, Leichtathletin
*Maxim Marinin, Eiskunstläufer
*Alexei Petrow, Gewichtheber
*Jelena Slessarenko, Leichtathletin
*Julija Sotnikowa, Sprinterin
Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 18.05.2013 10:58 von den Wikipedia-Autoren.
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