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Wo Libuše nichts gründete

Tschechien, Praha
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
„Gegenburg“ der Přemysliden, Heldenfriedhof und bunte Neogotik am Prager Vyšehrad
Südlich der Prager Innenstadt erhebt sich steil über dem rechten Ufer der Moldau (Vltava) ein zweiter Burghügel, der mittelalterliche Burgwall Vyšehrad, zu deutsch Hochburg. „Früher dachte man, das letzterer sogar älter sein könnte, aber heute weiß man, dass die Libuše-Legende falsch ist – der Vyšehrad ist um 40 Jahre jünger als der Hradschin und somit nicht Gründungsort der Stadt“, billigt Reiseleiter Ivo Janoušek dem Hradschin den Siegerkranz zu.
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Ein Engel streckt am Prager Heldenfriedhof seinen Arm aus.

Diese zweite Prager Burg der Herrscherdynastie der Přemysliden aus dem 10. Jahrhundert wurde bereits in der Romanik und Gotik zu einem beeindruckenden Areal erweitert, später dann zu einer barocken Festung ausgebaut. Dieser Fels an der Moldau, auf dem die Burg thronte, soll nach alter Legende jener Ort gewesen sein, wo die sagenhafte Fürstin Libuše, Stammmutter der Tschechen, in einer Vision die Gründung Prags voraussah und der Stadt eine große Zukunft weissagte – wo immer sie das geträumt haben mag, nach ausgedehnten archäologischen Forschungen steht jedenfalls fest, dass die Burg auf dem Hradschin bereits bestand als hier außer Gräsern noch nichts gewesen war.

Der Vyšehrad wird Regierungssitz
Erst um 1070 verlegte der erste böhmische König, Vratislav II., wegen Machtstreitigkeiten mit seinem Bruder Bischof Jaromír seine Residenz von der Prager Burg auf den Vyšehrad. Er gründete das Vyšehrader Kollegiatkapitel St. Peter und Paul, das sich zu einem bedeutenden Bildungszentrum entwickelte. Es brachte u.a. den Codex Wyssegradensis (1085) hervor, das Krönungsevangeliar Vratislavs II., eine der ältesten romanischen Buchmalereien. Ende des 11. Jahrhundert ließ Vratislav neben Kirche und Stiftsgebäuden einen romanische Palas sowie die St.-Laurentius-Basilika und die St.-Martins-Rotunde errichten.
Heute ist der Višehrad Prags 6. Bezirk: Die Kirche St. Peter und Paul im Hintergrund.

Fürst Soběslav I. (1123–40) kehrte am Ende seiner Herrschaft auf die Prager Burg zurück. Nach rund 70 Jahren Regierungstätigkeit auf dem Vyšehrad verfiel die Burg zunehmend. Die geistlichen Einrichtungen wie das Kollegiatstift blieben erhalten. Karl IV. ließ die Anlage an die Befestigung der Prager Neustadt anschließen – nicht zuletzt auch als Andenken an seine Mutter, Königin Elisabeth, die 1330 hier verstarb. Den Hauptzugang bildete im Osten das „Spitze Tor“ (Špička), das wie die anderen vier Stadttore mit neun Türmchen versehen wurde. Innerhalb des Mauerrings ließ Karl einen neuen Königspalast errichten. St. Peter und Paul wurde zwischen 1364 und 1369 zu einer dreischiffigen Basilika mit Seitenkapellen umgebaut.

Vyšehrader Madonna
Ihr heutiges neogotisches Erscheinungsbild verpasste ihr zwischen 1885 und 1887 der böhmische Architekt Josef Mocker aus Cítoliby, die dominierende Doppelturmfassade entstand sogar erst 1902/1903. Auch der Fassadenschmuck und die farbenprächtige Innenausstattung sind Ergebnisse dieser Regotisierung. Ganz und gar original ist dagegen das gotische Tafelbild der Jungfrau Maria von 1360 (Tempera auf Holz), die sogenannte „Vyšehrader Madonna“ oder „Regenmadonna“. Sie soll in Dürrezeiten für segensreiches Nass gesorgt haben.
Karls IV. dreischiffige Basilika: Kirche St. Peter und Paul.

Karl IV. bestimmte den Vyšehrad zum Ausgangspunkt des Krönungszuges der böhmischen Könige, den er selbst als erster am 1. September 1347 unternahm und der von hier aus über den Viehmarkt, die Altstadt und die Karlsbrücke zum Hradschin führte. Nach Karls Tod wandelte sich der Vyšehrad zur Priesterstadt mit über 100 Geistlichen. Die Hussiten eroberten die Anlage 1420 und zerstörten so gut wie alle Gebäude.

„Freistadt auf dem Berge Vyšehrad“
In den folgenden Jahren gründeten kleine Handwerkern die „Freistadt auf dem Berge Vyšehrad“. Nach der katholischen Gegenreformation hatte ab 1620 wieder das Kapitel das Sagen und wies die mehrheitlich hussitisch-freiheitlich eingestellten Bewohner in ihre Schranken. Um die altehrwürdige Burganlage nach schweren Verwüstungen durch die Schweden zu einer Barockfestung mit gewaltigen Schanzen aus Backsteinmauerwerk und schweren Eckbasteien ausbauen zu können, wurden die letzten Anwohner vertrieben und deren Gebäude abgerissen. 1866 wurde die Festung aufgehoben und als sechstes Stadtviertel Prag angegliedert. Heute leben etwa 1731 Vyšehrader in 114 Wohnhäusern.

Auf dem bedeutendsten Prager Friedhof neben der Kirche St. Peter und Paul, dem Vyšehradský hřbitov, ruhen unter anderem die Komponisten Antonín Dvořák, Bedřich Smetana und Rafael Kubelík, die Opernsängerin Ema Destinová sowie der Dichter Jan Neruda. Im Zentrum dieser nationalen Begräbnisstätte steht der Slavín (1889-1893), eine gemeinsame Ehrengruft verdienter Persönlichkeiten des tschechischen Volkes – etwa der Jugendstil-Malerfürst Alfons Mucha hat sich dieses letzte Ruhestätte verdient.
Goldene Straße
 

 

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