Deutsches Derby

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Das 80. Deutsche Derby, 1949

Das Deutsche Derby ist ein Galopprennen der Gruppe I. Der Leistungsvergleich für dreijährige Vollblutpferde wird jährlich am ersten oder zweiten Sonntag des Monats Juli auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn über eine Länge von 2400 Metern ausgetragen und ist das höchstdotierte deutsche Grupperennen.[1] Vergleichbare Veranstaltungen werden auch im Ausland durchgeführt.

Geschichte | Quelltext bearbeiten

Nachdem der Norddeutsche Bund 1867 eine Verfassung erhalten hatte und bei Berlin die Galopprennbahn Hoppegarten unter Regie des Union-Klubs (benannt nach dem Union-Rennen einer seit 1834 ausgetragenen Leistungsprüfung unter klassischen Bedingungen) entstanden war und in Wien seit 1868 der Preis des Jockey Clubs (Österreichisches Derby) stattfand, wurde 1869 nach einer Stiftung des preußischen Landstallmeisters Ernst von Schwichow in Hamburg ? quasi als gesellschaftliches Gegengewicht ? das Norddeutsche Derby erstmals ausgetragen. Der erste Sieger war das Pferd Investment aus dem Besitz von Ulrich von Oertzen.

Nur wenige Male wurde das Deutsche Derby (so seit 1889 genannt) nicht in Hamburg gelaufen. Dies war 1919 auf der Rennbahn Grunewald bei Berlin, 1943 und 1944 in Hoppegarten (nahe Berlin), 1946 München und 1947 Köln. Lediglich 1945 wurde das Derby nicht gelaufen.

Das Derby wurde 1940 bis 1944 als ?Großer Deutschlandpreis der Dreijährigen? ausgetragen und das Wiener Derby 1940?1944 als Großer Preis von Wien gelaufen. Das Derby kehrte 1948 nach Hamburg zurück und der Große Deutschlandpreis der Dreijährigen verblieb im Programm der sowjetischen Besatzungszone. Dieser wurde später als Derby der Deutschen Demokratischen Republik gelaufen.

Erfolgreich im Galopp-Derby | Quelltext bearbeiten

Der erfolgreichste Trainer im deutschen Derby war mit neun Siegen George Arnull (* Newmarket 1880, ? Köln 1960), ein Neffe der beiden Hamburger Vereinstrainer William King Arnull und Ernest Nevill Arnull, deren Großvater Bill Arnull dreimal als Jockey das englische Derby gewann.

George Arnull errang alle Derbysiege als Privat-Trainer in Diensten des Gestüt Schlenderhan, das mit Wiener Walzer 2009 seinen 18. Erfolg buchen konnte ? 101 Jahre nach dem ersten Sieger (1908 ?Sieger?). An zweiter Stelle folgt mit zwölf Erfolgen bis 1944 das staatliche Hauptgestüt Graditz.

Erfolgreichster Jockey ist Gerhard Streit mit acht Siegen, gefolgt von Otto Schmidt und dem noch aktiven Andrasch Starke mit sieben Siegen. An vierter Stelle folgt Tom Busby, der bis 1896 fünf Mal das Deutsche Derby gewann, dazu drei Mal das Derby in Wien und zwei Mal in Kopenhagen.

Lediglich drei Aktive haben das Deutsche Derby sowohl als Reiter und als Trainer gewonnen. Hein Bollow, der als Reiter 1953, 1954, 1956 und 1962 erfolgreich war, gewann 1974 mit Marduk das Derby noch einmal als Trainer. Harro Remmert gewann 1973 das Derby auf Athenagoras als Reiter und 1995 mit All My Dreams als Trainer. 1937 gewann Ernst Florian Grabsch mit Abendfrieden als Trainer-Jockey für das Gestüt Graditz. Eine Konstellation, die heute nicht mehr möglich ist. Entweder ist ein Aktiver Trainer oder Reiter, aber nicht mehr beides in Personalunion.

Vielen großen und erfolgreichen Reitern fehlte es einfach am nötigen Glück, einen Sieger im Derby zu reiten. Dazu gehören Peter Remmert, Fritz Drechsler und der Europa-Rekordler Peter Schiergen. Als Trainer hat Peter Schiergen dafür schon fünf Derbysieger gesattelt: 2001 Boreal, 2006 Schiaparelli, 2008 Kamsin. 2013 Lucky Speed und 2015 Nutan.

Das Derby ist ein klassisches Rennen und damit ausschließlich für dreijährige Hengste und Stuten offen. Wallache sind ausgeschlossen. Weiterhin müssen die Starter in einem anerkannten Gestütbuch der Rasse Vollblut eingetragen sein. Deswegen können Pferde das Derby nur einmal gewinnen, was sie nicht daran hindert mehrere verschiedene Derbys zu gewinnen. So hatten vor ihrem Sieg im Deutschen Derby folgende Pferde bereits das Derby in Wien gewonnen: 1883 Tartar, 1887 Zsupan, 1905 Patience, 1942 Ticino, 1943 Allgäu, 1944 Nordlicht, 1954 Kaliber und 1964 Zank. Birkhahn gewann 1948 in Hamburg das Deutsche Derby und in Hoppegarten den Großen Preis der Dreijährigen ? das Derby der DDR.

Bisher gelang es drei Trainern, die drei Erstplatzierten im selben Deutschen Derby zu satteln:

  • 1967 Sven von Mitzlaff mit Luciano, Norfolk und Presto
  • 1985 Heinz Jentzsch mit Acatenango, Pontiac und Lirung
  • 2000 Andreas Schütz mit Samum, Subiaco und Acamani
  • 2002 Andreas Schütz mit Next Desert, Salve Regina und Tomori

Es gibt bislang fünf Stuten, die Mutter von jeweils zwei Derbysiegern sind:

  • Kirschfliege mit Kaliber (1954) und Kilometer (1956)
  • Ordinale mit Orofino (1981) und Ordos (1983)
  • Laurea mit Lando (1993) und Laroche (1994)
  • Britannia mit Borgia (1997) und Boreal (2001)
  • Sacarina mit Samum (2000) und Schiaparelli (2006)
  • Wellenspiel mit Windstoß (2017) und Weltstar (2018)

Samum und Schiaparelli (von Monsun aus der Sacarina) sind die bislang einzigen Vollbrüder, die beide das Deutsche Derby gewannen.

Väter von drei oder mehr Derby-Siegern: