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Griechenland
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Seit der Zeit, als in den vergangenen Jahrzehnten die Klöster des Heiligen Berges überflutet wurden von Zehntausenden Pilgern und „Touristen", als die Mönche bei Arbeit und Gebet empfindlich gestört wurden und ihren gewohnten I.ebensrhythmus nicht mehr einzuhalten imstande waren, hat die Regierung des Mönchsstaates eine äußerst restriktive Einreiseregelung durchgesetzt. Nicht mehr als zehn Athosbesuchern — Pilger griechischer Nationalität können allerdings mit äußerst großzügigen Ausnahmen rechnen — wird täglich die Einreise zum Heiligen Berg gestattet, und da diese Quote durch die griechischen Behörden in Saloniki streng über¬wacht wird, empfiehlt es sich, im allgemeinen folgende Vorgangsweise einzuhalten, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen können, sofern der Athosbesucher über genügend Wartezeit verfügt: Die Einreise zum Athos ist Männern über 18 Jahren gestattet — es sind jedoch auch schon 12jährige Knaben legal eingereist —, sofern sie geist¬liche, künstlerische, wissenschaftliche oder sonstige Interessen glaubhaft machen können.
Von einer öffentlichen Institution (Pfarre, Universität, Kunstschule etc.) ist ein Empfehlungsschreiben einzuholen, welches „berechtigtes Interesse" an einem Athosbesuch begründet.
Dieses Schreiben wird an die Botschaft des Heimatlandes in Athen oder an das Konsulat in Saloniki gesendet, von wo man in der Folge eine „weiterführende Empfehlung" erhält, die zur Vorlage bei den griechischen Behörden dient. Diese zweite Empfehlung, und nur diese (am besten eine Ablichtung davon), wird, zusammen mit dem vom Reisenden gewünschten Einreisetermin mittels Einschreib¬brief an das griechische Außenministerium in Athen gesendet, oder besser an das Ministerium für Nordgriechenland in Saloniki. Persönliche Vorsprachen sind natürlich ebenso möglich, weil aber, besonders vor hohen Feiertagen und generell zwischen Mai und Oktober, die Quoten oft ausgeschöpft sind, muss mit wochenlangen Wartezeiten bis zur Einreise gerechnet werden. Deshalb sollte der Antrag möglichst früh, am besten einige Monate vor dem geplanten Einreisetermin gestellt werden. Aus Saloniki oder Athen müsste die Antwort mit der Termin¬bestätigung nach etwa drei bis vier Wochen eingelangt sein, widrigenfalls weitere briefliche, besser aber telephonische Rückfragen Klärung bringen können. Nur der Besitz einer schriftlichen Terminvormerkung der griechischen Ministerien in Athen oder Saloniki gibt eine gewisse Sicherheit, später die schriftliche Einreisegenehmigung nach der persönlichen Vorsprache im Ministerium, am besten in Saloniki, auch zu erhalten. Nach Ausfertigung und Erhalt dieser Einreise-genehmigung kann die Reise von Saloniki in Richtung Athos erfolgen, und zwar entweder mit einem Taxi (Saloniki - Hierissos oder Ouranoupolis, bei einer Fahrtzeit von etwa 2 Stunden ) oder mit einem der mehrmals am Tag vom Autobusbahnhof nach Ouranoupolis abfahrenden Busse, welche — sehr viel preiswerter, allerdings auch unbequemer — die Fahrt in etwa vier Stunden bewältigen und oft qualvoll überfüllt sind. Genächtigt werden kann in Privatquartieren oder Hotels, entweder in Hierissos an der Ostküste oder in Ouranoupolis, der „Himmelsstadt" an der Westküste, welche der Mönchsrepublik noch etwas näher liegt. Letztgenannter Ort ist der wichtigste Ausgangspunkt für die Schiffsreise zum Athos. Am sichersten ist die Passage von dem meist mit Touristen überfüllten Ouranoupolis aus. von wo täglich das Schiff um etwa 9 Uhr morgens nach Daphni. dem Haupteinreisehafen des Heiligen Berges, fährt. Rechtzeitiges Eintreffen am Pier ist ratsam, weil die Einschiffung wegen Kontrollen der Einreisepapiere längere Zeit in Anspruch nehmen kann. Von Hierissos legt bei ruhiger See, und nur dann, ein Schiff um etwa 6 Uhr früh ab. Auskünfte können am Vorabend bei der Polizeistation nahe dem Strand eingeholt werden. Da dieses Schiff schon zwischen 9 und 10 Uhr Iviron erreicht, von wo der Bus nach Karyäs startet, gelangt man schon am Vormittag nach Karyäs, einige Stunden bevor der Besucher¬strom aus Daphni mit dem Bus eintrifft.
Wenn trotz vorabendlicher Ankündigung das Boot von Hierissos wegen aufkommenden Windes an diesem Tag nicht verkehrt, so bleibt dem Athospilger immer noch genügend Zeit, gemütlich zu Fuß die etwa zwei Kilometer entfernte Bus¬station zu erreichen, von wo der Autobus täglich um etwa 8 Uhr in Richtung Ouranoupolis abfährt, um dort 20 Minuten später rechtzeitig zum „Morgenschiff" einzutreffen. Vor Betreten des Schiffes wird von griechischen Polizisten die Einreise¬genehmigung überprüft und dieses Papier, zusammen mit dem Reisepass, in Verwahrung genommen. Nach einer eindrucksvollen Fahrt entlang der Westküste wird nach etwa 4 Stunden Daphni erreicht, wo sich der Reisende zunächst einen Platz im Autobus erkämpfen muss, der nach knapp 50 Minuten in Karyäs eintrifft. Der Palast der Mönchsregierung befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle. Nach Aufruf des Namens wird der Reisepass zusammen mit dem Diamonitirion ausgegeben. Nun ist der Wanderer frei, innerhalb der genehmigten Frist, meist .3 - 4 Tage, den Heiligen Berg zu durchstreifen und sich in den Klöstern aufzuhalten. Beim Betreten eines Klosters wird der Gast meist vom Portaris, dem Pförtner, oder vom Archondaris. drin Gastpater, empfangen, der das Diamonitirion, den so genannten „Athospass", überprüft und sodann mit Kaffee, Lukoumi und Ouzo den Besucher willkommen heist. Bei Sonnenuntergang werden die Klostertore geschlossen, um erst am nächsten Morgen nach dem Gottes¬dienst wieder geöffnet zu werden. Wer zu spät kommt, kann kaum mit Einlass rechnen.
Bei einer geplanten Nächtigung sollte man schon am Nachmittag im Kloster eintreffen, weil der Besucher dann in Ruhe nach einem Klosterrundgang dem Gottesdienst beiwohnen kann, nach dessen Beendigung die Mönche, gefolgt von Pilgern und übrigen Gästen, in die Trapeza einziehen, um das Abendessen einzunehmen.
Die zweite Mahlzeit des Tages findet manches Mal schon am Vormittag nach dem Morgengottesdienst (wie etwa in Dochiariou) oder auch kurz vor der Mittagszeit nach dem Gottes¬dienst (wie in Panteleimonos) statt. Immer wieder aber wird es möglich sein, bei einem freundlichen Küchen¬mönch einen kleinen Imbiss zu erbitten, falls man die Hauptmahlzeit versäumt haben sollte. Obwohl in den letzten Jahren zahl¬reiche Forststraßen zwischen den Klöstern angelegt worden sind, fällt die Orientierung wegen mangelhafter oder fehlender Wegweiser oft schwer. In Karyäs ist eine Wege¬beschreibung mit einer sehr genauen Karte von Prof. Zwerger erhältlich, trotzdem aber ist man gut beraten, keinesfalls von den Wegen abzuweichen oder alleine auf dem Heiligen Berg zu wandern. Neben festem Schuhwerk sollte man auch nicht auf Notproviant und Wasser¬vorrat vergessen.
Meist ist es möglich, vom Gastpater die Genehmigung zur Besichtigung der Kirche außerhalb der Gottes dienst- Zeiten zu erhalten. Während der Liturgie dürfen sich „Nicht¬orthodoxe" höchstens in den Vorräumen (Narthices) der Kirche aufhalten, von wo aus sie durch die offenen Türen des Naos der Liturgie beiwohnen können, wenngleich manche Klöster (Xeropotamou, Esphigmenou) einem Katholikos oft sogar das Betreten der Kirche oder des Narthex auch außerhalb der Gottesdienste überhaupt verwehren. In Chilandariou wiederum sind auch Katholiken bei der Feier des Gottes¬dienstes in der Kirche herzlich willkommen.
Mit Freundlichkeit und Zurück¬haltung kann auch hier so manche Barriere überwunden werden. Überhaupt ist es außerordentlich zu empfehlen, jegliches „touristisches" Gehabe absolut zu vermeiden. Die Klöster, Skitai und Kellia des Heiligen Berges sind Andachtsstätten, Katholikon, Trapeza und Skevophylakion in den Klöstern keine Museen und die Mönche keine Fremdenführer. Genehmigungen, innerhalb der Klostermauern zu photographieren, und sei es nur im Klosterhof, werden in den letzten Jahren immer seltener und restriktiver erteilt, weil sich die Mönche dadurch gestört fühlen. Einfühlsames Verhalten aber, behut¬same Annäherung und Konversation (viele der Mönche sprechen Englisch, Französisch oder Deutsch) überwinden manche Hürde, wenngleich auch nicht überall. Die Achtung der persönlichen Intimsphäre verbietet das unerlaubte Photographieren von Personen, besonders der Mönche, aber auch hier gilt das oben Gesagte.

Dieser Artikel ist Teil der Tour "Athos - Der Heilige Berg"
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