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Sicherheitskreise: Pakistan geht gegen BND-Büro vor

Deutschland
21.01.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  Im VZ-Netzwerk posten
Die Geheimdienste Pakistans und Deutschlands sind offiziell Verbündete. Dennoch sind pakistanische Sicherheitskräfte nun offenbar gegen den BND in Peshawar vorgegangen. Drei Deutsche sollen kurzzeitig in Gewahrsam genommen worden sein.

Peshawar (dpa) - Die Polizei ist nach Angaben aus pakistanischen Sicherheitskreisen gegen den Bundesnachrichtendienst (BND) in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar vorgegangen. Drei Deutsche seien am Samstag vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden, sagte ein hochrangiger Polizist namens Mian Saeed in der Hauptstadt der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa der Nachrichtenagentur dpa. «Sie gehörten zu einem ungenehmigten Verbindungsbüro der Deutschen Botschaft.» Das Büro sei versiegelt worden.

Ein pakistanischer Geheimdienstoffizier, der anonym bleiben wollte, sagte, die Deutschen seien Geheimdienstmitarbeiter. «Unter ihnen ist ein Offizier im Rang eines Oberst.» Die deutsche Botschaft hat in Peshawar keine offizielle Außenstelle. Nach dpa-Informationen unterhält allerdings der Auslandsgeheimdienst BND dort seit mehreren Jahren ein Büro, und zwar mit dem Wissen der pakistanischen Behörden.

Nach Polizeiangaben wurden die drei Bundesbürger noch am Samstag an Diplomaten der Deutschen Botschaft in Islamabad übergeben. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: «Uns sind keine Festnahmen bekannt. Wir sind um Aufklärung bemüht.» Deutschland wie auch die USA sind offiziell Verbündete Pakistans im Kampf gegen Extremismus. Besonders die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad sind seit Monaten allerdings schwer belastet.

Peshawar liegt in der Nähe der afghanischen Grenze. In den nahe gelegenen Stammesgebieten auf der pakistanischen Seite operieren radikalislamische Taliban und das Terrornetz Al-Kaida.

Der pakistanische Geheimdienstoffizier sagte über die Deutschen: «Wir haben sie über Monate hinweg beobachtet. Sie reisten in der Gegend um Peshawar herum, um zu spionieren.» Die Bundesbürger hätten sich dabei mit Visitenkarten als Entwicklungshelfer der staatlichen deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ausgegeben.

Nach Angaben der Polizei wird den Deutschen vorgeworfen, gegen das Ausländergesetz verstoßen zu haben. Sie hätten keine Dokumente vorweisen können, die ihnen erlaubten, sich in Peshawar aufzuhalten. Aus juristischer Sicht sind die Vorwürfe nicht besonders schwerwiegend. Sie können aber als Grund für eine Ausweisung dienen.

Aus deutscher Sicht allerdings erscheinen die Vorwürfe absurd. Der BND unterhält seit vielen Jahren ein Büro in Peshawar - nicht nur mit dem Wissen, sondern auch mit Genehmigung der pakistanischen Behörden. Dabei waren nie Zwischenfälle bekanntgeworden. Beobachter rätselten daher über den Hintergrund des Vorfalls.

Peshawar gilt wegen der Nähe zu Afghanistan und der Anwesenheit zahlreicher Extremisten als hochsensible Stadt. Internationale Journalisten, die aus dem Ausland anreisen, erhalten in der Regel keine Erlaubnis, die Stadt zu besuchen.

 

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