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Ruggell

Liechtenstein, Ruggell
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"Ruggell" ist die nördlichste Gemeinde des Fürstentums Liechtenstein und liegt in der Ebene des St. Gallischen Rheintals am Fusse des Eschnerbergs bzw. des Schellenbergs.

Wegen dieser ebenen (flachen) Topographie wird Ruggell gerne auch „Fahrraddorf“ genannt.

Einwohner
Ruggell hat 1932 Einwohner - davon sind 967 männlich und 965 weiblich (Stand November 2007). Die Aufteilung in Nationalitäten lautet wie folgt: 1438 sind Liechtensteiner/-innen (74,4 %), 494 andere Nationalitäten (25,6 %)

Geschichte
Der Name Ruggell wurde schon in früher Zeit, erstmals um etwa 933 n. Chr., urkundlich auf einem Kaufvertrag erwähnt, der sich heute im Stiftsarchiv St. Gallen befindet. Er rührt vom Ausdruck "„roncale - ad roncalem“" her, was so viel wie roden, urbar machen bedeutet. Es siedelten hier aber schon in früherer Zeit Menschen, wie bronze- und römerzeitliche Funde im Ruggeller Riet belegen: Schmucknadeln, eine Lanzenspitze aus Bronze, ein Armreif und eine Bronzefibel.

Spätere geschichtliche Dokumente verweisen auf den ständigen Kampf mit dem Rhein und als Folge auch auf Nässe, Kälte und Hungersnöte. Daher ist die Ruggeller Geschichte stark mit dem Rhein verwurzelt. Durch Überschwemmungen brachte der Fluss immer wieder Leid und Elend ins Dorf und verwüstete es, bis nach dem letzten Rheineinbruch im Jahre 1927 der Rhein gebändigt und kanalisiert wurde. Seither hat das Gewässer seinen Schrecken verloren.

Ruggell war ein Bauerndorf - praktisch jeder Haushalt führte nebenbei eine kleine Landwirtschaft mit ein paar Kühen, Hühnern und Schweinen, meist für den Selbstgebrauch oder als Zubrot. Heute sind nur noch einige wenige Bauern übriggeblieben. Meist sind diese als Ausiedlungshöfe ausgesiedelt. Im Dorf selbst sind nur noch etwa zwei oder drei Bauern tätig. So ist die „dorfromantische“ Idylle mit Hühnern, Kühen und Misthaufen aus dem Dorfbild verschwunden; Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten und Plätzen prägen inzwischen seinen Charakter.

Ruggell ist heute ein modernes, vielschichtiges Dorf und ein beliebter Anziehungspunkt für Naturfreunde. Die Wohnbevölkerung hat sich in den vergangenen dreissig Jahren mehr als verdoppelt. Heute leben knapp 1950 Menschen in der nördlichsten und tiefstgelegenen Gemeinde des Landes. Das Dorfbild ist - neben historischen Bauten wie der 1899 vom Wiener Architekten Gustav von Neumann erbauten Pfarrkirche St. Fridolin - von modernen privaten und gewerblichen Gebäuden geprägt.

Infrastrukturell ist in Ruggell alles vorhanden, was den Einwohnern das Leben privat und geschäftlich erleichtert: eine moderne und effiziente Verwaltung, Schule, Post, Gastbetriebe, grosszügige Freizeitstätten aller Art, Gewerbebetriebe, Gemeindefernsehkanal, Fuss- und Fahrradwege, Baurechtsmöglichkeiten für Wohnungen und Unternehmungen und gute Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Auch für die Nahversorgung der Einwohner ist gesorgt.

Wappen
Im roten Schild über einen blauen weiß gesäumten Wellenbalken, welcher den Rhein symbolisitert und nahe dem Schildfuß ist eine goldene gestielte Kornähre, diese symbolisiert das Riet mit seinen Kornfeldern mit Seitenblatt beiderseits des Halmes.

Geographie
Ruggell ist die nördlichste Gemeinde des Fürstentums und grenzt direkt an Österreich (Riet/Scheidgraben) sowie durch den Rhein getrennt, auch an die Schweiz. Die Kanalmündung in den Rhein, welche vor einigen Jahren renaturiert wurde, bildet das Dreiländereck Liechtenstein-Schweiz-Österreich.
Im Ruggeller Riet liegt auch der tiefste Punkt des Fürstentums Liechtenstein mit etwa 430 Metern über dem Meer (höchster Punkt des Landes ist der Vorder-Grauspitz im Rätikon mit 2599 Metern über dem Meer).

Es herrscht ein mildes alpines Klima, welches durch den teilweise stürmischen „Föhn“ geprägt wird. Die Temperaturen schwanken zwischen max. -15°C im Winter und teilweise über 30°C im Sommer.

Die Ruggeller werden im Volksmund auch gerne „Lättaknätter“ genannt. Dieser Ausdruck stammt auch vom Riet. Der lehmige Boden, der hier vorkommt, wird als „Lätta“ bezeichnet. Früher wurde im Riet auch Torf gestochen. Der Torf wurde zum Feuern, also Beheizen der Häuser benutzt. Diese alte Tradition ist in den letzten Jahren zunehmend verschwunden.

Flora und Fauna
Direkt am Fusse des Schellen- bzw. Eschnerbergs gelegen befindet sich das Ruggeller Riet, die an Flora und Fauna reichhaltigste Naturfläche Liechtensteins. Es handelt sich dabei um ein Flachmoor, das vor etwa 10.000 Jahren durch Verlandung von Hinterwässern des Rheins entstanden ist. Die Charakterpflanze ist die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), welche gegen Ende Mai/Juni blüht. Von europäischer Bedeutung ist der Kammfarn (Dryopteris cristata). 450 Gefässpflanzenarten, 72 Moos- und 216 Pilzarten kommen im Ruggeller Riet vor. Vom reichen Tierleben zeugen 146 Vogel- und 534 Schmetterlingsarten. Biber und Storch, die lange Zeit aus der Landschaft verschwunden waren, wurden hier wieder heimisch.

Sprache
Die Amtssprache ist Deutsch. Als Umgangssprache wird ein alemannischer Dialekt gesprochen, welcher eine Mischung aus den angrenzenden vorarlbergischen und schweizerischen Dialekten darstellt.

Politik
Die alle vier Jahre, jeweils Ende Januar, durchgeführten Gemeinderats- und Vorsteherwahlen brachten im Januar 2007 einige Neuerungen:

So wird Ernst Büchel von der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP; die Schwarzen) neuer Vorsteher von Ruggell. Er löst somit den bisherigen Vorsteher Jakob Büchel von der Vaterländischen Union (VU; die Roten) nach acht Amtsjahren ab. Die FBP stellt somit nach 24 VU-Vorsteher-Jahren wieder den Vorsteher in Ruggell. Der Vorsteher wird jeweils separat und direkt im Majorzsystem gewählt (Mehrheitswahl).

Der Gemeinderat hat acht Mitglieder. Der Gemeinderat wird im Proporzverfahren durch die Ruggeller Bevölkerung neu gewählt (Verhältniswahl).

Die Wahlen im Januar 2007 haben folgende neue Aufteilung gebracht: vier VU- (bisher 3) und vier FBP- (bisher 5) Vertreter. Die FBP hat jedoch mit der Stimme des neuen Vorstehers, welcher ebenfalls der FBP angehört, die Mehrheit im Gemeinderat.

Religion
Die Aufteilung der Bevölkerung lautet wie folgt: 81,3 % römisch-katholisch, 8 % protestantisch und 10,7 % andere Konfessionen und Religionen.

Kultur
Ruggell hat ein reges und aktives Vereinsleben. Es gibt etwa 25 Vereine, darunter der Fußballclub „FC Ruggell“ (dieser feierte 2008 sein 50-Jahr-Jubiläum), der Musikverein „Frohsinn“, Gesangsvereine (Frauen- und Männerchor), Pfadfinder/innen „St. Fridolin“, Tennisclub, Tischtennisclub, Judoclub, Schützenverein, Veloclub (VC Ruggell - Radkriterium jeweils im Juli jedes Jahres - früher Schellenbergrundfahrt; Etappenort der Tour de Suisse), Damenturnverein, Funkenzunft „Häxawahn“, Freiwillige Feuerwehr (125-Jahr-Feier im Juni 2006), JAG Jugendarbeitsgemeinschaft der Unterländer Gemeinden Ruggell-Schellenberg-Gamprin.

Ruggell legt grossen Wert auf die Pflege der Tradition, auf sein Brauchtum und dessen Erhalt. Im Dorfmuseum „Küfer-Martis-Huus“, einem denkmalgeschützten Haus aus dem 18. Jahrhundert, gibt es regelmäßig Ausstellungen, Vorträge, Vorlesungen und so weiter zu verschiedenen Themen und Fachgebieten.

Ausserdem gibt es diverse Dokumentationen in Form von Büchern, Schriften, CDs (Mundart/Dialekt), Videos/DVDs (Torfstechen, Fischerei ...) über das Leben in Ruggell.

Sehenswürdigkeiten
* Pfarrkirche St. Fridolin (1899)
* Dorfmuseum Küefer-Martis-Huus
* Renaturierte Kanalmündung in den Rhein
* Ruggeller Riet (Sumpfgebiet mit sehr reichhaltiger Flora und Fauna)
* Drei-Länder-Punkt (CH-A-FL)


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 17.10.2017 07:57 von den Wikipedia-Autoren.
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