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Reformer, Präsident, doch vor allem Revolutionär: Saakaschwili 50

Georgien
19.12.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Es gibt Ex-Präsidenten, die genießen den Ruhestand, und es gibt Michail Saakaschwili. Der 50-Jährige sucht nach Reformerfolgen in Georgien und einem Scheitern in der Ukraine verbissen eine dritte Chance.

Kiew (dpa) - Michail Saakaschwili ist in nur 50 Lebensjahren schon vieles gewesen: Minister und Präsident in seiner Heimat Georgien, Gouverneur der Schwarzmeerhafenstadt Odessa in der Ukraine. Doch vor allem war er immer Volkstribun und Revolutionär. Die Umbrüche in der einstigen Sowjetunion, die «bunten Revolutionen» sind sein Metier.

«Während der Revolution vergisst du alles in der Welt», sagte er, als er im September illegal die Grenze zu seiner zweiten Heimat Ukraine überquerte, Frau und Sohn aber im Bus in Polen zurückließ. «Kein Sex ist vergleichbar mit revolutionärem Erfolg» - so eine andere Devise.

Auch in der Ukraine mischt der «geniale Lärmverkäufer» (so ein Landsmann über ihn in der Zeitung «Serkalo Nedeli») die Politik auf. Präsident Petro Poroschenko wird seinen einstigen Studienkollegen nicht los. Die von Saakaschwili seit Oktober organisierten Demonstrationen entwickeln sich zur größten Herausforderung seiner Autorität, seit Poroschenko 2014 ins Amt kam. Zum 50. Geburtstag am Donnerstag (21.12.) hat der mit Kosenamen «Micho» genannte Berufsrevolutionär eine neue Idee und träumt vom Posten des Regierungschefs in Kiew.

Zwei Gegner gehören fest zum Weltbild des Georgiers: Korruption und Russland mit seinen Großmachtambitionen. Wenn er gegen die grassierende Korruption in der Ukraine kämpfe, sei das Teil der Loslösung vom russischen Imperium, ruft er seinen Anhängern in Kiew zu. Kremlchef Wladimir Putin nutzte ihn jüngst als Negativbeispiel und warnte sein Wahlvolk vor «Dutzenden Saakaschwilis, die über die Plätze laufen».

Georgien hat anfangs von Saakaschwilis Unruhe profitiert. In der sogenannten Rosenrevolution 2003 besetzten er und seine Anhänger das Parlament in der Hauptstadt Tiflis und verjagten den alternden Staatschef Eduard Schewardnadse.

Als Präsident setzte er in der Republik im Südkaukasus schnelle Reformen durch, Grundlage für den heutigen bescheidenen Aufschwung. Neue Straßen, transparente Behörden und die Reform der extrem korrupten Verkehrspolizei werden ihm hoch angerechnet. Trotzdem wurzeln Armut und Arbeitslosigkeit weiter tief.

In Washington und Brüssel war Saakaschwili mit seinem prowestlichen Kurs gern gesehen. Doch ab 2007 agierte der Hoffnungsträger zunehmend autoritär. Und er ließ sich 2008 zu einem aussichtslosen Krieg gegen die Atommacht Russland hinreißen. Seitdem sind die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien für Tiflis komplett verloren.

Nach zwei Amtszeiten räumte Saakaschwili 2013 den Posten, wie von der Verfassung vorgesehen, doch der erhoffte Wechsel ins Amt des Ministerpräsidenten misslang. Mittlerweile versperren Verfahren wegen Amtsmissbrauch und Korruption ihm eine ruhige Rückkehr nach Georgien.

In Kiew zeigte sich der umtriebige Politiker bei den Kundgebungen der Orangenen Revolution 2004 wie bei den Massenprotesten gegen Präsident Viktor Janukowitsch 2013. Mit der Ukraine verbindet ihn eine lange Geschichte. Der Spross einer georgischen Intellektuellenfamilie schaffte es an das Institut für internationale Beziehungen der Kiewer Schewtschenko-Universität. Studienaufenthalte in Straßburg und New York vervollständigten die Ausbildung des sprachlichen Multitalents. In Straßburg lernte er seine niederländische Frau Sandra Roelofs kennen, mit der er zwei Söhne hat.

2015 holte Poroschenko neben anderen Ausländern auch mehrere Georgier ins Land, um von deren Reformerfahrung zu profitieren. Er händigte Saakaschwili persönlich einen ukrainischen Pass aus und setzte ihn auf die schwer zu kontrollierende Hafenstadt Odessa an. Doch bis auf einige PR-Erfolge erreichte der Neu-Ukrainer kaum etwas. Die Schuld daran gab er dem Präsidenten, dessen Umfeld ihn behindert habe.

Saakaschwilis Ton wurde schärfer und im Juli diesen Jahres entzog Poroschenko ihm die ukrainische Staatsbürgerschaft wieder. Doch alle halbherzigen Maßnahmen des Präsidenten wirkten sich eher zugunsten des Unruhestifters aus: verpatzte Festnahmen, wenig überzeugende Anklagen. In der Ukraine solidarisiert man sich eher mit den Verfolgten. Auch wenn seine Basis in der Ex-Sowjetrepublik nur klein ist, glaubt Saakaschwili nun, die Ukraine retten zu müssen.

Zwar werde er sich «unter keinen Umständen» um das Präsidentenamt bewerben, sagt der Revolutionär. Er sei aber bereit, erst Ministerpräsident zu werden - und dann Bürgermeister von Odessa. «Ich scherze nicht», sagt er auf Nachfrage.

 

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